Maja entführt alle in ihre Wiesentraumwelt
Im Naturtheater Waldbühne ist die Biene Maja in ihrem Element. Nirgendwo ist an einem Sommerabend die Welt so schön wie hier. Die Sonne spielte mit dem hellen Grün der Bäume, der blaue Himmel spannte ein barockes Zelt über die Szenen, und die hereinbrechende Dunkelheit machte die Tierwelt noch plastischer und geheimnisvoller.
Die Ränge der Zuschauer waren zur Premiere voll besetzt. Als das Lied der kleinen Biene Maja zu Beginn erklang, klatschen Kinder und Erwachsene im Takt mit. Denn jeder kennt sie, diese freche, aufgeweckte und liebenswerte Biene. Theresa Müller hat sie wunderbar gespielt: Charmant, wissbegierig und tapfer begegnete sie Freunden, entkam Feinden und rettete ihre Bienenstadt.
Die ganze Vielfalt der Charaktere, die wir Menschen den Tieren zuschreiben, haben die Kinder und Jugendlichen wunderbar dargestellt. Jede Rolle ist top besetzt. Lisa Maier hat den rundlichen, verfressenen, tollpatschigen Willi verkörpert, Tabea Voll hüpfte als Freund Flip auf gefederten Schuhen einher.
Ganz hervorragend ist, wie Regisseur Matthias Henne die Szenen ineinander überlaufen lässt. Eine Begegnung folgt der anderen, sie entstehen an allen Orten der Bühne: Die Mücken kommen nervös und lästig aus dem Zuschauerbereich, der Regenwurm Max steigt aus dem Untergrund mit einem Bohrhammer, Peppi der Rosenkäfer empfängt Maja in den Blättern einer großen roten Rose. Das Spiel ist lebendig, und schnell wechseln die Szenen. Originelle Gags steigern das Erlebnis. Jedes Kind, egal welchen Alters, hat auf der Bühne seinen Platz, jedes wird gekonnt ins Spiel integriert.
Die Szenen werden von den aufwändigen Kostümen getragen. Es entstehen hochästhetische Gemälde. Die Kreuzspinne Thekla zum Beispiel trägt giftig pinkfarbene High Heels und einen schwarzen Gitterrumpf im Stil der Haute Couture von Karl Lagerfeld. Flip trägt die Leichtigkeit des Impressionismus im hellen Grün der Gräser kombiniert mit kräftigen Lila auf seinem eleganten Frack. Fritz der Schmetterling faltet seine schönen Flügel in weichen harmonischen Schlägen aus wie ein Tänzer des klassischen Balletts.
Das Team der Waldbühne hat unter der Leitung von Alois Ott und Walter Kordovan eine sehr schöne Bühne nach den Entwürfen des Rulfinger Bildhauers Christoph Carl Stauß gebaut. Irmhild Redemann-Bühler hat sie bemalt. Der Bienenstand ist ein achteckiges Häuschen mit geschlossenen Waben, die von den Bienchen durchbrochen werden, um auf die Welt zu kommen. Auf einer hohen Treppenlandschaft regiert die Bienenkönigin und wehrt souverän den Kampf der Hornissen ab. Ganz hervorragend füllen überdimensionale Mohnblumen und Früchte die Wiesenwelt. Sie sind in Kooperation mit den Oberschwäbischen Werkstätten für Behinderte entstanden. Menschen mit den unterschiedlichsten Behinderungen haben sie aus Pappmaschee unter der Anleitung von OWB-Erzieherin Edeltraut Kopp gebastelt.
(Erschienen: 15.06.2009 01:00)






