Trauerbegleiterin Gerda Prasser: „Trauernde Kinder leisten emotionale Schwerstarbeit“
Die Trauergruppe in Aalen ist für Schüler bis etwa zwölf Jahre. Trauern Kinder anders als Erwachsene?
Ja. Während Erwachsene in der Regel länger und konstanter trauern, kommen die Gefühle bei Kindern eher in Schüben. Sie springen quasi hin und her zwischen totaler Trauer und vermeintlicher Unbekümmertheit. Außerdem zeigt sich Trauer bei Kindern oft auch in auffälligem Verhalten wie Rückzug, Aggression oder einem Leistungsabfall in der Schule.
Weil sich die Kinder nicht konzentrieren können?
Eher weil sie keine Energie für diese anderen Bereiche haben. Man darf nicht vergessen: Trauernde Kinder leisten emotionale Schwerstarbeit. Sie haben meist ein Elternteil oder ein Geschwisterkind verloren und müssen diesen Schlag nun verarbeiten.
Wie können Sie dabei helfen?
Indem wir ihnen den Raum, die Zeit und die Möglichkeit geben, sich mit ihrer Trauer und der Erinnerung an den verlorenen Menschen auseinanderzusetzen. Das bedeutet für uns in erster Linie zuhören und reden. Darüber hinaus soll den Kindern kreatives Gestalten beim Umgang mit dem Verlust helfen, etwa indem wir eine Schatzkiste für die Erinnerungen an die verstorbene Person basteln.
Die Trauergruppe trifft sich ab dem 23. Februar alle zwei Wochen…
Das ist geplant. Zunächst geht es aber darum, die Bedürfnisse der trauernden Kinder in Gesprächen mit den Eltern festzustellen. Auch deshalb wollen wir morgen alle Betroffenen zu einem Tag der offenen Tür einladen.
In der neuen Gruppe sollen Schüler bis zwölf Jahre Hilfe finden. Wohin können sich Ältere wenden?
Ebenfalls an uns, denn wir begleiten auch Jugendliche in Einzelgesprächen bei der Bewältigung ihrer Trauer. Sobald sich zwei bis drei Jugendliche melden, sind wir außerdem bereit, eine Gruppe speziell für sie einzurichten.
Abschließend eine persönliche Frage: Wie gehen Sie als Trauerbegleiterin für Kinder damit um, tagtäglich mit dem Leid junger Menschen konfrontiert zu werden?
Mir hilft, dass der Umgang mit Tod und Trauer ein wichtiger Teil meines Lebens ist. In meiner Ausbildung habe ich unter anderem immer mehr gelernt, zwischen den eigenen Gefühlen und der Trauer anderer Menschen zu unterscheiden. Zuletzt verfügen gerade Kinder oft über eine verblüffende Leichtigkeit, wenn es um das Thema Tod geht, und gehen viel offener damit um als viele Erwachsene.
(Erschienen: 08.02.2010 20:50)
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