Politik hautnah: Jugend scannt Künast
Von unserer Redakteurin Franziska Rötzsch
Ein wenig aufgeregt ist Robert Naumann schon. Schließlich ist der politische Aschermittwoch der Grünen zwar schon zum 14. Mal in Biberach, für das jüngste Mitglied der Grünen Jugend Biberach jedoch ist es sein erster großer Auftritt – sieht man mal vom Schultheater ab.
500 Besucher füllen die Stadthalle und gleich soll der 16-Jährige vor ihnen auf die Bühne treten. Noch jedoch spricht die Ravensburger Oberbürgermeisterkandidatin Brigitte Lösch, die spontan für Agnieszka Malczak eingesprungen ist und den Biberacher OB Thomas Fettback schon mal mit Kollegen in Spe gegrüßt hat, davon, dass es Frauen in Oberschwaben schwer haben. Da betritt Renate Künast den Saal und setzt sich – umringt von Kameras und Fotografen -- in die erste Reihe.In der letzten Reihe sitzt Johannes Ditscher. Ein Grüner sei er nicht, sagt er, aber nicht zum ersten Mal hier. Er wolle sich anhören, was die zu sagen haben – „vor allem über HartzIV. Da lasse ich mich überraschen.“
Ein paar Tische weiter sitzt Philipp Jourdan, Vorsitzender des Kreisverbands der Grünen in Calw und ebenfalls Aschermittwochs-erfahren. „Dass die Themen angesprochen werden, die für die Zukunft wichtig sind, der Klimaschutz und die soziale Gerechtigkeit", erwartet er. Seine Kinder – die fünfjährige Lea und den dreijährigen Lucas – hat der Grüne mitgebracht. „Um den Nachwuchs geht es doch schließlich.“
Rückblende, Biberacher Stadthalle eine Stunden zuvor: Der Sprengstoffsuchhund hat seine Runde durch die Stadthalle gemacht, Walter Munding, stellvertretender Leiter des Biberacher Polizeireviers hat den Polizisten in Uniform und Zivil, dem Stadthallenpersonal, dem privaten Sicherheitsdienst und den Helfern des Grünen Kreisverbands die letzten Sicherheitsanweisungen gegeben. Zu befürchten sei jedoch nichts, sagt er. „Bei Joschka Fischer war die Anspannung noch größer.“ Kurz nach 10.30 Uhr stehen die Besucher vor der Stadthalle Schlange. Wer hinein will, muss seine Jacke abgeben und sich die Tasche durchsuchen lassen. „Verdächtige Gegenstände“ bleiben draußen, sagt Munding. Auf der Bühne spielen Helle und Evi „Give me a little bit of love“, an die Wand werden Fotos aus den Vorjahren gebeamt. Manch einen Redner auf den Bildern erkennen selbst die, die dabei waren, heute nicht mehr.
In diesem Jahr macht Chris Kühn den Anfang. Als nach ihm Brigitte Lösch von der Bühne kommt, ist für Robert Naumann der Moment gekommen. Lang dauert sein Auftritt nicht. Er kündigt Schlachter an, stellt ihm ein Wasserglas hin. Als der finanzpolitische Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen im Landtag schon von Westerwelle als „dummköpfigen Dampfplauderer“ und sich selbst mit den Worten „der personifizierte Gutmensch ist der grüne Abgeordnete aus Oberschwaben“ spricht, da klopfen unten vor der Bühne die Jungen Grünen Robert auf die Schulter. Winfried Kretschmann und Renate Künast werden andere – nicht weniger aufgeregte – Nachwuchs-Grüne ankündigen.
Publikum ist zufrieden
Spätestens nachdem Künast mit der Bundesregierung abgerechnet hat, ist Johannes Ditscher zufrieden. „Sie hat schön auf dem Gegner rumgehackt, wie es sich gehört“, sagt er. Nächstes Jahr wolle er wieder kommen. Für Philipp Jourdan heißt die Devise am Ende des politischen Aschermittwochs: weiterkämpfen. Für die Mitglieder in Calw wird noch schnell ein Foto mit Renate Künast gemacht.
Und auch mit Robert Naumann und den anderen Jungen Grünen lässt sich die Fraktionsvorsitzende noch ablichten. In den Nackscanner stellt sie sich, den der politische Nachwuchs gebastelt hat. Als Künast geht, da fällt der Satz: „So hautnah habe ich diese Kämpferin noch nie gesehen.“
(Erschienen: 18.02.2010 10:30)







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