Muttis Marathon-Sieg ist Sitas' Geburtstagsgeschenk
Überraschungssieger gab's in fast allen Disziplinen. Den Marathon gewann der Schweizer Paul Küng von der LG Glarus, der in 2:58:12 Stunden als Einziger unter der Drei-Stunden-Marke blieb. Der 52-Jährige war damit das Aushängeschild der starken Schweizer Vertretung, die sich das Lauffieber ls Vorbereitungstermin für den 100-Kilometer-Lauf in Biel ausgesucht hatte. Seine Teamkollegin Bea Salvadori war mit 1:33:26 Stunden die Schnellste über die Halbmarathonstrecke. Die gewann bei den Männern ein krasser Außenseiter und Lokalmatador: der gerade einmal 18 Jahre alt gewordene Konstantin Häcker von der Runners AG des Gymnasiums Bad Waldsee. Seine Siegerzeit von 1:14:59 Stunden war zudem die Top-Leistung des Tages. Eine schnellere Siegerzeit ist in fünf Jahren Bad Waldseer Lauffieber bisher nur einer gelaufen: der deutsche Marathonmeister Martin Beckmann zur Premiere im Jahr 2003 (1:10:02).
Nicht unbedingt zu rechnen war auch mit Isolde Maier-Kling als Marathon-Siegerin. Die zweifache Mutter aus Birkenhard ist keine Unbekannte in der Läuferszene, sonst aber eher auf den kürzeren Strecken zu Hause. Mit 3:20:22 Stunden gewann sie das Rennen, ihr zweiter Marathon überhaupt, überlegen vor - ebenfalls unerwartet - Marathon-Debütantin Dagmar Sperlich vom SZ-Running-Team (3:37:04).
Die beiden waren im Ziel fix und fertig: "Einmal und nie wieder", meinte Dagmar Sperlich, war aber trotzdem stolz. "Einen Marathon zu laufen, das war mein Traum, seit ich 14 war. Jetzt hab' ich es geschafft." - "Heiß, windig, anstrengend - einfach schrecklich", antwortete eine erschöpfte Isolde Maier-Kling auf die Frage, wie es denn unterwegs gewesen sei. Sie widmete ihren Sieg ihrem Sohn Sitas, der am Sonntag sechs Jahre alt wurde. Dessen zehnjährige Schwester Hanna hat auch Anteil am Erfolg der Mutti: "Sie begleitet mich immer mit dem Fahrrad beim Training", erzählte die Birkenharderin.
"Super abwechslungsreich"
Marathon-Sieger Paul Küng, bei weitem nicht so erschöpft, obwohl er ab Kilometer 25 ein einsames Rennen laufen musste, war begeistert von der neuen Lauffieber-Strecke: "Super abwechslungsreich, nie langweilig, Wald, Wiesen, Dörfer, ich werde diesen Lauf weiterempfehlen."
Überrascht vom eigenen Erfolg war Gymnasiast Konstantin Häcker. "Ich wollte eigentlich nur unter 1:20 Stunden laufen, war aber von Beginn an in der Spitzengruppe. Tja, und als es dann gegen Ende aus dem Ried herausging, war ich auf den letzten zwei, drei Kilometern alleine vorn." Genau geplant war dagegen der (Doppel-)Erfolg des Teams Skinfit SG Niederwangen über 10F000 Meter durch Manuel Rodriguez-Eicke und Andreas Roth. Sie liefen von Beginn an vorne weg, und Runde um Runde um den Stadtsee wurde die Anzahl ihrer Mitläufer kleiner. Erst drei, dann zwei, dann gar keiner mehr. "Ab der dritten Runde haben Andreas und ich das Tempo wie geplant angezogen", erzählte Rodriguez im Ziel. Er und Roth sind Trainingspartner seit einem guten Jahr. Seit damals wohnt der Hamburger nämlich erst im Allgäu. Erwartungsgemäß machte Marie-Luise Heilig-Duventäster im Trikot der SZ das Rennen über 10F000 Meter der Frauen. Souverän lief sie vom ersten Meter an ihrer Konkurrenz davon und darf nun beim nächsten Lauf der Schwaben Gold-Cup-Serie in Wangen das Goldene Trikot tragen, genau wie Manuel Rodriguez-Eicke. Die Altersklassensieger des Lauffiebers müssen in Wangen ihr Silbernes Trikot verteidigen.
Begonnen hatte der Tag mit der Premiere der Stadtseestaffel, die mit 19 Firmen und Vereinen ein gutes Echo gefunden hat. Zwischen Marathon- und Halbmarathonstart durften sich die Kids und Bambinis über 700 und 1400 Meter durch die Innenstadt messen. Diese Ergebnisse veröffentlichen wir, wie auch die weiterer Altersklassensieger, morgen.
Das fünfte Bad Waldseer Lauffieber machte insgesamt seinem Ruf als ganz besonderes Ereignis wieder alle Ehre. Die einmalige Atmosphäre in der historischen Innenstadt lässt manchmal Gänsehaut aufkommen. Hunderte säumten die Strecke in der Stadt und sorgten schon auf den ersten Metern für eine tolle Lauffieber-Stimmung im buchstäblichen Sinne, die von den Sprechern Hans Ehinger und Achim Linder noch angeheizt wurde. Viele weitere feuerten die Läufer, egal ob Erster oder Letzter, auch beim Durchgang in Reute, wo ein Dorffest gefeiert wurde, an. Und so zauberten die Zuschauer meistens ein Lächeln in die von der Anstrengung gezeichneten Gesichter und entlockten ihnen trotz schwerer Armen ein fröhliches Winken zurück. Kurz: Es war eben Bad-Waldseer-Lauffieber-Tag.
(Erschienen: 14.05.2007 00:06)



