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Ravensburg

Jugend darf nur noch kontrolliert feiern

RAVENSBURG - Polizeistreifen, Gratiswasser, Videoüberwachung, Bespaßung durch Musik: Fast zu jedem Rutenfest gab es in den vergangenen Jahren neuerliche Versuche, die jugendlichen Feiern auf dem Blauen Platz friedlich zu gestalten und Gewalt und Alkoholmissbrauch zu begegnen. Mit mäßigem Erfolg. Der Platz wird daher in diesem Jahr zum Käfig.

"Wir standen vor der Alternative: Wir müssen etwas ändern, oder wir lassen es sein." Dieter Graf, Vorsitzender der Rutenfestkommission (RFK), meint den Blauen Platz. Denn auch beim Rutenfest 2006 setzte sich dort die unschöne Entwicklung der Vorjahre fort: Glasscherben, betrunkene Jugendliche, Schlägereien. "Wir wollten die Veranstaltung retten", ergänzt RFK-Vorstand Dieter Kiderlen. Gemeinsam mit der Stadt, der Polizei, mit Jugendhaus und Schülerrat fiel daher der Beschluss, den Blauen Platz in diesem Jahr einzuzäunen. Mit Absperrungen, die so hoch sind, dass sie nicht überstiegen werden können.

Damit wollen die Veranstalter auf dem "Platz der Jugend" Sicherheit, weniger Alkoholmissbrauch und möglichst keine Gewalt. Es spielen so viele Bands wie nie bei den "Jugendkonzerten im Käfig". Es gibt vier kontrollierte Eingänge sowie Streifen eines privaten Sicherheitsdienstes. Das Mitbringen von Alkohol ist untersagt. Taschen werden an den Eingängen kontrolliert. Angetrunkene erhalten keinen Einlass. Im Käfig gibt es Gratis-Wasser und Bier. Um Scherben zu vermeiden, sind Glasflaschen verboten, auch die Getränke werden in Kunststoffbehältnissen ausgeschenkt. Und wer Bier will, muss 16 sein und das durch Vorlage eines Ausweises beweisen.

Mindert dieses Übermaß an Kontrolle nicht erheblich die Feierlust? Andreas Schmid, Jugendreferent der Stadt Ravensburg, möchte nicht ausschließen, dass die Kontrollen abschrecken. Aber er betont, dass sich beim "Blauen Platz" nicht die Erwachsenen etwas für die Jugendlichen ausgedacht haben, sondern dass die Kids selbst den Wunsch nach friedlichem Feiern und mehr Sicherheit äußerten. Zwar habe die Vorstellung, in einem großen Käfig zu feiern, einigen Mitgliedern des Schülerrats zunächst ein komisches Gefühl gemacht, sagt Schmid. Doch für die Details der Kontrollen habe es "volle Zustimmung" gegeben. Der Grund: "Die Situation ist von Jahr zu Jahr schlimmer geworden", sagt Andreas Schmid. Zwar verbringe man bis 23 Uhr, so lange Bands spielen, eine schöne Zeit auf dem Platz. Doch danach, so Schmid, "kippt die Stimmung". Nach Mitternacht sei es immer wieder zu "dümmlichen Situationen" gekommen, durch Alkoholmissbrauch entstandene Aggressionen entluden sich an Sachen, an Jugendlichen, an Polizeibeamten. "Die Intensität dieser Ereignisse hat ganz klar zugenommen", bestätigt der Jugendbeauftragte. Insbesondere die aggressive Stimmung habe vielen Jugendlichen Angst gemacht. Durch das Einzäunen wollen die Veranstalter aber auch den Verletzungen des Jugendschutzgesetzes Herr werden. Im Klartext: Unterbinden, dass Jugendliche unter 16 Jahren Alkohol trinken.

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Volle Sicherheit gibt es nicht

Andreas Schmid ist zuversichtlich, dass durch die neuerliche Initiative Verbesserungen auf dem "Blauen Platz" eintreten werden. Er glaubt daran, unschöne Szenen reduzieren und extreme Ausfälle definitiv vermeiden zu können. "Aber 100 Prozent zu vermeiden geht nicht", sagt Schmid, "das wäre eine Utopie."

(Erschienen: 27.06.2007 00:09)


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