Die Weiber sind wirklich sehr lustig
Von unserer Mitarbeiterin Vera Romeu
Es war ein Schauspielabend ganz im Sinne des Autors William Shakespeare. Schon um 1600 hat der große Meister des Theaters gewusst, worüber Menschen am liebsten lachen: nämlich über Geschichten von Liebe und Eifersucht, von Prahlerei und Dummheit. Er zeigte den Hofleuten ihre Schwächen, in dem er überspitzt dargestellte Charaktere aufeinander prallen ließ.
„Die Lustigen Weiber von Windsor“ erzählt die Abenteuer eines aufgeblasenen und verarmten Ritters, Sir John Falstaff, der sich als Frauenheld brüstet und sein Auge gleich auf zwei verheiratete Damen der hohen Gesellschaft wirft. Diese sind zwar nicht glücklich in ihren Ehen, aber den lächerlichen Falstaff wollen sie auch nicht. Sie machen sich über ihn lustig, treiben böse Spielchen, bringen nebenbei den eifersüchtigen Ehemann zur Raserei und sind am Schluss dann doch selbst die Dummen. Die Schauspieler der Waldbühne haben Shakespeares Vorgabe meisterhaft umgesetzt, allen voran Volker Badouin als stattlicher Sir John Falstaff. Mit Leib und Seele schlüpft er in diese dem Leben zugetane Rolle, trinkfest, liebestoll und derb. Das Publikum ist begeistert, die Sympathie fliegt ihm zu.
Birgit Wolf stellt die temperamentvolle Mistress Alice Ford dar und bildet mit Falstaff ein großartiges Bühnenpaar. Ihren grundlos eifersüchtigen Ehemann Master Ford spielt Bernhard Rebholz, meisterhaft gelingt es ihm, die Not und Lächerlichkeit des eingebildeten Gehörnten darzustellen. Alle Schauspieler bilden auf der Bühne eine homogene Truppe, sie spielen in einem atemberaubenden Tempo, treiben die Erzählung voran und lassen sie im nächtlichen Wald von Windsor kulminieren. Dazu eignet sich natürlich die Freilichtbühne wie keine andere.
Unter der Regie von Joachim Link und Esther Rebholz werden die „Lustigen Weiber“ zu ganz neuem Leben erweckt. Die Charaktere sind äußerst plastisch dargestellt. Die Abfolge der Szenen ist voller Dynamik. Üppig, farbenreich und luxuriös sind die Kostüme. Angelika Hasenmeile stilisiert damit die Szenen zu hochästhetischen Gemälden. Das gelungene Bühnenbild (Entwurf Christoph Carl Stauß, Bau Alois Ott und Walter Kordovan und Malerei Irmhild Redemann-Bühler) ist geschickt in drei Bereiche gegliedert: das Wirtshaus, der Salon von Mistress Ford und die Burg für die nächtliche Begegnung im Wald.
Triumph des Geistes
Diese mitternächtliche Begegnung im Wald von Windsor ist in vieler Hinsicht der Höhepunkt des Stücks. Ursprünglich stellen die Frauen dem Falstaff hier eine Falle, doch dreht sich die Geschichte um 180 Grad und Falstaff demaskiert mit seiner Überlegenheit und seinem Höllengelächter, die kleinliche Gesellschaft von Windsor. Diese Szene ist ein Juwel der Inszenierung, das der ehemalige Waldbühnespieler und heute professionelle Regisseur Konstatin Tsakalidis gestaltete. Von allen Seiten kommen die als Geister verkleideten Bürger und wollen Falstaff übel mitspielen. Die sensationelle Choreografie gibt der Szene ihre große Schönheit und immense Kraft.
(Erschienen: 04.07.2010 21:10)






