Rathaus-Arkaden spalten die Gemüter
Von unserem RedakteurGerd Mägerle
Jede Menge E-Mails haben Elsbeth Janami und Ulrike Jost aus Biberach sowie Ulla Handel aus Ummendorf in den vergangenen Tagen bekommen. Per Leserbrief in der SZ hatten sie Kritiker der Verglasung aufgefordert, sich bei ihnen zu melden, damit man gemeinsam überlegen könne, wie das Vorhaben möglicherweise noch zu stoppen sei. Mehr als 70 Bürger erklärten sich daraufhin mit den drei Frauen solidarisch.
Für sie ist das Thema Rathaus-Arkaden eine Herzensangelegenheit. „Die Biberacher haben sich an dieses Erscheinungsbild des Rathauses gewöhnt“, sagt Ulla Handel, „sie schätzen die Arkaden als Treffpunkt. Außerdem wirkend sie einladend und bieten Schutz bei Regen.“ Auch die Begründung, dass die Arkaden am Rathaus bauhistorisch keine Tradition haben und erst während der Sanierung in den 1980er-Jahren enstanden sind, wollen die drei Frauen nicht gelten lassen: „Warum muss etwas so sein wie vor 100 Jahren, wenn es den Bürgern gefällt, so wie es jetzt ist“, sagt Ulla Handel. Schade findet sie, dass die Bürger nicht früher über das Vorhaben informiert worden seien. „Das soll keine Kritik an der Kompetenz des Gemeinderats ein, aber bei diesem Thema hätten wir uns mehr Öffentlichkeit gewünscht.“ Mit der Stadtverwaltung haben sie und ihre Mitstreiter bislang noch nicht gesprochen, ihre Unterstützer-E-Mails wollen sie aber Baubürgermeister Christian Kuhlmann überreichen.
„Kommunikationsdefizit“
Dieser sieht bei dem Thema ein „Kommunikationsdefizit“. Wichtige Argumente die für die Verglasung sprechen, seien in der Bevölkerung offenbar nicht angekommen, sagt Kuhlmann. Dazu zähle natürlich auch, dass die Arkaden mit der Historie des Hauses nichts zu tun haben, wichtiger seien aber die energetischen und räumlichen Vorteile, die sich durch die Verglasung ergeben, so der Baubürgermeister. „Unabhängig von der Verglasung ist ja längst beschlossen, im Foyer eine Bürgerinformationsstelle mit drei Arbeitsplätzen einzurichten sowie eine neue Rathaustür samt verglastem Windfang einzubauen, um die Mitarbeiter vor Zugluft zu schützen. Wenn wir das machen, ohne die Arkaden zu verglasen, verlieren wir im Foyer so viel Platz, dass Ausstellungen und Empfänge dort nicht mehr möglich sind“, erklärt Kuhlmann.
Mit der Verglasung gewinne man zusätzlichen Raum und erhalte durch die bis zum Boden reichenden Fenster ein helles, einladendes Entrée. Dagegen wirkten die Arkaden eher wie „dunkle Löcher“. Aufgrund die energetischen Sanierung aller Fenster im Eingangsbereich gebe es einen Zuschuss aus dem Konjukturprogramm des Bundes.
Er könne verstehen, dass die Arkaden vielen Biberachern ans Herz gewachsen seien, sagt Kuhlmann: „Es gibt aber viele sachliche Argumente, die für die Verglasung sprechen.“
Dritte Lokalseite
(Erschienen: 20.01.2010 20:50)
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