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Job & Karriere

Karriere: Frauen am Steuer schaffen Mehrwert

Langsam aber stetig steigt die Zahl der Unternehmen, die die besonderen Kompetenzen weiblicher Führungskräfte zu schätzen wissen
Nicht nur bei der Seefahrt, sind Frauen auf der Kommondobrücke eine Seltenheit, hier aber ganz besonders Iger Klein Olsen ist Kapitänin des  Luxus-Liners "Queen Victoria".
Nicht nur bei der Seefahrt, sind Frauen auf der Kommondobrücke eine Seltenheit, hier aber ganz besonders Iger Klein Olsen ist Kapitänin des Luxus-Liners "Queen Victoria". (Foto: dpa)

Von Mandy Kunstmann

Von Mandy KunstmannBerlin Berlin - Wieder einmal sorgt sie für Furore: die Frauenquote. Als „ziemlichen Skandal“ bezeichnete Bundeskanzlerin Angela Merkel den minimalen Frauenanteil in den Unternehmen zuletzt. Zu wenig Familienfreundlichkeit warfen sie und Frauenministerin Kristina Schröder den Wirtschaftsbossen vor – verschonen sie jedoch vorerst vor der Zwangsquote. Noch genügt den beiden Frauen, dass sich die Unternehmen selbst dazu verpflichten, mehr familienfreundliche Jobmodelle zu schaffen. Doch wird das gelingen? Und sind die Unternehmen wirklich daran schuld, dass es in den Chefetagen an Frauen mangelt sind?

Frauen wollen gar keine Karriere machen, wird gelegentlich vermutet. Das weibliche Geschlecht zucke zurück vor dem echten, harten Leben, unterstellt die ehemalige taz-Chefredakteurin Bascha Mika ihren Kolleginnen. In „Die Feigheit der Frauen. Rollenfallen und Geiselmentalität. Eine Streitschrift wider Selbstbetrug attestiert sie den Frauen, sie seien zu weich, zu wenig ehrgeizig und fordert sie gleichzeitig auf, ihre Ansprüche selbstbewusster zu vertreten.

Die Praxis sieht freilich etwas anders aus. Auch Frauen wollen sich heute beruflich verwirklichen. „Jede dritte oder vierte Studentin hat mit Familie nichts am Hut“, sagt Jan Bohlken, Leiter des Profiling Instituts, das sich auf Karriere- und Studienberatung spezialisiert hat. Das liege entweder daran, dass sie schlechte Erfahrungen damit gemacht hat oder dass sie beruflich und persönlich vorankommen will. Doch selbst wenn eine Frau beruflich nach Höherem strebt, sieht sie sich einem gewaltigen Hindernis konfrontiert: „Möchte sie Karriere machen, steht sie einer gewachsenen Männerdomäne gegenüber“, so Bohlken. Und die habe ein Problem damit, sich zu öffnen.

Firmen wollen Frauen also gar nicht ans Steuer lassen? Ein Blick hinter die Kulissen zeigt, dass sie zumindest Probleme damit haben, Chefinnen hervorzubringen. „Die Unternehmen haben sich schon 2001 für mehr Frauen in Führungspositionen ausgesprochen“, erinnert sich Elke Holst, Expertin beim Deutschen Institut für Wirtschaft (DIW). Wenig habe sich seither geändert.

Laut DIW-Managerinnen‐Barometer lag der Frauenanteil 2010 in den Vorständen der Top‐200‐Unternehmen bei 3,2 Prozent, in den größten 100 sowie den DAX30‐Unternehmen sogar bei mageren 2,2 Prozent. „Das ist ein deutliches Zeichen dafür, dass freiwillige Selbstverpflichtungen wie bisher nicht reichen“, sagt Holst.

Ob nun mit oder ohne Quote: In den Betrieben werde sich in den nächsten Jahren mit Sicherheit etwas tun, heißt es: „Viele Unternehmen legen heute Wert darauf, Frauen einzustellen“, sagt Manja Malzkorn, Kundenbetreuerin bei der Karriereberatung Alma Mater. Vor allem die großen Firmen würden hier Akzente setzen und zum Beispiel spezielle Karrieretage für Frauen veranstalten.

In manchen Firmen gelangen Frauen bereits jetzt leichter an die Spitze. „Überall dort, wo man Zahlen beobachten kann wie im Vertrieb oder der Unternehmensberatung haben es Frauen einfacher, Karriere zu machen“, sagt Ute Blindert, Geschäftsführerin des Webportals Zukx, das Frauen auf ihrem beruflichen Weg nach oben unterstützt. Zahlen ließen sich eben nicht wegdiskutieren. „Allmählich begreifen die Unternehmen, dass sie sich Frauen nicht versperren dürfen“, beobachtet auch Sozio-Ökonom Bohlken. Angesichts des Problems, geeignete Nachwuchskräfte zu finden, sei das auch unumgänglich geworden.

Verstärkt auf weibliches Personal zu setzen, bedeutet also dem Fachkräftemangel vorzubeugen. Unternehmen profitieren jedoch noch auf andere Weise. Eine Studie des Bundesfamilienministeriums und der Bertelsmann Stiftung aus dem Jahr 2006 zeigt, dass Mütter mit Führungsverantwortung über wichtige Kompetenzen verfügen, um die Produktivität von Unternehmen zu steigern. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Firmen eine flexible Arbeitsorganisation und ein familienfreundliches Klima fördern – und, dass die Frauen nicht in die Falle tappen, sich an ihre männlichen Kollegen anpassen zu wollen. „Frauen versuchen häufig, sich durch dominantes Auftreten in der Männerwelt Gehör zu verschaffen“, sagt Karriereexperte Bohlken. Damit würden sie aber ihren weiblichen Charme verlieren und sämtliche Vorteile, die ihnen ihre weibliche Rolle verschaffe wie die weibliche Intuition, ein geschickter Verhandlungsstil und Feinfühligkeit.“

Info

Das Karrieremagazin Business Ladys stellt interessante Frauen aus verschiedenen Bereichen vor, berichtet über Aufstiegsmöglichkeiten in Unternehmen und zeigt, was Berufseinsteigerinnen bei ihrer Karriereplanung beachten sollten. Die Zeitschrift wird gratis an Universitäten und auf Jobmessen verteilt. Auch das Webportal www.zukx.de unterstützt Frauen auf ihrem Weg nach oben.

(Erschienen: 12.02.2011 00:00)

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