Des Teufels Haare verhelfen zum Glück
Eine Premiere ist anders als eine normale Aufführung. Bevor es zur Sache ging, machte der Vorsitzende der Waldbühne, Johann Speh, in seinen Begrüßungsworten darauf aufmerksam, dass die Waldbühne mit der Premiere am Samstag die 30. Jugendstück-Premiere verzeichnet und die 99. Premiere seit Bestehen der Waldbühne. Premiere im doppelten Sinne des Wortes feierte auch Matthias Henne: Er gab mit diesem Stück sein Debüt als Spielleiter des Jugendstückes, eine Aufgabe, die er von dem langjährigen Spielleiter Gerold Rebholz übernommen hat.
Dann stieg man ein mit einer Idylle: Ein Mühlrad begann sich zu drehen, und die Müllersleut gingen ihrer Arbeit nach. Doch Überraschung! Der König (Gerold F. Rebholz) höchstpersönlich tauchte in dieser abgelegenen Gegend auf. Und oh Schreck, der eitle und bösartige Herrscher trachtet dem Ziehsohn der Familie (Leah Förderer), der ein Findelkind ist, nach dem Leben. Mit einem Brief schickt er den Jungen in sein Schloss, wo ihn die Königin (Julia Reiser) umbringen lassen soll.
Unbekümmert macht sich der Junge auf den Weg und gerät in die Fänge von Räubern. Die Räubermutter (Mira Löffler) hat aber Mitleid mit dem jungen Mann, und schließlich lesen die Räuber den Brief und beschließen, einen anderen zu schreiben: Der Junge soll bei Ankunft im Schloss mit der Prinzessin vermählt werden.
Die ruppige Atmosphäre im Räuberquartier findet einen schönen Kontrast in der lieblichen Welt der Hofdamen. Beides ist wohltuend fürs Auge. Das Findelkind und die Prinzessin verlieben sich natürlich sofort ineinander. Und die dahinschmelzenden Ahs und Ohs des Hofstaates werden von den Zuschauern aufgenommen und liebevoll nachempfunden.
Vom Drama zum witzigen Musical
Doch dann sind wieder Missgunst und Härte angesagt: Der König schickt den Jungen in die Hölle, wo er drei goldenen Haare vom Kopfe des Teufels auftreiben soll. Erst dann dürfe er die Prinzessin heiraten. Doch das Findelkind ist ein Glückskind und übersteht alle Gefahren.
War das Stück, das die beiden Sigmaringendorfer Gerold Rebholz und Friedrich-Wilhelm Mielke für eine erste Aufführung im Jahre 1986 nach dem Märchen der Brüder Grimm geschrieben hatten, bis dahin eher ein Drama, so wurde es mit der Szene in der Hölle zum witzigen Musical, das beste Unterhaltung bot. Vor allem der Auftritt des Teufels (Johannes Henne) war ein Genuss für Jung und Alt. Mit kräftigem Organ und ausdrucksstarkem Spiel beherrschte er Bühne und Zuschauerränge. Allein schon wegen dieser profimäßig gespielten Szene sollten sich Theaterfreunde diese Aufführung nicht entgehen lassen. Nadja Kiesewetter bot als Ellermutter einen ebenbürtigen Gegenpart.
Ausgestattet mit den drei goldenen Haaren und mit drei Antworten auf geheimnisvolle Rätsel macht sich der Junge wieder auf den Weg zum Schloss, wo er, für seine Antworten reich beschenkt, die Prinzessin zur Frau bekommt. Der böse König erhält, wie es in Märchen so ist, seine gerechte Strafe.
Der Waldbühne ist es wieder gelungen, eine Aufführung zu gestalten, mit der sie während dieses Sommers tausende von Zuschauern erfreuen wird. Rund 50 Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 25 Jahren sowie etwa 25 Personen hinter den Kulissen tragen zum Gelingen der Aufführungen bei und haben gleichzeitig auch selbst ihren Spaß daran.
(Erschienen: 16.06.2008 00:06)






