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Expertin: Gestaltung offener Wohnräume hat Grenzen

Köln / dpa Die Badewanne steht im Schlafzimmer oder die Kochinsel direkt am Wohnzimmer: Einrichtungsexperten predigen seit langem die Entgrenzung des Wohnraumes. Doch der Traum vom offenen Wohnen hat seine Grenzen, sagte Trendanalystin Ursula Geismann.

Beim offenen Wohnen sollen Funktionsbereiche Zimmerwände sprengen, wenn nicht gar fast ganz auf Innenwände verzichtet wird. Man sollte es damit aber nicht übertreiben. Ursula Geismann, Trendanalystin des Verbandes der Deutschen Möbelindustrie, sagte auf der Internationalen Möbelmesse IMM Cologne in Köln (16. bis 22. Januar): "Die Menschen brauchen einen Rückzugsraum, und das ist ein bisschen das Problem bei diesen offenen Gestaltungen. Man findet gar nichts mehr, wo man mal die Ruhe vor allen anderen hat", erklärte sie.

Der Raum fürs Alleinsein werde auch immer wichtiger, betonte Geismann. "Weil der Alltagsstress für viele immer heftiger wird. Jetzt haben wir so wenig Arbeitslose wie selten, darüber freuen wir uns. Aber das bedeutet auch, dass wir ganz schön im Rad laufen." Einrichtungsexperten empfehlen daher, sich etwa Zen- und Meditationsräume oder Lesezimmer einzurichten - mit einer Tür zum Zumachen. "Damit es mal ganz ruhig ist", sagte Geismann.

Die Entgrenzung des Wohnraums hat aber auch praktische Grenzen: "Gerade die Verschmelzung des Badezimmers mit dem Schlafzimmer wird sich nicht so durchsetzen, wie wir das anfangs vermutet haben - weil die Menschen nicht morgens ihrem Partner beim Duschen zuschauen wollen." Ein familientaugliches Zweitbad, gerade wenn Kinder im Haus sind, könnten sich viele jedoch nicht leisten. "Das ist ein Traum der Designer und der Gestalter, dafür hat aber kaum einer Geld."

Auch baulich gehe vieles schlichtweg nicht: Zwar seien in Neubauten Wohnräume gut offen oder mit vielen breiten Durchgängen realisierbar. Aber im Altbau? "Die Kettensäge nehmen und Wände einreißen", sagt Geismann und lacht. In Mietwohnungen ist das aber aber keine gute Idee - denn die meisten Vermieter dürften das nicht so lustig finden.

Webseite der IMM Cologne

(Erschienen: 18.01.2012 11:22)

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