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Friedrichshafen Region

Metallarbeiter leugnet Kindesmissbrauch

RAVENSBURG - Sexueller Missbrauch in 206 Fällen: So lautet die Anklage gegen einen 42-jährigen Deutschen türkischer Herkunft. Der zuletzt in Friedrichshafen wohnhafte Metallarbeiter musste sich dafür vor dem Landgericht Ravensburg verantworten. Beim Prozessauftakt bestritt der Angeklagte die Taten, die sich teilweise auch in Meckenbeuren ereignet haben sollen.

"Ich schwöre bei Allah, das ist alles gelogen." Im Landgericht Ravensburg sitzt ein mittelgroßer Mann in Fuß-schellen, mit Jeans und T-Shirt bekleidet, auf der Anklagebank. Er wirkt geknickt, als der vorsitzende Richter die Vorwürfe gegen ihn ein zweites Mal verliest. Zeitlupenartig schüttelt er den Kopf, stützt sich dabei mit einer Hand an der Stirn auf dem Tisch vor ihm ab. Diese Geste begleitet den ersten Verhandlungstag des Strafprozesses gegen den 42-Jährigen.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten sexuellen Missbrauch von Kindern in 206 Fällen vor. Seine jüngere Schwester und seine beiden Töchter aus zweiter Ehe sollen Opfer der Übergriffe geworden sein, die sich zwischen 1991 und 2007 im Bodenseekreis und Landkreis Ravensburg ereignet haben sollen. Laut Anklage vergriff sich der fünffache Vater an den zum Tatzeitpunkt unter 14-jährigen Mädchen, indem er sie im Intimbereich sexuell berührte. Seinen Opfern habe er dabei befohlen, sich teilweise auszuziehen.

Die massiven Vorwürfe bestreitet der Metallarbeiter, der vor fünf Monaten auf Anordnung des Amtsgerichtes Tettnang in Untersuchungshaft genommen wurde, vehement: "Ich sage, sie lügen", bewertet er die belastenden Aussagen seiner Angehörigen. Er habe zu seinen Kindern stets ein "normales Verhältnis" gepflegt, viel mit ihnen gespielt. Auch mit seiner Schwester, die er laut Anklage im Alter von zehn bis dreizehn Jahren in Mochenwangen und Baienfurt missbraucht haben soll, habe er sich immer gut verstanden.

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Töchter treten als Zeugen auf

Im Gegensatz zu ihr, die vor Gericht bislang keine Aussage machen will, treten die mutmaßlich geschädig-ten Töchter des Angeklagten als Nebenkläger und Zeugen in der Verhandlung auf. Beide sollen im Alter von zehn Jahren das erste Mal von ihrem Vater missbraucht worden sein. Laut Anklage kam es zu den Übergriffen in den damaligen Wohnhäusern der Familie in Friedrichshafen und Meckenbeuren.

In ihrer detaillierten Aussage beschreibt die ältere, heute 18-jährige Tochter den Angeklagten als vordergründig prüden Menschen und schlechten Vater, auch wenn sie den Begriff selbst vermeidet. Ihre Geschwister habe der Angeklagte nach draußen geschickt, während er mit ihr in Abwesenheit der Mutter "Arztspiele" gemacht habe. "Ich durfte meine Kindheit nicht genießen", sagt die Studentin sichtlich emotional. Aufgehört hätten die Übergriffe erst mit Einsetzen der Pubertät. Dann habe der Angeklagte begonnen, ihre kleine Schwester zu missbrauchen. Unter Ausschluss des Angeklagten und der Öffentlichkeit bestätigt auch die 13-Jährige die Vorwürfe gegen ihren Vater. Unter der seelischen Belastung der Vernehmung muss das Mädchen kurzzeitig unter Tränen den Saal verlassen.

Für den Angeklagten steht hinter den Vorwürfen eine Verschwörung. "Sie wollen mich vernichten", sagt er. Kulturelle Aspekte scheinen in diesem Zusammenhang eine zentrale Rolle zu spielen: Seine geschiedene Frau, die Mutter der beiden Zeuginnen, wolle sich "reinwaschen", erklärt der Angeklagte - ihn ins Gefängnis bringen, um einen Seitensprung ihrerseits aufzuwiegen. Nach eigener Aussage hat die 35-Jährige erst ab Sommer 2006 von den Missbrauchsfällen erfahren, und sich im Zuge dessen scheiden lassen. Die Vorwürfe ihres Mannes bestreitet sie: "Ich schwöre auf meine drei Kinder und auf den Koran, dass ich vor der Scheidung kein Verhältnis hatte."

Prozess wird fortgesetzt

Der Prozess ist auf insgesamt drei Verhandlungstage anberaumt und wird mit der weiteren Zeugenaussage der Ex-Frau des Angeklagten im September fortgesetzt werden. Im Zuge der Scheidungsthematik steht dabei der Vorwurf der Morddrohung per SMS im Raum, außerdem sollen zwei privat mitgeschnittene Telefonate vor Gericht gehört werden. Als weitere Zeugen sind unter anderem die mutmaßlich geschädigte Schwester, sowie die älteste Tochter des Angeklagten aus erster Ehe, die laut Zeugenaussagen ebenso betroffen sein soll, geladen.

(Erschienen: 26.08.2009 00:07)


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