Finanzkrise drängt andere Themen ins Abseits
Nicht nur einen Anstoß zu einer gesellschaftlichen und politischen Debatte soll sie bewirken, die neueste Studie vom Wuppertaler Institut für Klima, Umwelt und Energie mit dem bezeichnenden Titel: "zukunftsfähiges Deutschland in einer globalisierten Welt". Rund 50 Interessierte, darunter Karl Handschuh, Direktor der Bildungseinrichtung, SPD Landestagsabgeordneter Norbert Zeller und der Vorsitzende der CDU-Fraktion im Gemeinderat Meckenbeuren, Ulrich Müller, diskutierten über Konsequenzen, Chancen und Möglichkeiten, die die derzeitige Situation in Hinsicht auf Klima-, Finanz-, Bildungs- und Wirtschaftskrisen in unserem Land aber auch in der Region mit sich bringen.
Märkte brauchen Regeln
"Die Finanzkrise drängt jedes andere Thema an den Rand oder sogar ins politische Abseits: Der Klimaschutz wird zunehmend als Gefährdung des ohnehin gefährdeten Wachstums gesehen. Unvorstellbare Summen werden zur Rettung notleidender Banken bereitgestellt und nicht für die notleidenden Menschen oder den Klimaschutz", so Dr. Dahlbender während der Vorstellung der Studie.
Im Gegensatz zum Finanzkollaps können die Schäden an Umwelt und Natur nicht über Milliardenprogramme rückgängig gemacht werden, hieß es.
Aus Krisen Lehren und Konsequenzen ziehen: Diese Zielvorstellungen und dieses Wunschdenken gibt es nicht erst seit gestern. Die Finanzkrise hat gezeigt, dass Märkte national wie global Regeln brauchen. Die Ausbeutung der Natur, der Ressourcen und der Menschen kann nur durch Regeln und gemeinsame Übereinkünfte gestoppt werden, denn die Ideologie des Neoliberalismus und der Privatisierung, die den Staat möglichst weit zurückdrängen wollten, hat Schiffbruch erlitten. In einer anschließenden Diskussion forderte Dahlbender zu einem Kurswechsel im Handeln von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft auf, wobei es nicht um Verzicht geht, sondern um Gewinn: Gewinn an Gestaltungsmöglichkeit für unsere Kinder und Kindeskinder, Gewinn an sozialer Gerechtigkeit und Unabhängigkeit und vielem anderen mehr.
Grundlegende Fragen und Änderungen wie neue, globale Übereinkünfte (nicht nur im Finanzsektor) und eine Renaissance der Regionen oder forcierte Effizienzstrategien für Energie und Rohstoffe bei achtsamem Lebensstil, sind nur einige eindringliche Ansätze, die die neue Studie aufzeigt und fordert: Für ein zukunftsfähiges Deutschland in einer globalisierten Welt - ohne Krisen!
(Erschienen: 13.11.2008 00:07)



