Rapp sieht seine größte Chance über 400 Meter
Von unserem RedakteurMarc Dittmann
Rom, Moskau, Berlin – in drei Metropolen war Clemens Rapp in diesem Jahr schon im Wasser. Die Weltmeisterschaften in der italienischen Hauptstadt sowie die Weltcups in den Kapitalen Russlands und Deutschlands waren wichtige Stationen auf dem Weg Richtung Schwimm-Weltspitze. Und nun folgt ein weiterer Höhepunkt: die deutschen Kurzbahnmeisterschaften in Essen. „Es war schon heftig, zuletzt fünf Wettkämpfe in fünf Wochen. Aber die DMS in Ulm bin ich aus dem Training heraus geschwommen.“ Und nun, in der Ruhrpott-Metropole, startet Clemens Rapp über 100, 200 und 400 Meter Freistil. „Finalplätze“, sagt er knapp, „das sollte schon sein“, hofft er. Dafür hat er in den vergangenen Wochen und Monaten gearbeitet, vor allem an Starts und Wenden. Denn das sind seine Schwachpunkte. Gemeinsam mit Trainer Tobias Frey und den Trainern am Olympiastützpunkt in Heidelberg feilte er per Videoanalyse und praktischen Trainingseinheiten an den technischen Feinheiten, übte Starts auf den neuen – der Leichtathletik entlehnten -- Startblöcken, verbesserte seine Wenden, die Sprungkraft, den Abstoß. „Da geben Kleinigkeiten den Ausschlag. Wir haben viele Zeitlupen studiert, den Ablauf angeschaut und versucht zu verbessern. Ich habe sehr viele Startsprünge gemacht. Aber: Es ist echt besser geworden. Da muss ich auch mal beim Krankenhaus bedanken, das mich so oft für Trainingseinheiten und Wettkämpfe freistellt“, sagt der Zivildienstleistende.
Seine besten Chancen sieht Rapp ausgerechnet auf der Strecke mit den meisten Wenden, den 400 Meter Freistil, auch wenn es Trainer Tobias Frey lieber hätte, dass der Eichstegener über die 200 Meter Freistil ganz vorne landen würde. Die Chancen Rapps steigen, weil im Vorlauf über 200 Meter Freitl (heute, ab 8.30 Uhr) die Bahn neben ihm leer bleibt. Grund: die Absage von Weltrekordhalter Paul Biedermann gestern. „Ich glaube, dass Clemens heute an seine Bestzeit heranschwimmen muss“, sagt Frey.
Rapp hat die Kurzbahn-Europameisterschaften in Istanbul (10. bis 13. Dezember) ins Auge gefasst. Über 400 Meter Freistil müsste er in Essen im Finale dazu 3:40,60 Minuten (3,2 Sekunden unter seiner Meldezeit) schwimmen, über 200 Meter 1:43,61 (1,6 Sekunden). „Aber ich habe kein Problem, wenn es nicht klappt. Dann kann ich mich schon auf die Langbahnsaison vorbereiten.“
Tina Knäpple legt bei ihrem inzwischen vierten Auftritt bei deutschen Kurzbahnmeisterschaften den Schwerpunkt in Essen auf die 200 Meter Schmetterling. Doch sie startet auf allen Schmetterlings- und Lagenstrecken. „Möglicherweise verzichten wir auf die 200 Meter Lagen, je nachdem wie es über 200 Meter Schmetterling zuvor läuft.“ Ihr Gefühl ist gut, zuletzt überzeugte sie über 200 Meter Schmetterling bei der Generalprobe in Ulm. „Bei der Deutschen Mannschaftsmeisterschaft bin ich fast an meine Bestzeit herangeschwommen“, sagt sie. In Berlin, beim Weltcup, hat sie vor 14 Tagen erstmals internationale Luft auf großer Bühne geschnuppert. „Das war eine tolle Erfahrung“, erzählt die Gymnasiastin. Nun hat sie sich in Essen vorgenommen, das Finale über ihre Paradestrecke, die 200 Meter Schmetterling, zu erreichen. „Und dann müssen wir sehen, was geht.“ Isabelle Härle muss in Essen bereits heute ins Wasser über 800 Meter Freistil. Am Samstag startet sie dann über 200 Meter Schmetterling – gegen Tina Knäpple -- und 200 Meter Freistil, am Schlusstag über 100 Meter Schmetterling und 400 Meter Freistil. Die größte Chance, sich für Istanbul zu qualifizieren hat die Heratskirchenerin wohl über 800 Meter Freistil. Die Normzeit ist sie schon geschwommen, heute muss sie dennoch Erste oder Zweite werden.
Zeitplan für die Bad Saulgauer Starter bei den Deutschen Kurzbahnmeisterschaften der Schwimmer in Essen:
Tina Knäpple: 400 Meter Lagen (Tag: Do., Meldezeit: 4:55,80), 50 Meter Schmetterling (Fr., 29,23 Sekunden), 200 Meter Schmetterling (2:14,51), 200 Meter Lagen (Sa., 2:24,09), 100 Meter Schmetterling (So., 1:02,06), 100 Meter Lagen (So., 1:06,40).
Clemens Rapp: 200 Meter Freistil (Fr., 1:45,09), 100 Meter Freistil (Sa., 1:45,09), 400 Meter Freistil (3:44,07)
Isabelle Härle: 800 Meter Freistil (Fr., 8:30,50), 200 Meter Schmetterling (Sa., 2:14,00), 200 Meter Freistil (2:03,00), 400 Meter Freistil (So., 4:14,00), 100 Meter Schmetterling (1:01,50).
Jeweils am Vormittag, ab 8.30 Uhr, werden die Vorlaufe geschwommen, am Nachmittag, ab 16 Uhr, die dazugehörigen Finals.
(Erschienen: 26.11.2009 15:50)





