Mit Mubigs machen alle Kinder – und der Biber – Musik
Von unserer Redakteurin Franziska Rötzsch
„Saiten, Tasten, Bläserklang – bei Mubigs wird die Zeit nicht lang“, singen Dorian, Viktoria, Cathrin und ihre Klassenkameraden und deuten mit Armbewegungen die passenden Instrumente an. Streich- und Tasteninstrumente, , Holz- und Blechbläser – sie alle lernen sie in diesem Schuljahr kennen. „Geige hatten wir schon“, sagt Viktoria. Und das war, da ist sie sich mit den anderen Erstklässlern einig, toll. Vier Wochen lang ging es für die Schüler im Unterricht um die Streichinstrumente, eine kleine Geige durfte jeder mit nach Hause nehmen. Jetzt stehen Singen, Klatschen, Klopfen, Trommeln und Tanzen mit Musikschullehrerin Nelli Lutz an. „Gerade auch Kinder mit Migrationshintergrund lernen hier etwas ganz Neues kennen und sind begeistert“, sagt sie.
„Niederschwellig, kostenlos aber verpflichtend“ sei das Angebot, sagt OB Thomas Fettback. Und das mache Mubigs auch aus: „Wir haben viele tolle Angebote in Biberach. Aber die jungen Menschen, die es eigentlich nötig haben, kommen da oft nicht hin.“ Mubigs hingegen besuchen alle Erstklässler an den acht staatlichen Biberacher Schulen, es ist eine feste Unterrichtsstunde pro Woche im Stundenplan.
„Es ist wichtig, dass alle Kinder mit Musik in Berührung kommen – auch weil Musik an Grundschulen nicht mehr als eigenständiges Fach unterrichtet wird“, betont Biberachs Kulturdezernent Jörg Riedlbauer. Schließlich fördere musikalische Bildung soziale Kompetenzen, Konzentrationsfähigkeit und Lernmotivation. Finanziert wird das Projekt für drei Jahre von der Bruno-Frey-Stiftung mit insgesamt 106 000 Euro. Spenden von Kavo und den „Freunden der Musikschule“ kamen hinzu. Ist es erfolgreich, hat der Gemeinderat zugestimmt, Mubigs weiter zu finanzieren.
Nach einem halben Jahr ist Schulleiterin Yvonne von Borstel begeistert: „Für viele unserer Schüler ist der Weg zur Musikschule unerreichbar, weil es finanziell nicht leistbar ist, die Eltern kein Interesse haben oder ihre Kinder nicht zur Musikschule bringen können, weil es Vorurteile und Hemmschwellen gibt“, sagt sie. „Ich bin froh, dass wir das Projekt an der Schule haben.“
Bleibt die Frage, wie es in der zweiten Klasse für die Kinder weitergeht. Klassenmusizieren wäre, so Musikschulleiter Andreas Winter, eine – auch für die Eltern kostengünstige – Möglichkeit. Umfragen bei Eltern und Kindern sollen jetzt das Interesse fürs Weitermusizieren erheben. „Mit dieser Frage, wie’s weitergeht, beschäftigen wir uns zurzeit ebenso wie damit, wie das Mubigs-Konzept weiter verbessert werden könnte“, sagt Winter.
Lehrer erfinden Konzept
Insgesamt 18 Lehrer der Bruno-Frey-Musikschule unterrichten in diesem Schuljahr die 260 Biberacher Grundschüler – jeder arbeitet in seinem Fachgebiet mit einer halben Schulklasse, nach ein paar Wochen wird gewechselt. „Die Unterrichtsinhalte haben sich die Musiklehrer selbst erarbeitet, die Instrumente haben sie für Mubigs angepasst, das Mubigs-Lied haben sie geschrieben.
Und dann ist da noch der Mubigs-Biber. Im Klassenzimmer nebenan hält er sich gerade die Ohren zu. Die erste Mubigs-Stunde mit Tasteninstrumenten steht gerade an. Ein dutzend Kinder pustet in den Schlauch der Melodica, wodurch das Tasteninstrument Töne erzeugt. Kuckucks-Rufe sollen es werden, passend zu dem Lied, das Lehrerin Marianne Bodin auf dem Akkordeon spielt. Doch noch geht alles durcheinander. „Aber wenn sich die Biber-Handpuppe die Ohren zuhält, ist Ruhe“, lacht Bodin. Doch nicht lang. Denn, so singen Biberachs Erstklässler im Mubigs-Lied: „Ohren auf und aufgepasst: Bei Mubigs wird Musik gemacht.“
(Erschienen: 08.02.2010 18:10)







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