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Gerd Gerber bekennt: "Wir sind Kloster"

(WEINGARTEN/wel) Mit einem beeindruckenden Bekenntnis zum Kloster haben die Mönche auf dem Martinsberg gestern den Höhepunkt ihres 950-jährigen Bestehens gefeiert. Nach einem festlichen Gottesdienst wurde die Faksimile-Ausstellung eine der schönsten Weingartner Handschriften, des Hainricus-Sakramentars, eröffnet.

Sie hat nochmals alles gegeben, die kleine Schar der Benediktiner, die seit 950 Jahren Hüterin des Heiligen Blutes ist. Sie hat nochmals gezeigt, mit Unterstützung von allen Seiten, welche Strahlkraft ein Kloster haben kann, spirituell und kulturell. Im übrigen konnte sie gestern auf den Tag genau auch die Rückkehr ihrer Ordensbrüder 1922 auf den Martinsberg feiern, nachdem die Säkularisation 1802 sie von dort vertrieben hatte.

Gemeinschaft will bleiben

"Die klösterliche Gemeinschaft will hier leben und soll hier leben." Was Erzabt Theodor Hogg in seiner Predigt beschwor, das kündete der ganze Gottesdienst mit einem himmelstürmenden Fortissimo der Orgel, einem engelgleichen Halleluja des Kirchenchores und einem nicht minder von Herzen kommenden "Christus ist erstanden" hunderter von Gläubigen, darunter viel Prominenz aus Politik, Wirtschaft und Kultur.

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Ein beeindruckendes Bekenntnis zum Kloster auch in weniger guten Tagen, "zu diesem geistlichen Ort, von dem viel Segen ausging und ausgeht". Auch wenn bei der anschließenden Eröffnung des Festaktes Oberbürgermeister Gerd Gerber sein "Wir sind Kloster" nicht ganz so enthusiastisch verstanden wissen wollte wie die mittlerweile zum geflügelten Wort gewordene Schlagzeile "Wir sind Papst", so ließ er doch keinen Zweifel an der Identifikation der Stadt mit dem Kloster. Siehe Basilika, Blutritt. Und die Partnerschaft mit Mantua, die auf die gemeinsame Verehrung der Heilig-Blut Reliquie zurückgeht, und die die Weingartner Geschichte in einen europäischen Kontext einbettet. Doch nicht nur als Hüterin des Glauben fand Gerber lobende Worte für das Kloster, sondern auch als Zentrum für Bildung und Kultur.

Beredtes Zeugnis von der benediktinischen Kunst der Buchmalerei im Mittelalter gibt die seit gestern eröffnete Ausstellung eines Vollfaksimiles von einer der schönsten und kunstgeschichtlich bedeutsamsten Weingartner Handschriften, dem Hainricus-Sakramentar. Sie befindet sich im Kreuzgang des Klosters und ist dem Historiker Prof. Dr. Hans Ulrich Rudolf von der PH und zahlungskräftigen Sponsoren aus der Region zu verdanken. Zwei detailgetreue Nachbildungen des prachtvollen Messbuchs, das der Mönch Hainricus 1215 stiftete oder selber schuf, und dessen Original nach Säkularisation und langer Irrfahrt nun in der Pierpont Morgan Library in New York liegt, sind aufgeschlagen in einer Turmvitrine zu sehen. Weitere Vitrinen zeigen die 60 mit kunstvollen Buchmalereien gestalteten Blätter des 394 Pergamentseiten starken Messbuches zu Ehren der Maria. Wobei der künstlerische Hauptakzent des Kirchenfolianten auf den historisierenden Initialen liegt, wie Rudolf erläuterte. Ferner sind die Buchbändel der spätromanischen Spitzenhandschrift, die die Textteile ordnen, zu sehen. Sie gehören laut Rudolf zu den ältest erhaltenen der abendländischen Buchkultur. "Ein Zeichen dafür, dass die Weingartner Benediktiner damals auf der Höhe ihrer Zeit waren." Eingeführt in die Ausstellung wird der Besucher über eine Videoschau am Eingang. Und wer sich auch noch zu Hause über das prachtvoll illuminierte Werk freuen will und nicht zu den paar Glücklichen gehört, die sich eines der auf 280 limitierten Faksimiles von der Akademischen Druck- und Verlagsanstalt in Graz zum Preis von derzeit 9750 Euro leisten kann, der ist mit dem Katalog für 10 Euro sehr gut bedient. Eine Nachbildung wird im übrigen im Heimatmuseum im Schlössle eine Bleibe finden. Die nächsten fünf Wochen jedoch halten die Benediktiner auf dem Martinsberg ihren Kreuzgang, der zur Klausur gehört, noch offen für die grandiosen Werke ihrer Vorgänger. Vielleicht kommt ja mit den vielen angekündigten Besuchern auch ein frischer Wind in die heiligen Hallen, der an frühere Glanzzeiten anknüpfen lässt. Bei dieser Unterstützung von allen Seiten.

(Erschienen: 15.05.2006 00:15)


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