Zeitreise in die Steinzeit kostet Schüler viel Kraft
Das Projekt "Ein Tag in der Steinzeit", das vom Pfahlbaumuseum mit Unterstützung der Landesstiftung Baden-Württemberg und der Eberhard-Karls-Universität Tübingen realisiert wird, ist auch für Museumsdirektor Dr. Gunter Schöbel etwas ganz Besonderes, wie gestern im Pressegespräch deutlich wurde. "Der Umstand, dass die Schüler nicht nur an Tischen sich Objekte der steinzeitlichen Alltagskultur erarbeiten, sondern mit eigenen Händen in der freien Natur mitmachen dürfen, führt sie näher an eine vorzeitliche Realität heran", beschrieb Schöbel das Projekt, das einen Schritt weiter geht als die bisherigen museumspädagogischen Angebote in Unteruhldingen.
Steinzeitcoach hilft Schülern
Auf fünf Schüler kam jeweils ein Steinzeitcoach, der die kleine Gruppe beim Gang durch die Geschichte begleitet hat. Alle Arbeitsmaterialien waren exakt durch Archäotechniker den Jahrtausende alten Vorbildern nachgebildet. "Die Pfahlbauten erscheinen nicht objektorientiert in einer klimatisierten Vitrine, sondern direkt am urgeschichtlichen Spielort hier in den Pfahlbauten am Bodensee. Auch das ist konkrete Vermittlung eines Stücks kulturellen Erbes", betonte der Museumsdirektor.
Dass tatsächlich "nicht die Geschichten von Fred Feuerstein, von Piraten und Prinzessinnen vermittelt werden" und "nicht der allgemeinen Verschnullerung der Inhalte im Bereich der Kulturvermittlung der Steinzeit Vorschub geleistet werde", wie Schöbel weiter formulierte, das bestätigten die Schüler später. Am Lagerfeuer sitzend - das natürlich mit viel Mühe hatte angezündet werden müssen, wie Schüler Michael Kaiser erzählte - berichteten sie von der schweißtreibenden Arbeit, die mit der Essensbeschaffung und den sonstigen Dingen des Steinzeitalltags, wie Einbaum fahren und Schmuck herstellen, einherging.
Respekt zollte auch Seyet Köse den Steinzeitmenschen für ihre schwere Arbeit. Von mühseligem Mehl mahlen und vom Bauen von Werkzeugen erzählte der Schüler. Auch sein Mitschüler Philipp Pierson konnte ein Lied davon singen, wie anstrengend das Fahren mit dem voll geladenen "Steinzeitkärrele" war. Keine Schonung gab es auch für die Steinzeitmädels. Katharina Jehle erzählte, wie aus zermahlenden Steinen schließlich Farbe für Gemälde und Schminke entstand. "Das war alles sehr anstrengend, die Steinzeitmenschen brauchten keine Diät zu machen", berichtete die Schülerin. Auch Tobias Gruler hatte viele neue Erfahrungen gemacht, wie das Unkrautjäten mit der steinzeitlichen Spitzhacke, Mehl mahlen und Bodenseefische filetieren.
Diese Köstlichkeit servierten die Schüler gestern den Besuchern, unter anderem auch dem Rektor ihrer Schule, Emil Bauscher (das Steinzeitkostüm stand ihm gut), Bürgermeister Edgar Lamm, dem SPD-Landtagsabgeordneten Norbert Zeller und Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch. Letztere griff kräftig zu beim "Steinzeit-snack" am Lagerfeuer und fand auch lobende Worte für den Gersten-Gemüse-Brei, der nach Anleitung von Steinzeit-Coach Peter Walter zubereitet worden war.
"Das Steinzeitprojekt trägt dazu bei, dass die Schüler ihre Lebenswelt anders wahrnehmen können", hatte Gurr-Hirsch zuvor betont. Sie hoffe, so die Staatssekretärin, dass die Teilnehmer Botschafter für das Projekt an den Schulen werden.
(Erschienen: 18.09.2009 00:07)





