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Bad Saulgau
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Was tun Schulen bei Mobbingfällen?

(Region/sie) Die Grenze zwischen Hänselei und Mobbing ist oft fließend. Lehrer aus der erzählen der SZ, wie sie bei Verdacht auf Mobbing an ihrer Schule vorgehen.

Franz Schweizer (Störck Gymnasium, Bad Saulgau): „Wir haben bei uns ein Team von zwei Lehrern, die zu diesem Thema speziell ausgebildet sind. Wenn ein Mobbingfall auftritt, führen sie mit den Betroffenen und mit der gesamten Klasse Gespräche. Wir nehmen das sehr ernst, das dauert mitunter den ganzen Vormittag. Wenn nötig, holen wir die Eltern mit ins Boot, aber wir wollen das erstmal in der Schule lösen. Zum Teil bekommen wir derartige Problemfälle gar nicht mit, erst wenn die Betroffenen oder Eltern sich bei den Vertrauens- oder Klassenlehrer melden, können wir aktiv werden. Das passiert in separaten Gesprächen sehr intensiv und professionell – und dementsprechend mit Erfolg.“

Werner Rundel (Brechenmacherschule Bad Saulgau): „Als Vertrauenslehrer mache ich die Erfahrung, dass eher die Freunde von Mobbingopfern zu mir kommen, weil die Opfer sich schämen. Ich versuche zunächst, den Konflikt durch Gespräche zu lösen. Oft zeigt dies Erfolg. Tritt das Problem weiterhin auf, folgen Konferenzen mit allen das Opfer unterrichtenden Kollegen und einer Fachkraft der Schulsozialarbeit. Nächste Stufe wäre die Einberufung einer Schulkonferenz mit Eltern- und Schülervertretern. Für den/die Täter kann ein zeitweiliger Schulausschluss die Folge sein. Insgesamt ist Mobbing ein fließender Prozess. Oft findet man nur schwer heraus, wer treibend ist. An jeder Schule gibt es Mobbingfälle. Die Frage ist: Wo wird eine Toleranzgrenze überschritten und wie reagiert man darauf? In unseren Profilwochen arbeiten wir präventiv unter Führung der Schulsozialarbeit, teilweise mit externen Experten z. B. von der Polizei. Ein wichtiger Schritt hierbei ist, dass Schüler beginnende Konfliktsituationen frühzeitig erkennen und konstruktive Lösungsansätze erlernen.“

Margrit Baacke (Astrid-Lindgren-Förderschule, Mengen): „Es gehört zum Profil unserer Schule, dass wir lehren, vernünftig miteinander umzugehen und Sozialkompetenz zu üben. Konflikte kommen zwar vor, aber die Schüler kommen dann sofort und wir klären das im Gespräch. An unserer kleinen Schule ist das sehr übersichtlich, dadurch herrscht ein gutes Vertrauensverhältnis zu den Lehrern. Bei hartnäckigen Fällen können wir die Schulsozialarbeit einschalten, das sind Sozialpädagogen, die bei den Gesprächen dabei sind. Eine intensive Elternarbeit gehört auch dazu. Im Moment haben wir vor, uns dem Streitschlichterprogramm anzuschließen, bei der Schüler als Vertrauenspersonen für andere da sein sollen. Ich denke, dass es einfacher ist, sich als Kind an einen Mitschüler zu wenden, als dass gleich ein Lehrer als höhere Instanz mit ins Spiel kommt."

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Alexandra Keinath (Förderschule Pfullendorf): „Glücklicherweise sind wir bisher von Mobbingfällen verschont geblieben, was sicherlich auch daran liegt, dass wir eine kleinere Schule sind und ein aufmerksames Kollegium haben. Die Schüler haben ein besonderes Verhältnis zu den Lehrern, vertrauen ihnen auch persönliche Probleme an. Sie wenden sich deshalb auch sehr schnell an die Lehrer wenn es Konflikte gibt. Bei aufkeimenden Hänseleien greifen wir gleich ein. Die Schüler müssen immer eine Wiedergutmachung leisten (z.B. diejenigen, die jemanden geärgert haben, müssen denjenigen zum Eis essen einladen). Natürlich achten wir Lehrer sehr auf die Einhaltung, nicht alle Schüler könnten ihre Konflikte untereinander selbst lösen. Wichtig ist: Die Schüler merken, es kommt immer eine Reaktion auf ihr Verhalten. Allgemein sind wir in ständigem Kontakt zu den Eltern, so dass auf kurzen Wegen zeitnah Vorkommnisse in der Schule besprochen werden können. Ein ganz besonderes Anliegen ist uns auch die soziale Erziehung, d.h., dass in regelmäßigen Abständen altersgemäße Übungen zum sozialen Lernen statt finden. So erlernen die Schülerinnen und Schüler präventive Verhaltensweisen.“

(Erschienen: 06.11.2009 17:20)


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