Historie ist hautnah erlebbar
Von unserem Redakteur Michael Hänssle
Mehrere Säulen gibt es im voluminösen Festprogramm, seit 1993 organisiert von den Roter Vereinen: ein Floh- und Handwerkermarkt sowie eine Oldtimerschau, das Historienspiel mit abermals 70 Laiendarstellern und viel Musikdarbietungen an allen Ecken. Es soll die Vielfalt der dörflichen Lebens aus Vergangenheit und Gegenwart auf der Freilichtbühne im Schatten von St. Verena, im Volksmund auch der „oberschwäbische Krems“ genannt. darstellen. Bislang zeigten die Roter Laiendarsteller schon Zehntabgaben, Gerichtstage und Bauernhochzeiten, die Folgen der Säkularisation im Jahre 1803 und wie die neue Herrschaft des Grafen von Wartenberg beim Roter Konvent und in der Bevölkerung wirkte, Hautnah darf man auch heuer wieder die eigene Geschichte erleben.
Die erste Textprobe für die beiden Historienspiele – die „Zehntabgabe“ und die „Klosterstürmung“, -wieder erarbeitet von August Schädler und inszeniert von Achim Spiller, hat bereits stattgefunden. Wie immer versucht Heimatforscher August Schädler, auch den Bezug zur Aktualität beim Stück über die erzwungenen Zehntabgabe der umliegenden Höfe einzubauen. Den Gärtner, der hochgewachsene Sträucher überbringt, weist der Kellermeister in Vertretung von Abt Martin darauf hin, sie sofort vor dem „Irrgarten“ vor der Seniorenanlage als Augenfang einzupflanzen. Ein Bauer weist beim Überreichen eines mageren Ferkels am Spieß statt der erwarteten Sau darauf hin, dass sein Hof unter der Schweinegrippe zu leiden hätte. Mehr noch: Ein auftretender Gläubiger des Klosters reklamiert es – am Ende vergeblich- für sich. Denn Klosterknechte schicken ihn im harschen Ton fort.
Den direkten Anschluss bildet die Klosterstürmung nach dem Aufruhr bei der Zehntabgabe am festsonntag: Da wird dann dem Aufrührer Hagel der Prozess gemacht und angedroht ihn vier Wochen zur Abschreckung im Käfig hängen zu lassen, was die Bauern, indem sie ihn befreien, verhindern. Stattdessen pferchen die vom Kloster ausgepressten Bauern den urteilenden Amtmann in den Käfig und machen reichlich Beute im Kloster. Letztendlich verlieren sie die zwar wieder, weil der Abt die Truppen des Schwäbischen Bundes zu Hilfe ruft, doch der ausgehandelte Kompromiss sieht dann doch vor, dass der Baueranführer Hagel freigesprochen wird und alle am Ende dem Abt die Treue schwören.
Das Fest findet traditionell am zweiten Augustwochenende zwischen den 1714 und 1726 erbauten Oberen und Unteren Toren statt. Weitere Infos zum Dorffestprogramm gibt es unter www.dorffest-rot.de.
(Erschienen: 23.07.2010 21:40)







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