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Ihr Wort gilt, und es ist käuflich

ÜBERLINGEN - Fehlen Ihnen manchmal die Worte? Macht nichts,-Marc Metz und Felix Haller haben genug davon. Die beiden Schüler starteten im Juni ihr Internet-Portal "Das pinke Wort" und bieten 111 987 Wörter zum Kauf an. Man kann schließlich nicht genug davon haben.

"Sex" ist weg, "Rasierschaum" vergeben. "Schön" hat sich schon jemand gekrallt und "Werbung" war eines der ersten Wörter, die über die virtuelle Ladentheke gegangen sind. Alle in Pink, versteht sich. Was sich die beiden 18-Jährigen im Dörfchen Ernatsreute im Outback hinter Überlingen ausgedacht haben, ist witzig, überraschend und mehr als ein guter Gag: eine pfiffige Geschäftsidee. Dabei gibt"s in Ernatsreute nicht mal DSL. Wer sich bei "Das pinke Wort" sein Lieblingswort kauft - jeder Buchstabe für einen Euro - investiert sein Geld in Eigenwerbung. Das Wort wird automatisch per Link mit seiner Homepage verbunden, wenn ein anderer es anklickt. Wer "Sex" sucht, landet ganz seriös bei einer Internetfirma. Bei "schön" geht"s auf die Seite eines kleinen Unternehmens für Naturseifen.

Marketing mit Guerillastrategie

95 pinkfarbene Wörter haben die Schulfreunde schon verkauft. Pink deshalb, weil es eine Farbe ist, die anders ist: auffallend, laut, knallig. Der Erlös - für einen Urlaub soll das Geld fast reichen - geht auf ein gemeinsames Girokonto. Dank ihrer Guerillataktik in Sachen Marketing dürften die Euros bald zügiger rollen. Die Schüler haben auf altmodische Art und Weise Post verschickt. Umschlagfarbe: pink. Absender: keiner. Dem Brief lagen Blumensamen bei, mit der Bitte, diese in Erde zu pflanzen und liebevoll zu pflegen. Denn das Geheimnis ihrer Identität wollen sie nur lüften, wenn der Empfänger beweisen kann, dass er die Pflanzen auch hegt und pflegt. Der Adressat muss das Wachsen per Foto dokumentieren und ins Netz stellen. Vor allem Selbstständige aus der Internetbranche haben sie angeschrieben. In einigen Blogs ist ihre Aktion bereits erwähnt, aber Blumenfotos sind noch keine aufgetaucht. Langsam wird es Zeit, ihre Keimlinge sprießen nämlich schon. Darum kümmert sich Marc.

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Auch sonst ist er der Entwickler und sorgt für das Marketing der Webseite. Felix Haller ist für Design und Benutzerfreundlichkeit zuständig. Zusammen haben sie die rechtlichen Hürden aus dem Weg geschafft: Um die 111 987 Wörter der Technischen Universität Chemnitz verwenden zu dürfen, die gebräuchliche Ausdrücke zusammengestellt haben, mussten sie die Uni von der Haftung ausschließen. In den Allgemeinen Geschäftsbedingungen sichern sie sich zudem ab, um zu verhindern, dass ihre pinken Worte auf pornographische, rassistische oder andere menschenverachtende Seiten weiterleiten. Marc Metz nennt ein Beispiel: "Kauft einer das Wort ,Idiot"und verlinkt es mit Angela Merkel, können wir das umgehend löschen." Wie die beiden auf das Projekt gekommen sind, können sie nicht richtig erklären. Ein bisschen wie die Jungfrau zum Kinde, wobei das Bild passt: "Das Projekt ist wie unser Kind, wir haben es richtig lieb gewonnen", sagt Felix Haller und tätschelt seinen Laptop.

Nur ein Wort ist ganz und gar unverkäuflich: Pink. Das haben die beiden für sich behalten.

(Erschienen: 28.08.2008 00:06)


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