"Wenn du Sorgen hast, geh" zu Momo"
"Ich glaube ich bin 100 Jahre. Oder 102?", sagt die kleine Momo auf der Bühne des Alten Schlachthofs als sie von ihrem neuen Freunden Gigi (Jonas Löffler) und Straßenfeger Beppo (Lukas Hokenmaier) nach dem Alter gefragt wird. Momo (Johanna Speh) weiß auch nicht, wer ihre Eltern sind, fühlt sich frei wie der Wind und kann besonders gut zuhören: "Wenn du Sorgen hast, dann geh" zu Momo", sagte eine ihrer Freunde, doch bald schon ziehen Sorgenwolken über Momo hinweg. Mit den Erwachsenen stimmt nämlich etwas nicht, da sie weder für die Kinder, noch für irgendetwas anders Zeit haben. Die so genannten grauen Herren haben ihre Finger im Spiel, das ist Momo und den anderen Kindern bald klar, ebenso, dass man etwas dagegen tun muss, nur was? Eine Kinderdemonstration wird von den grauen Herren (Lisa Maier, Julia Reiser, Tobias Becker), die die Zeit von anderen Menschen stehlen und für sich horten, vereitelt.
Nur gut, dass die weise Schildkröte Kassiopeia (Luna Selle) Momo zu Meister Hora (Matthias Hahn) führt, dem Verwalter der Zeit, und der ihr gegen die grauen Herren beistehen will, doch so schnell lassen sich die grauen Herren nicht austricksen und nehmen Momo gefangen. Erst nach einem Jahr und einem Tag ist Momo plötzlich wieder da, doch all ihre Freunde haben sich verändert. Sie wurden in Ganztagesschulen untergebracht oder arbeiten nicht mehr in einem Gasthaus, sondern in einem Schnellimbiss. Momo ist einsam und wird von den grauen Herren zunehmend bedrängt. Momo soll sie zu Meister Hora führen, damit sie die ganze Zeit an sich reißen können. Doch zusammen mit der Schildkröte Kassiopeia und Meister Hora soll nochmals der Versuch gewagt werden, die grauen Herren zu überlisten.
Die Zeit steht still
Hierfür stellt Meister Hora kurzerhand die Zeit an und dieselbige rennt nun den grauen Herren davon. Sie kommen jetzt nicht mehr an ihre so genannten "Stundenblumen" heran, aus denen sie Zigaretten machen, die all die gestohlene Zeit beinhalten. Für die Zeitdiebe ist somit die Zeit abgelaufen und Momo und ihre Freunde sind wieder glücklich vereint.
Die Jugendlichen der Sigmaringendorfer Waldbühne haben unter der Leitung von Dominik Hadasch, Tobias Becker und Johannes Henne eine tolle schauspielerische Leistung gezeigt und sich mit einem Theaterstück auseinander gesetzt, das eines der bekanntesten Werke der Jugendliteratur zugrunde liegt - Michael Endes Roman "Momo". Seit Oktober probten die rund 20 Schauspieler und steckten ihre Energie und ihre Freude am Theaterspiel mit in dieses Stück. Und auch sehr viel Zeit. Zeit, die ihnen für andere Sachen fehlten und die grauen Herren wären hierüber sicherlich wieder sehr erbost, aber sie taten das, was Momo auch tat. Sich Zeit nehmen für das, was man gerne tut, und wenn man dabei noch einen vollen Alten Schlachthof hat und mit viel Applaus bedacht wird, dann gibt es nichts Schöneres. Das Publikum sah es jedenfalls genauso.
Wer noch hautnah miterleben möchte, welche Probleme die kleine Momo durchstehen muss, bis sie den Menschen die gestohlene Zeit wieder zurückbringen kann, hat am 17. und 18. Januar im Saal des Pfarrgemeindehauses in Sigmaringendorf die Möglichkeit jeweils um 19 Uhr das Theaterstück anzusehen. Der Eintritt ist frei. Über Spenden würden sich die Akteure jedoch sehr freuen.
(Erschienen: 12.01.2009 00:06)






