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Ravensburg
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Kampf gegen die Droge Alkohol endet oft in Akten der Hilflosigkeit

RAVENSBURG - "Alles Suff?!" hatten die Ravensburger Grünen eine Anhörung zum Thema Jugend und Alkohol überschrieben. Frage- und Ausrufezeichen waren dabei durchaus Programm: Die Diskussion war differenziert, knüpfte zugleich aber sehr konkret an das an, was in der Stadt aktuell erörtert wird - von den Abifeiern bis zur Hirschgrabendiskussion.

Es gehe mit Blick auf das, was sich beispielsweise an Wochenenden rund um den Marienplatz abspiele, darum, die richtige Mischung zu finden zwischen bagatellisieren und dramatisieren, hatte es Fraktionschef und Moderator Manfred Lucha zu Beginn der Diskussion im Gasthaus "Mohren" formuliert. Am Ende zweier lebhafter Stunden herrschte über die Eingangsthese weitgehend Konsens.

Die Grünen im Gemeinderat wollen Anregungen vom Podium und aus dem Auditorium direkt mit in anstehende Entscheidungen nehmen: So wird das Stadtparlament noch im April darüber befinden, ob der Hirschgraben, zuletzt häufig Schauplatz von Trinkgelagen und Randale, künftig nachts geschlossen wird. Dies plant die Verwaltung. Laut Lucha gibt es für dieses Vorhaben allerdings wohl keine Mehrheit. Quer durch die Fraktionen überwiege die Ansicht, man solle den Park auch nachts offen halten, aber ab 22 Uhr ein Alkoholverbot aussprechen und entsprechend kontrollieren.

Positiv bewerteten Lucha und Diskussionsteilnehmerin Noemi Kucharz, Mitglied des Schülerrates, das Experiment "Abifeiern im Hirschgraben". "Der Hirschgraben hat funktioniert, es hat noch nie so wenig Probleme gegeben wie in diesem Jahr", sagte Lucha. Die Schülerin stimmte im Grundsatz zu, sparte aber auch nicht mit Kritik an dem Vorgehen der Verwaltung, die erstmals eine organisierte Feier mit Security, Einlasskontrollen und dem Verbot harter Alkoholika in dem kleinen Park angeboten hatte: "Im Nachhinein war es super, aber was schlecht bei uns ankam, war, dass die Stadt die Abiturienten von Anfang an als Problem gesehen und so behandelt hat." Noemi Kucharz sieht Chancen, dass sich das Konzept einbürgert, die Stadt müsse den Schülern aber mehr Vertrauen entgegenbringen.

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Dafür warb auch Agnieszka Malczak, Landesvorsitzende der Grünen Jugend und Bundestagskandidatin im Wahlkreis Ravensburg: Die überwiegende Mehrheit der Jugendlichen gehe verantwortungsvoll mit der Droge Alkohol um. Neu sei allerdings das Phänomen Komasaufen, auf das es in der Tat eine Antwort brauche. Malczak setzt darauf, die Mündigkeit junger Menschen "auf Augenhöhe" zu befördern, will gleichzeitig mehr in die Prävention investieren und ist in diesem Zusammenhang auch für verbindliche Kontrollen bei der Alkoholabgabe. Wichtig sei auch die Arbeit in und mit den Familien, wo die Gefährdung Jugendlicher beginne.

Jürgen Haag, Kinder- und Jugendbeauftragter in Kißlegg, berichtete aus seiner täglichen Arbeit, in der das Thema Alkohol, Sucht und Jugendschutz in den vergangenen Jahren eine immer wichtigere Rolle gespielt habe. Haag ist erschrocken über die Ergebnisse einer Studie im Landkreis. Danach liegt das Einstiegsalter für Alkohol häufig bei zwölf Jahren, der Erstkontakt erfolge oft in der Familie. Haag fordert, Alkohol weniger leicht verfügbar zu machen, will Werbung einschränken und über den Preis Hürden erhöhen. "Alkohol wird verkannt in seiner Gefahr für die Gesundheit", betonte Dr. Ulrich Pietrek, Allgemeinmediziner, und meinte damit nicht nur offensichtlich Alkoholkranke. Die Folgen des "gesellschaftsfähigen Alkoholkonsums" seien vielen nicht bewusst.

"Akte der Hilflosigkeit"

Silke Krebs, Mitglied des Grünen-Landesvorstandes, glaubt aus den Ergebnissen einer restriktiven Vorgehensweise gegen die Alkoholproblematik in Freiburg ablesen zu können, dass Repressionen nach dem "Gießkannenprinzip" nichts bewirken. Krebs regte an, den Zugang zu Alkohol zu erschweren, konsequenter zu kontrollieren und gezielter zu reagieren. Viele Maßnahmen seien "Akte der Hilflosigkeit". Jugendliche aus Ravensburg beklagten in einer offenen Diskussion, die mehr Zuhörer verdient gehabt hätte, die Stadt setze zu stark auf Kontrolle und Vertreibung aus dem öffentlichen Raum, biete aber keine Alternativen an. Und sie forderten eine sensible Unterscheidung ein: Nicht jeder, der sich mit Freunden bei einer Flasche Bier zusammensetze, sei ein Säufer oder potenzieller Stresser.

(Erschienen: 04.04.2009 00:06)


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