Biber nehmen das Ried in Beschlag
Von unserer Redakteurin Katharina Täubl
Schön anzuschauen sind die Nagearbeiten der Biber im Äpfinger Ried. Etwa die zwei zusammengewachsenen Bäume in extremer Schräglage, dessen Stämme Biber knapp über der Erde so bearbeitet haben, dass der Eindruck entsteht, sie könnten jederzeit abbrechen. Ein paar Schritte weiter hat der Biber seine Burg und einen Damm gebaut. Es ist einer von 15 Dämmen im Ried, die Biber in Entwässerungsgräben setzen. Und es ist der Damm, weswegen das Feld von Landwirt Josef Haller in diesem Jahr wahrscheinlich nicht mehr zu bewirtschaften ist. Auf einem Hektar Land baut Haller Mais an. Das geht aber nur, wenn das Feld ordentlich entwässert wird. Der streng geschützte Biber aber hat dafür gesorgt, dass seit Herbst dort immer wieder das Wasser steht. „Das ärgert mich“, sagt Josef Haller. Ändern wird er daran jedoch nichts, denn eben dieser Damm ist für den Erhalt der Biberburg notwendig und darf nicht entfernt werden. Das hat laut Bürgermeister Elmar Braun eine Prüfung durch den Biberbeauftragten des Regierungspräsidiums Tübingen ergeben. Die andern Dämme, darunter auch einige in Sulmingen in der Nähe der Sporthalle sind nicht lebensnotwendig. Ganz zerstört werden sie nicht, aber der angrenzende Landwirt Hermann Rodi durchbricht sie an einer Seite, sodass das Wasser abfließen kann.
Josef Haller und andere betroffene Landwirte dürfen das nicht. „Das grenzt für mich an Enteignung“, sagt Haller. Denn so sei sein gepachtetes Grundstück nichts mehr wert. Kritisch betrachtet auch der Vorsitzende der Jagdgenossenschaft den gesetzlich geregelten Schutz der Nagetiere. „Der Biber ist mit Sicherheit nicht mehr vom Aussterben bedroht“, sagt Max Ströbele. Für die Landwirtschaft sei das eine Katastrophe.
Denn: „Biber richten mehr Schaden an als Wildschweine“, vergleicht Ströbele. Der Jagdgenossenschaftsvorsitzende glaubt, dass der Biber bald flächendeckend im Kreis angesiedelt ist. Sein radikal klingender Vorschlag lautet: „Der Zuwachs gehört abgeschossen, dort wo er schon ist.“ Die jungen Biber werden im zweiten Lebensjahr von ihren Eltern vertrieben und müssen sich ihr eigenes Terrain suchen. „Da kommt noch was auf uns zu“, sagt Ströbele.
Land will Flächen tauschen
Um die Konflikte zwischen Biber und Mensch einzugrenzen, gibt es derzeit Überlegungen, landeseigene Flächen im Ried mit den betroffenen Nutzflächen der Landwirte zu tauschen. „Die Landesliegenschaftsbehörde wird darüber mit den Landwirten verhandeln“, sagt Bürgermeister Braun. Dass nach einer Lösung gesucht werde, befürwortet der Schultes, denn viel Nutzfläche habe der Teilort Äpfingen nicht zu bieten. Umzingelt von Wald, Wasserschutzgebiet, Ried, Kiesabbaufläche und Autobahn spricht er von Landhunger. Dem gegenüber stehen die Landwirte auf der Suche nach Fläche. Josel Haller hat noch keinen Flächentausch angeboten bekommen. Und er fragt sich, ob ein Tausch längerfristig Sinn macht. „Wenn der Biber sich weiterausbreitet, kann man zwischen Äpfingen und Schemmerhofen nichts mehr bewirtschaften.“
(Erschienen: 08.03.2010 18:40)







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