Anzeige Top Werbung
Die Autobörse im Süden
Die Immobörse im Süden
Die Jobbörse im Süden
Bildergalerien aus aller Welt & der Region
Internetfernsehen für die Region
Schrift kleiner groesser

Biberacher Schützenfest

Feuer im Festzelt: Biberach übt die Schützen-Katastrophe

Großeinsatz auf dem Gigelberg: Rettungskräfte üben den Ernstfall.
Großeinsatz auf dem Gigelberg: Rettungskräfte üben den Ernstfall.

(BIBERACH/sz) Blitzeinschlag im Bierzelt: Rauch, Chaos, Verletzte. Eine Katastrophe auf dem Biberacher Schützenfest -- aber nur eine Übung. Am Dienstagabend trainierten Schützendirektion, Feuerwehr, DRK, Notärzte, Polizei, Seelsorger und andere Helfer den Ernstfall.

Von unserer Redakteurin  Franziska Rötzsch

Dicker Rauch quillt aus dem Festzelt auf dem Gigelberg. Auf dem Weg neben dem Zelt liegt eine Frau. Sie verzieht vor Schmerz das Gesicht. Dem Mann hinter ihr rinnt Blut die Stirn hinunter. „Hilfe, Hilfe“, keucht er. Und: „Da sind noch viel mehr drin.“ Ein junges Mädchen rennt umher, ruft panisch immer wieder den Namen einer Freundin. Im Eingangsbereich des Festzelts schreien noch mehr Menschen um Hilfe. Sie liegen auf dem Boden, andere versuchen, an den Pfosten des Zelts Halt zu finden oder irren ziellos umher. Dazwischen torkeln Betrunkene.

Es ist Dienstagabend kurz nach 19 Uhr. Bei Rettungsdienst und Polizei gehen mehrere Notrufe ein. Feuerwehr und DRK rücken aus. Was die meisten Einsatzkräfte noch nicht wissen: Das Schreckensszenario ist eine Übung – die erste dieser Art. Eingeweiht sind nur die Leiter der beteiligten Institutionen. Das Szenario: Unwetter über Biberach. Ein Blitz schlägt in die Stromanlage hinter dem Bierzelt ein. Diese fängt Feuer, die Flammen greifen auf das Bierzelt über. 36 Gäste sind verletzt. Brandverletzungen haben sie, offene Wunden, Rauchgasvergiftungen.

Anzeige

Als die ersten Rettungskräfte auf dem Gigelberg eintreffen, wird schnell klar: Die Zahl der Helfer reicht nicht aus. Es wird ein zweites Mal alarmiert. Auch die Werksfeuerwehr von Boehringer Ingelheim eilt herbei. Zwölf Notfallseelsorger werden auf den Berg gebracht. Schließlich sind mehr als 160 Menschen im Einsatz: 70 DRK-Mitarbeiter in 21 Einsatzfahrzeugen, 14 Polizisten in fünf Fahrzeugen, 50 Feuerwehrleute mit acht Groß- und drei Führungsfahrzeugen.

„Übung ist wichtig“

„Großes Schadensereignis“ nennt sich die Situation offiziell. Sie ist eine von vielen möglichen Ernstfällen, mit der sich die Sicherheitskommission des Schützenfests, zu der Schützendirektion, Stadt, DRK, Feuerwehr, Ordnungsamt und Polizei gehören, auseinandersetzt. Für viele Situationen gibt’s genaue Handlungsabläufe auf Papier – vom Unfall beim Festzug bis zur Bombendrohung. „Aber es ist wichtig, solche Pläne auch einmal durchzuspielen“, sagt OB Thomas Fettback.

Der Oberbürgermeister selbst ist Teil des Krisenstabs, der im Notfall in der Schützenkellerhalle zusammenkommt. Auch er ist am Dienstag dort. Die Funkgeräte rauschen ununterbrochen. In der Schützenkellerhalle laufen die Meldungen der Rettungskräfte zusammen: Was passiert aktuell? Wie viele Verletzte gibt es? Jetzt gilt es den Überblick zu behalten: Wann muss der Landrat informiert, wer muss außerdem angerufen werden? Müssen Veranstaltungen ausfallen? Gerade spricht sich der OB für die Einrichtung eines Krisentelefons aus, da kommt über Funk der Zwischenstand: 15 Schwerstverletzte und ein Toter. „Da geht es um die Frage: Wie reagiert man ?“, sagt Fettback.

Auf dem Gigelberg kann der scheinbar Tote reanimiert werden. Eine knappe Stunde ist seit Ausbruch des Feuers vergangen. Den Brand hat die Feuerwehr gelöscht. Atemschutzträger haben die Verletzten aus dem verqualmten Bierzelt geholt. Rettungsassistenten, Sanitäter und Notärzte haben sich ihrer angenommen. Zunächst haben sie allen einen Zettel umgehängt. Eine Farbe markiert, wie schlimm es um den Einzelnen steht: Gelb bedeutet „leicht verletzt“, Rot „schwer verletzt“ und Hellblau heißt „keine Überlebenschance“. Noch immer werden jetzt Verletzte verbunden, stabilisiert, abtransportiert. Die Seelsorger versuchen die Menschen zu beruhigen, die am Boden sitzen und weinen. Ein betrunkener Jugendlicher will ins Zelt zurück. „Bier“, schreit er. Ein Polizist nimmt ihn beiseite. Etwas abseits vom Festzelt werden von einem DRK-Fahrzeug aus die Helfer koordiniert. Zwischendrin sind mehrere Beobachter unterwegs.

Um 20.20 Uhr ist die Übung beendet. Die Mimen des DRK waschen sich die Schminke ab, Einsatzkräfte und Organisatoren sind erleichtert. Auch wenn die gründliche Auswertung der Übung noch dauern wird, sind sich alle einig: Sie war ein Erfolg. Alles hat gut funktioniert. Vor allem Kleinigkeiten sind es, die verbessert werden sollen. Einige Telefonnummern sollen jetzt zum Beispiel aktualisiert, die Liste der Notfallnummern größer ausgedruckt werden. „Es ging darum, Fehler aufzuzeigen. Und das haben wir erreicht“, sagt OB Fettback. Klaus Bott ergänzt: „Das gibt uns ein Gefühl der Sicherheit.“

(Erschienen: 15.07.2010 10:45)


weitere Meldungen aus Biberacher Schützenfest





Das Wetter Heute

präsentiert von der IHK-Region Ulm
Biberach
Biberach
Vormittag
heiter
12 °
Nachmittag
heiter
18 °
Nacht
Schauer
7 °
- Anzeige -

- Anzeige -



Der Fachmann - Kompetenz in Ihrer Region