Sendemasten sorgen für Verunsicherung und Unmut
Von unserem Mitarbeiter Cezary Bazydlo
Für Christine Aschermann, die im Klosterkeller referiert, ist die Sache sonnenklar: Mobilfunkmasten in der Nachbarschaft sind gefährlich. Dabei denkt sie keineswegs nur an ein langfristig höheres Krebsrisiko, sondern vor allem an Beschwerden, die sofort auftreten: chronische Kopfschmer-zen, Kreislaufprobleme, Ohrensau-sen, Schwellungen, dauerhafte Erschöpfung, Vergesslichkeit und Zerstreutheit. Bei Kindern kämen Wachstumsstörungen und Verhaltensauffälligkeiten hinzu. Seit etwa acht Jahren beobachtet die Ärztin eine Zunahme dieser Leiden in ihrer Heimatstadt Leutkirch. Erst nach einer gewissen Zeit habe sie die Symptome mit bestimmten Straßenzügen in Verbindung gebracht - denjenigen in der Nähe von Sendemasten.
Wolfgang Welzel, Baubiologe und Messtechniker aus Vogt bei Ravensburg, stellte die Ergebnisse eigener Messungen vor. Ihm zufolge sind derzeit sieben Sendestandorte mit jeweils mehreren Sendeeinheiten über die Stadt verteilt. Einen eindeutigen Beweis für die Schädlichkeit von Mobilfunkanlagen gebe es bisher nicht, räumten die Veranstalter ein. Doch genauso wenig gebe es einen Beweis für ihre Unbedenklichkeit. Und da sich entsprechende Hinweise häufen, sei zumindest Vorsicht geboten.
Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion bemängelten, dass in Meersburg bisher keine öffentliche Diskussion zum Thema Mobilfunk stattgefunden habe. Kritisiert wurde, dass die mit der städtischen Bauleitplanung gegebenen Steuerungsmöglichkeiten ungenutzt blieben, obwohl auf diese Weise Sendeanlagen von den Wohngebieten an entferntere Standorte verbannt werden könnten. Dies sei auch deshalb wichtig, weil Privatpersonen nach der derzeitigen Rechtslage wenig Möglichkeiten hätten, gegen die Errichtung neuer Sendemasten vorzugehen.
Das Stadtbauamt teilte auf Anfrage mit, dass diese Steuerungsmöglichkeit derzeit tatsächlich nicht genutzt wird. Der bei der Diskussion anwesende Stadtrat Werner Endres (CDU) wies den Vorwurf der Sorglosigkeit zurück: "Wenn die Stadt die Sache nicht in die Hand genommen hätte, hätten wir jetzt viele Masten auf Privatgebäuden." Tatsächlich stehen die meisten Anlagen auf städtischen Grundstücken, was bereits als Steuerung ausgelegt werden kann.
Eins hat die Diskussion klar gezeigt: Es besteht Aufklärungsbedarf. Eine Möglichkeit dazu bietet die Stadtratsitzung am kommenden Dienstag, 13. Dezember. In der Sitzung sollen Vertreter von Mobilfunkbetreibern über ihre Pläne berichten.
(Erschienen: 09.12.2005 00:16)
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