"Sehenswert": Laupheimer sind begeistert von "Berlin "36"
Ernest L. Bergman kennt Margret Lambert/Gretel Bergmann sehr gut. "Unsere Großväter waren Brüder", sagt er. Der 87-Jährige, der zurzeit seinen Schulfreund Sixt Brecht in Laup-heim besucht, hält in den USA bis heute den Kontakt zu seiner Großcousine. "Es ist ein guter Film", findet er, obwohl einiges nicht den Tatsachen entspricht. "Das bringt viele, viele Sachen zurück ins Gedächtnis." Als 14-Jähriger konnte Ernest Bergmann 1936 vor den Nationalsozialisten nach Sankt Gallen fliehen, bis heute hat er sich ein Schwäbisch mit Schweizer Akzent bewahrt.
Jürgen Littwin, zweifacher Weltmeister in der Altersklasse und Freund von Gretel Bergmann, findet-"Berlin '36" gelungen. "Der Film spiegelt vortrefflich wider, wie schwierig es war, unter widrigen Bedingungen eine Leistung abzuliefern, die Weltklasse war." Ein Wettkampftyp sei Gretel Bergmann bis heute, weiß Littwin. Was sich die 95-Jährige in den Kopf gesetzt habe, schaffe sie auch. Beispiel gefällig? Sie muss dringend in den Flughafen, die Parkplätze sind belegt, nur derjenige für Menschen mit Behinderung ist frei, Margret Lambert parkt und humpelt auffällig - bis sie den Wachmann passiert hat.
Karl Neidlinger von der Gesellschaft für Geschichte und Gedenken hat für ein Buch die Bergmann-Dynastie erforscht: "Sehenswert" lautet sein Urteil zum Film "Berlin 36". Dramaturgische Zugeständnisse müsse man akzeptieren, schließlich werde dadurch eine Kernbotschaft vermittelt. Seine Kritik: "Ein bisschen mehr Laupheim hätten sie schon reinbringen können."
Das Publikum zeigt sich gleichermaßen begeistert. "Sehr gut, der Film hat mir super gefallen", sagt Silke Bollinger. Die 31-Jährige aus Schwendi findet vor allem die Verbindung zu Laup-heim spannend. "Außerdem kann man einfach gut nachvollziehen, um was für eine Chance die Gretel Bergmann damals gebracht worden ist", so Silke Bollinger weiter.
Auch Thomas Seidler findet "Berlin "36" interessant. Vor allem weil darin eine einzelne Geschichte erzählt werde und es mal nicht nur ganz allgemein um Propaganda gehe. Als Laup-heimer habe er die Geschichte Gretel Bergmanns zwar grob gekannt. "Aber erst jetzt weiß ich so wirklich, warum diese Frau hier so berühmt ist", betont der 41-Jährige.
Heinz Einwiller ist Lehrer am Gymnasium in Ochsenhausen. Er will versuchen, eine Schulvorstellung zu organisieren. Den Film fand er "sehr gut". "Das ist einfach ein Aspekt der Geschichte, den man so noch nicht kennt", sagt Heinz Einwiller. Trotzdem sei es natürlich wichtig, dass man auch die anderen Themen wie Konzentrationslager oder Reichspogromnacht nicht vernachlässige.
"Der Film kann beim jungen Publikum die Geschichte zwischen Juden und Deutschen wieder mehr ins Bewusstsein bringen. Das finde ich gut und wichtig", sagt Severine Arb. Die 27-Jährige aus Mietingen fand vor allem die Sequenz mit Margret Lambert heute in New York am Schluss des Films bewegend. "Da kamen mir fast die Tränen", verrät sie gerührt.
Bewegt zeigte sich auch die ältere Generation. "Meine Mutter hat die Bergmanns persönlich gekannt. Als Laup-heimerin ist so ein Film natürlich ein Muss", erzählt die 74-jährige Annemarie Masch, die zusammen mit ihrer Tochter bei der Preview war. "Ich habe Gretel Bergmann persönlich gesehen, als sie vor einigen Jahren hier war und ihr Buch vorgestellt hat", sagt die 44-jährige Susanne Masch und fügt hinzu: "Die Frau beeindruckt mich." Es sei schön, dass Gretel Bergmann über ihren Schatten gesprungen und doch wieder nach Laupheim gekommen sei, obwohl sie zuvor gesagt habe, dass sie Deutschland nie wieder betrete.
"Ich fand den Film interessant, weil Dinge zu Tage kamen, die mir vorher so nicht bewusst waren", sagt Peter Bailer aus Laup-heim. Die Geschichte mit dem männlichen Konkurrenten habe er beispielsweise nicht gekannt. Dass dabei nicht alles immer den Tatsachen in Gretel Bergmanns Leben entspricht, stört den 60-Jährigen nicht. "Ich werde den Film auf jeden Fall weiterempfehlen."
(Erschienen: 11.09.2009 00:06)
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