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Friedrichshafen Stadt

Seemoos versteht sich als Speerspitze

In Seemoos ist alles parat: Die Ferienkinder können heute anreisen und haben ein Dach über dem Kopf. Dafür sorgen Lagerchef Steffen Bassani (rechts), Sabiene Thomma, Simon Tomanek, Till Thaler und Hausmeister Leo Gittwald, die beim Zeltaufbau letzte Hand anlegen. SZ-Foto: af
In Seemoos ist alles parat: Die Ferienkinder können heute anreisen und haben ein Dach über dem Kopf. Dafür sorgen Lagerchef Steffen Bassani (rechts), Sabiene Thomma, Simon Tomanek, Till Thaler und Hausmeister Leo Gittwald, die beim Zeltaufbau letzte Hand anlegen. SZ-Foto: af

(FRIEDRICHSHAFEN/sz) Willkommen in Seemoos heißt es heute für mehr als 300 Mädchen und Jungen. Die Zeltstadt am Bodenseeufer gehört zum Beständigsten, was die katholische Jugendarbeit zu bieten hat. Seit 1949 verbringen hier jährlich zwischen 1500 und 2000 Kinder und Jugendliche ihre Ferien.

Von unserem Redakteur  Anton Fuchsloch

Das kleine Universum von Mars, Pluto, Saturn und Jupiter – so heißen die vier Teillager auf dem vier Hektar großen Gelände -- verspricht Ferienspaß pur mit Lagerromantik, Geländespielen, Werkeln, Aktionen auf der Theaterbühne, Festen und Gottesdiensten. Baden am eigenen Strand, auf Surfbrettern paddeln und mit der Katamaranfloßgaleere, dem berühmt-berüchtigten „Schleusenrammler“, in See stechen, zählen zu den absoluten Attraktionen von Seemoos. Wer will, kann in einer Segelfreizeit sogar das Bodensee-Schifferpatent machen.

Drei Tage geht jede Zeltgruppe auf Wanderschaft – per pedes oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Wer’s ganz naturnah mag, geht in die Außenlager nach Benistobel oder Schwende im Deggenhausertal. In den Camps darf man bis auf Duschen in alten Telefonzellen keinen besonderen Komfort erwarten, dafür um so mehr Natur und echte Lagerromantik.

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Eine Freizeit dauert jeweils zwei Wochen und ist für Kinder im Alter zwischen acht und 14 Jahren offen. Bis auf die Segelfreizeit für 16- bis 20-Jährige vom 29. August bis 11. September ist Seemoos ausgebucht – wie jedes Jahr. Dabei sind die Freizeiten nicht gerade billig. 245 bis 295 Euro kosten die 14 Tage – die Segelfreizeit inklusive Bodenseeschifferpatent kommt auf 499 Euro. „Andere jetten dafür schon mal nach Mallorca“, sagt Steffen Bassani. „Seemoos-Ferien sind keine Ferien von der Stange, sondern etwas ganz Einzigartiges“, sagt der Chef des Zeltlagers. Das Gemeinschaftserlebnis steht hier ganz oben auf der Agenda, und das ist in Zeiten der Vereinzelung und bei der zunehmenden Zahl von Einzelkindern von unschätzbarem Wert. Seit zehn Jahren leitet und organisiert der Bildungsreferent die Freizeiten der BDKJ-Ferienwelt in Seemoos, Benistobel und Schwende. „Das hier ist mein Traumjob“, versichert er. Dass er in den Ferien – zumindest in den großen -- nie Ferien machen kann, nimmt er in Kauf. Wie seine insgesamt 350 ehrenamtlichen Mitarbeiter, die freiwillig mindestens drei Wochen im Jahr für das Zeltlager „opfern“. Die Betreuer kommen aus der ganzen Diözese. Viele verbrachten als Kinder ihre Ferien im Zeltlager und haben das „Seemoos-Feeling“ intus – Schüler, Studenten, Pädagogen, aber auch Handwerker, Ärzte und Ingenieure. Mit den jeweils zwei Zeltlager-Wochen ist es für sie nicht getan. Für Schulungen, Vor- und Nachbereitung kommen für jeden mindestens zehn weitere Tage dazu, sagt Bassani.

Missbrauch wird thematisiert

Nicht erst seit dem Missbrauchsskandal in einem Ferienlager auf Ameland hat der BDKJ ein Auge auf das Thema und gehe auch in den Schulungen darauf ein. Außerdem muss jeder Mitarbeiter im Zeltlager eine Ehrenerklärung unterschreiben (Auszüge auf der rechten Spalte). Besonderen Wert legt Bassani auf die „Gute-Nacht-Pädagogik“. Ab 22 Uhr ist in jeder Zeltgruppe der Betreuer anwesend, liest Geschichten vor, lässt zusammen mit den Kindern den Tag Revue passieren und sorgt dafür, dass jeder in Frieden einschlafen kann.

Hinsichtlich der männlich geprägten Hierarchie der Kirche setzt Seemoos Zeichen. Hier gibt es eine Lagerpfarrerin. Maria Heppner ist ehrenamtliche geistliche Beirätin im BDKJ und wird die erste Periode mit den Kindern Gottesdienst feiern. In der zweiten Periode ist Pater Elmar Koch, ein Jugendseelsorger aus Stuttgart, vor Ort. Wie jedes Jahr kündigt sich hoher geistlicher Besuch an: Domkapitular Hildebrand und Weihbischof Renz wollen wieder vorbeischauen. Bassani weiß die Unterstützung der Diözesanleitung zu schätzen, hat aber auch gute Argumente für das bischöfliche Engagement. „Seemoos ist die Speerspitze der katholischen Jugendarbeit. Wo, wenn nicht hier, können Kinder einen Zugang zur Kirche finden“, fragt Bassani.

(Erschienen: 29.07.2010 20:05)


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