
(Ehingen/sz) Von unserem Redakteur Tobias Götz
Beatrice Sabia sitzt am Tisch. Ihre riesigen dunkelbraunen Augen strahlen. Bei jedem Wort, das sie sagt, merkt man der 19-Jährigen ihre Lebenslust an. Eine Lebenslust, die sie in der Silvesternacht 2009 begann zu verlieren. Denn in jener Nacht spürte die Ehingerin zum ersten Mal Schmerzen, die einen rund einjährigen Leidensweg mit Todesangst einläuteten. „Plötzlich tat mir in diese Nacht meine Gallenblase weh. Es waren heftige Schmerzen, die ich noch nie zuvor hatte“, erzählt Beatrice, ohne dabei ihr Lächeln zu verlieren. Nach Silvester ist die damals 18-Jährige ins Krankenhaus, wurde dort aber mit Antibiotika wieder weggeschickt.
Zwei Monate später kehren die stechenden Schmerzen zurück. „Die Gallenblase war entzündet. Sie wurde entfernt und drei Tage später war ich aus dem Krankenhaus wieder draußen.“ In den Tagen und Wochen danach blähte sich der Bauch von Beatrice auf, als ob sie im neunten Monat schwanger wäre. „Ich bin wieder ins Krankenhaus und wurde nach einer Untersuchung dann plötzlich von der Station in die Intensiv verlegt. Der Arzt kam rein, legte mir Infusionen und ich durfte mich nicht bewegen.“ Diagnose: Lebertrombose -- Lebensgefahr.
„Ich habe es erst gar nicht kapiert. Erst als meine Mutter geweint hat, habe ich realisiert, dass ich in Lebensgefahr schwebe“, erzählt Beatrice. Sechs Wochen lang musste die junge Frau im Krankenhaus bleiben, wurde mit Medikamenten vollgestopft. Der aufgeblähte Bauch blieb, auch nachdem Beatrice Sabia aus dem Krankenhaus entlassen wurde. „Die Ärzte haben mir gesagt, dass es ein bis zwei Jahre dauern würde, bis der aufgeblähte Bauch weggehen wird.“
Spezialist macht Hoffnung
Auch ein Spezialist in einer Münchner Klinik untersuchte darauf die Ehingerin und kam zu dem Ergebnis, dass ihre Leber die kommenden 20 bis 30 Jahre funktionieren würde. Doch die Schmerzen, die Schwindelgefühle und der Blähbauch wurden immer schlimmer. „Ich bin dann nochmals zum Arzt, der mir dann mit einer Spritze neun Liter Wasser aus dem Bauch zog. Nach diesem Eingriff ging es mir noch schlechter“, erinnert sich die 19-Jährige.
Irgendwann, als die Leiden immer größer wurden, hat sich Beatrice Sabia dann gesagt: „Jetzt reicht‘s.“ Sie machte sich auf den Weg nach Tübingen zu einem absoluten Spezialisten -- und zwar im September 2009. Eine Woche lang wurde die Ehingerin dort untersucht, es wurde eine Leberbiopsie gemacht, die Medikamente wurden abgesetzt und innerhalb einer Woche zogen die Ärzte 20 Liter Wasser aus dem Bauch der zierlichen Frau. Nach dieser Woche kam dann ein Tag, den Beatrice Sabia nicht vergessen wird. „Ich wollte vom Krankenhausbett aufs Klo. Dort wurde mir schwindelig und ich kollabierte -- zum ersten Mal in meinem Leben.“
Vier Tage sogenanntes Leberkoma waren die Folge. Während des Komas, so wurde es Beatrice gesagt, soll sie immer wieder den Spruch „Ich will zu meiner Oma“ gesagt haben. Die Oma ist seit 18 Jahren tot. „Es war wie ein Dämmerschlaf. Ich hatte keine Lust mehr zu leben.“ Am vierten Tag des Komas stellten die Ärzte eine Diagnose, die das Leben der jungen Ehingerin verändern sollte. „Der Arzt sagte, dass ich eine neue Leber brauche. Ich wurde sofort in die Dringlichkeitsstufe eins gesetzt. Innerhalb von fünf Minuten wurde eine Spendenleber für mich gefunden“, beschreibt Beatrice Sabia diesen Moment.
Zu diesem Zeitpunkt, am 19. September 2009, war es 19 Uhr. „Nachts um drei wurde ich operiert, acht Stunden später war ich wach“, sagt Beatrice. Aus einer Zentrale in Holland wurde die Spendenleber eines 18-jährigen Menschen eingeflogen. Mehr weiß die Ehingerin nicht.
Es geht besser
Als Beatrice Sabia aus der Narkose aufwachte, spürte sie zum ersten Mal seit Monaten, dass es ihr besser geht. „Als ich dann die Narbe sah, wusste ich, dass mein Leben gerettet ist.“ Ein Leben, das an einem seidenen Faden hing und nur durch eine Organspende erhalten werden konnte. Die ersten Tage nach der Transplantation waren schmerzhaft. Doch von Stunde zu Stunde, von Tag zu Tag wurde alles besser, drei Wochen später wurde Beatrice Sabina aus dem Krankenhaus entlassen.
Heute, zehn Monate nach der Transplantation, erinnern noch Narben an Beatrice Körper an die schlimmste Zeit in ihrem Leben. „Mir geht es prima. Ich muss eben nun mein Leben lang Tabletten nehmen, damit mein Körper die Leber nicht abstößt.“
Ein Leben, auf das sich die junge Ehingerin freut.
(Erschienen: 23.07.2010 23:00)