Räte votieren für helle Klinkerfassade
Von unserem Mitarbeiter Wolfgang Manecke
Die Architekten Gerhard Schirmer und Sohn Bernd hatten an den Klinkerproben für das neue Rathaus schwer zu schleppen, denn die Mitglieder des Gemeinderates wollten das Klinkerverblendmauerwerk nicht nur anschauen, sondern die gewichtigen Proben eigenhändig begutachten und befühlen. In die engere Auswahl waren die Varianten roter und beiger Klinker gekommen. „Beide Klinker passen gut zu dem Gebäude“, versprach Bernd Schirmer. Der rote Klinker wirke richtig gut, die beige Ausführung sei eine moderne Farbgebung. „Beim hellen Ton kommen die Fensterrahmen besser raus", sagte der Juniorchef.
Beide Architekten unterfütterten die folgende Diskussion der Gemeinderäte mit zahlreichen Bildern von Rathäusern etwa in Ludwigsburg, Herbertingen und Ebersbach. Beide Klinkersorten, so Vater und Sohn, seien beinahe unverwüstlich, hätten durch starkes Brennen Ausblühschutz, in Qualität und Herstellung gebe es keine Unterschiede, allerdings sei der helle Klinker rund 9000 Euro teurer. Gemeinderätin Elisabeth Bumiller erschien eine – in Norddeutschland vorherrschende – rote Klinkerfassade zu wuchtig. „Mir würde ein helles Rathaus besser gefallen“, sagte sie. Auch Gemeinderat Anton Hagel gefiel hell besser. Die sachliche, in entspannter Atmosphäre geführte Diskussion brachte Bürgermeisterstellvertreterin Brigitte Bertsch auf den Punkt: Bei dieser Entscheidung könne jeder seine persönliche Meinung vertreten.
Hatte eine Probeabstimmung vor einigen Wochen noch Gleichstand ergeben, so war das Votum nun eindeutig: Mit zwölf gegen sechs Stimmen entschied der Gemeinderat zugunsten des hellen Klinkerverblendmauerwerks. Der Auftrag in Höhe von 253 420 Euro geht an das Klinkerzentrum Roland Weigel im unterfränkischen Mellrichstadt/Rhön.
Fenster, Türen, Böden
Passend zu dieser Fassade entschieden sich die Gemeinderäte für dunkelgraue Fensterprofile im Außenbereich. Innen erhalten die Fenster helle Rahmen. Die Fußböden werden je nach Publikumsverkehr gestaltet; stark beanspruchte Flächen erhalten einen Granitboden. Im Rathaussaal wird es einen Parkettboden geben. Die Büros erhalten – auch aus Gründen des Schallschutzes – einen robusten Teppichboden.
Nach all diesen Entscheidungen vermutete Ursula Haid eine Tendenz zur Höherpreisigkeit; die Gemeinderätin verlangte von den Architekten und Bürgermeister Engler, die Kostenfortschreibung offenzulegen. Derzeit, so Bernd Schirmer, sei man um knapp 27 000 Euro drüber. Insgesamt, sagte Engler, liege man jedoch gut im Rennen. „Das ist fast eine Punktlandung", so Engler.
(Erschienen: 09.03.2010 18:40)







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