Özdemir: „Das Normale verwundert uns“
130 Stühle kann Gottfried Härle in seiner Malztenne aufstellen. Kurz vor Acht mussten die letzten Stühle heraus geholt und hingestellt werden, nur wenige blieben unbesetzt. So viele habe er nicht erwartet, gestand der Brauerei-Inhaber. Dabei war die Prominenz der gut zweistündigen Talkrunde, die Härle souverän strukturiert moderierte, durchaus beachtlich: Cem Özdemir, Bundesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen, der im Rahmen seiner Sommertour Leutkirch einen Besuch abstattete. Imre Török, Bundesverbandsvorsitzender deutscher Schriftsteller, der als gebürtiger Ungar in Isgazhofen im Allgäu lebt. Und der Leutkircher Pfarrer Albrecht Knoch, der sich als Migrationsbeauftragter im Kirchenbezirk Ravensburg für das Thema Integration, Migration und interkultureller Austausch geradezu anbot.
Kurzweilig, interessant, bissig
Und die Herren unterhielten. Kurzweilig, interessant, bissig. Charmant, wie Härle die Diskussion mit seinem Unwissen in Sachen Fußball eröffnete und gestand, seine Frau habe ihn über den hohen Anteil deutscher Nationalspieler mit Migrationshintergrund aufklären müssen. „Das Normale verwundert uns“, erklärte Cem Özdemir dazu. Es sei doch nur allzu normal, „wenn man in Deutschland aufwachse, dass man auch für Deutschland spielt“. Wer könnte das überzeugender sagen als der „anatolische Schwabe“, der bundesweit erste Parteichef mit Migrationshintergrund und selbst Sohn türkischer Einwanderer.
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(Erschienen: 29.07.2010 15:15)



