Theaterwelt
Fazil Say bringt Istanbul nach Dortmund
Zur Uraufführung am kommenden Samstag wird das WDR-Sinfonieorchester Köln unter der Leitung von Howard Griffiths die "Istanbul-Sinfonie" im Rahmen der Kulturhauptstadt Ruhr.2010 spielen.
Das nahezu 50-minütige Auftragswerk des Konzerthauses und des WDR ist mit 110 Musikern groß besetzt und verspricht Ohrwurmqualitäten. Fazil Say, Pianist und Komponist, gefragter Klassik-Interpret, genialer Improvisator zwischen Klassik und Jazz und Grenzgänger zwischen Orient und Okzident, ist geradezu eine Idealbesetzung für das Konzept der Kulturhauptstädte 2010: Denn Say wurde in der Türkei geboren, studierte in Düsseldorf und Berlin, lebte dann ein paar Jahre in New York und seit sieben Jahren wieder in Istanbul, neben dem Ruhrgebiet und dem ungarischen Pécs der dritten Europäischen Kulturhauptstadt dieses Jahres.
Im Ruhrgebiet kennt sich der umtriebige Musiker schon dank seiner Studienzeit in Düsseldorf bestens aus. Und seit vier Jahren ist das Dortmunder Konzerthaus ein wichtiger Dreh- und Angelpunkt seines Schaffens. Denn der Konzerthaus-Intendant Benedikt Stampa wurde auf den Allrounder Fazil Say aufmerksam, als dieser noch als Geheimtipp galt, und lud ihn als Exklusivkünstler ein.
Zum Abschluss seiner vierjährigen Dortmunder Residenz findet in diesen Tagen im Rahmen von Ruhr.2010 unter dem Titel "Zeitinsel Fazil Say" eine umfassende Retrospektive seines Schaffens statt. Dabei ist Say als Pianist, Kammermusiker, Improvisator, Jazzer und eben nicht zuletzt auch als Komponist zu erleben. Neben der Uraufführung seines ersten Streichquartetts bildet die ausverkaufte Uraufführung seiner "Istanbul-Sinfonie" den Höhepunkt der Werkschau.
Der bekennende Bauch-Musiker Fazil Say komponiert nicht für den kleinen Zirkel der "Neue Musik"-Puristen und experimentiert ungern mit Avantgarde-Strukturen und atonalen Klängen. Vielmehr schöpft er aus dem reichen Fundus der spätromantischen Tonsprache und würzt das Ganze mit orientalischen Klangfarben und Rhythmen. Im Orchester werden daher auch Musiker aus der Türkei sitzen, um die Klangvorstellungen aus der türkischen Volksmusik möglichst authentisch umsetzen zu können.
In sieben Sätzen hat Say klangliche Tableaus gezeichnet, die verschiedene Aspekte der Millionenstadt Istanbul schildern. Die "Istanbul-Sinfonie" ist damit also Programmmusik im klassischen Sinn. Man sieht es an den Satzbezeichnungen: Der erste Satz zum Beispiel heißt "Nostalgia" und fängt romantisch an. Der dritte Satz schildert die "Blaue Moschee" und ihre schöne Architektur. "Oder auch der fünfte Satz: Er beschreibt den Hauptbahnhof im asiatischen Teil von Istanbul, von wo aus alle Züge in den Orient, nach Ankara, Anatolien und in den Nahen Osten gehen", erklärt Say.
Fazil Say kennt keine Scheu vor der großen, und wie er selbst zugibt, eigentlich altmodischen Form der Symphonie und gibt sich erfrischend unbefangen: "Ich würde sagen, die Symphonieform ist wieder frei geworden."
(Erschienen: 11.03.2010 15:10)
Zur Uraufführung am kommenden Samstag wird das WDR-Sinfonieorchester Köln unter der Leitung von Howard Griffiths die "Istanbul-Sinfonie" im Rahmen der Kulturhauptstadt Ruhr.2010 spielen.
Das nahezu 50-minütige Auftragswerk des Konzerthauses und des WDR ist mit 110 Musikern groß besetzt und verspricht Ohrwurmqualitäten. Fazil Say, Pianist und Komponist, gefragter Klassik-Interpret, genialer Improvisator zwischen Klassik und Jazz und Grenzgänger zwischen Orient und Okzident, ist geradezu eine Idealbesetzung für das Konzept der Kulturhauptstädte 2010: Denn Say wurde in der Türkei geboren, studierte in Düsseldorf und Berlin, lebte dann ein paar Jahre in New York und seit sieben Jahren wieder in Istanbul, neben dem Ruhrgebiet und dem ungarischen Pécs der dritten Europäischen Kulturhauptstadt dieses Jahres.
Im Ruhrgebiet kennt sich der umtriebige Musiker schon dank seiner Studienzeit in Düsseldorf bestens aus. Und seit vier Jahren ist das Dortmunder Konzerthaus ein wichtiger Dreh- und Angelpunkt seines Schaffens. Denn der Konzerthaus-Intendant Benedikt Stampa wurde auf den Allrounder Fazil Say aufmerksam, als dieser noch als Geheimtipp galt, und lud ihn als Exklusivkünstler ein.
Zum Abschluss seiner vierjährigen Dortmunder Residenz findet in diesen Tagen im Rahmen von Ruhr.2010 unter dem Titel "Zeitinsel Fazil Say" eine umfassende Retrospektive seines Schaffens statt. Dabei ist Say als Pianist, Kammermusiker, Improvisator, Jazzer und eben nicht zuletzt auch als Komponist zu erleben. Neben der Uraufführung seines ersten Streichquartetts bildet die ausverkaufte Uraufführung seiner "Istanbul-Sinfonie" den Höhepunkt der Werkschau.
Der bekennende Bauch-Musiker Fazil Say komponiert nicht für den kleinen Zirkel der "Neue Musik"-Puristen und experimentiert ungern mit Avantgarde-Strukturen und atonalen Klängen. Vielmehr schöpft er aus dem reichen Fundus der spätromantischen Tonsprache und würzt das Ganze mit orientalischen Klangfarben und Rhythmen. Im Orchester werden daher auch Musiker aus der Türkei sitzen, um die Klangvorstellungen aus der türkischen Volksmusik möglichst authentisch umsetzen zu können.
In sieben Sätzen hat Say klangliche Tableaus gezeichnet, die verschiedene Aspekte der Millionenstadt Istanbul schildern. Die "Istanbul-Sinfonie" ist damit also Programmmusik im klassischen Sinn. Man sieht es an den Satzbezeichnungen: Der erste Satz zum Beispiel heißt "Nostalgia" und fängt romantisch an. Der dritte Satz schildert die "Blaue Moschee" und ihre schöne Architektur. "Oder auch der fünfte Satz: Er beschreibt den Hauptbahnhof im asiatischen Teil von Istanbul, von wo aus alle Züge in den Orient, nach Ankara, Anatolien und in den Nahen Osten gehen", erklärt Say.
Fazil Say kennt keine Scheu vor der großen, und wie er selbst zugibt, eigentlich altmodischen Form der Symphonie und gibt sich erfrischend unbefangen: "Ich würde sagen, die Symphonieform ist wieder frei geworden."
(Erschienen: 11.03.2010 15:10)
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