Theater geht virtuelle Wege
Die Lebens-Simulation "Second Life" stellt eine Welt in den Weiten des Internets dar, in welcher mit selbsterstellten Charakteren der eigene oder auch ein anderer Lebensstil nachgelebt werden kann. "Second Life" bietet viele Facetten des alltäglichen Lebens auch im Netz an, weshalb sollten da Unterhaltungsmöglichkeiten wie Theateraufführungen die Ausnahme machen?
Das dachte sich auch Simon Blaesi, als er den Gedankenanstoß von seinem Freund Frank Gaugle bekam, welcher mit virtuellen Welten vertraut ist. Zusammen begannen sie das Projekt in die Realität umzusetzen. Die Wahl fiel auf den "Reigen" von Arthur Schnitzler, der sich durch kurze prägnante Szenen hervortat, die ohne viel Aufwand zu inszenieren sind. Das gab es noch nie: Statt auf der Bühne spielt das Theaterstück in einer konstruierten Welt aus Bits und Bytes.
Nur Pixel, keine Emotionen?
Ob dieses Modell Zukunft hat, kann Simon Blaesi nicht eindeutig beantworten, jedoch ist er der Meinung, dass "Second Life" ein weiterer origineller Ort ist, an dem das Theater sich entfalten kann. Er erhofft sich von der Aufführung weitere Erkenntnisse zum Thema Theater, etwa wie es funktioniert und was es ausmacht. Die Voraussetzungen dafür sind gegeben, jedenfalls gibt er an, dass man beim virtuellen Theater näher an ein reales Theater erinnert wird als an Kino. Aber können Charaktere aus Pixeln auch Emotionen transportieren - Stichwort Gesichtszüge? Der Regisseur sagt dazu eindeutig Ja. Die echten Emotionen des Schauspielers seien für den Zuschauer ohnehin unwichtig. Er zieht das Marionettentheater als Vergleich heran: Mit den Avataren in "Second Life" sei das ähnlich.
(Erschienen: 17.04.2009 00:08)





