Segmehl spielt das Klangspektrum aus
Die von Christian Segmehl und Ludwig Kibler am letzten Sonntag des Jahres in der evangelischen Kirche von Rottenacker gebotene Qualität muss sich weit herum gesprochen haben. So viele Zuhörer wie gestern waren noch nie zu einem Jahresabschlusskonzert gekommen. Mehr als 200 waren es nach Einschätzung von Pfarrer Joachim Reusch, der sich über den zahlreichen Besuch freute. Ludwig Kibler und Christian Segmehl begrüßte er als alte Bekannte: "Ihr zwei gehört schon traditions-gemäß am Jahresabschluss in unsere Kirche."
Christian Segmehl hat erst kürzlich in Munderkingen beim Weihnachtskonzert der Stadtkapelle mehr als 500 Zuhörer als Solist begeistert. In der Kirche bringt er zusammen mit der Orgel ein noch breiteres Spektrum des ausdrucksvollen Saxophonklangs ins Spiel. Wo Bach die Freiheit zwischen Flöte und Violine lässt, nimmt sie sich Segmehl bei einer im Bachwerkeverzeichnis geführten Sonate für das Sopransaxophon heraus und macht mit lyrischer Zartheit im Adagio klar, warum das Werk neuerdings Johann Sebastian Bachs bekanntestem Sohn zugeschrieben wird. Auch die weitgreifende Phrasierung des dritten Satzes lässt die barocke Epoche hinter sich.
Die Ausdrucksvielfalt des virtuosen Saxophonspiels ermöglichen Christian Segmehl allerdings ganz moderne Kompositionen. Ein Stück mit Gruß an die Zuhörer in Rottenacker hat ihm in München der dort an der Musikhochschule lehrende Filmkomponist Enjott Schneider mitgegeben. Der Titel "Nekyia" spielt den diversen Religionen zu Grunde liegenden archetypischen Gegensatz von Leben und Tod aus. Ansatzveränderung bewirkt stellenweise effektvolles Glissando. Enge Orgeldissonanzen und sich überschlagende raue Töne auf dem Saxophon werden als klangbildgestaltende Elemente positiv wahrgenommen. Bei Astor Piazzollas "Libertango" betont die ungewöhnliche Instrumentenkombination den Vorrang des melodischen Ausdrucks.
(Erschienen: 31.12.2007 00:08)






