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"Fair-Kauf" ist eine umfassende Idee

MENGEN - Ein bisschen ist es ein Traum von Michael Femmer gewesen: Gut erhaltene Möbel vor dem Sperrmüll zu bewahren und sie statt dessen Menschen anzubieten, die Gebrauchtes zu schätzen wissen. Und manchmal auch dringend benötigen. Mit dem jetzt eröffneten Fair-Kaufhaus hat so eine Idee Gestalt angenommen.

Die Rechnung scheint auf den ersten Blick einfach zu sein: Erst muss die Miete eingespielt sein, um für ein Jahr in der Rosenstraße 18 Platz nehmen zu dürften, dort, wo ehemals Schanz untergebracht war. Wenn das gelungen ist, dann muss das Fair-Kauf-Haus sich selber tragen - trotz günstiger Preise für gut Erhaltenes.

Grundstein gelegt

Der erste Teil des Traumes, den nicht nur Femmer, sondern Mitglieder des ökumenischen Sozialforums hatten, ist jetzt wahr geworden: Eine erste Verkaufsaktion gebrauchter Möbel im November im Bürgerhaus Ennetach hatte den Grundstock gelegt, um Ende vergangener Woche die ersten Besucher in das Fair-Kauf-Haus nach Mengen einzuladen.

"Es können alle kommen und etwas erwerben - auch ohne Berechtigungsschein", betont Femmer. Eine wichtige Aussage, denn je bunter die Kundschaft, desto mehr Leben kommt in die Rosenstraße, spricht sich das Angebot herum.

Dass vieles, das noch anstandslos seinen Zweck erfüllt, vor die Tür gesetzt wird, ist Femmer schon seit langem aufgefallen. Aber muss es auf dem Müll landen, wenn andere diese Dinge dringend brauchen - und oftmals aber nicht das nötige" Kleingeld" lockermachen können? "Es geht für die Leute, die bedürftig sind, fair zu, indem sie mit wenig Mitteln sich etwas anschaffen können", sagt Femmer. Menschen, die bei Null anfangen und sich eine ganze Wohnung mit Gebrauchtem einrichten müssen, hat immer wieder getroffen.

So viel hat Femmer in den vergangenen Wochen teilweise selbst mit seinem kleinen roten Pic-Up zusammengetragen, dass längst nicht alles ausgestellt werden kann: Möbel, Küchen, Videos, CDs und Schallplatten, Geschirr, Haushaltswaren, Bilder, Spielzeug und Geschenkartikel warten auf neue Besitzer - oder sind auf Abruf abholbereit. Denn das Fair-Kauf-Haus soll mehr sein als nur ein Platz, wo Dinge ihren Besitzer tauschen. Es ist vielmehr eine umfassende Idee, die dahinter steht, eine Idee, die bis zur Mithilfe bei Haushaltsauflösung, bei Transporten, beim Winterdienst oder der Pflege des Gartens reichen soll.

Femmer hat in Mengen Menschen gefunden, die all dies können, nach langer Arbeitslosigkeit aber scheinbar nicht mehr gefragt waren. Ehrenamtlich helfen sie jetzt, das Fair-Kauf-Haus zweimal in der Woche geöffnet zu halten. Drei Frauen arbeiten intensiv mit, ebenso drei Männer. "Das wird sich in kurzer Zeit rumsprechen, da werden sicherlich noch weitere dazukommen", ist sich Femmer sicher.

"Riesen Bedarf"

Kontinuität ist wichtig. Femmer wünscht sich, dass Besucher kommen und gehen, manchmal einfach nur schauen, auch Wünsche äußern, um die sich das Team kümmern kann. Nicht alles muss über den Laden laufen, zum Beispiel, wenn jemand eine gebrauchte Küche benötigt, und die woanders abgebaut werden muss.

6500 Euro Fixkosten hat das Fair-Kauf-Haus im Jahr. Die müssen erwirtschaftet sein. Die November-Aktion in Ennetach hatte ein Drittel dieser Summe eingebracht, der Grundstock ist damit gelegt. "Es ist ein riesen Bedarf da", lautet Femmers Fazit. Genauso riesig sei jedoch "der ungebrochene Spendenwille von Leuten, die uns diese Sachen zur Verfügung stellen". Mit dem Fair-Kauf-Haus sei jetzt eine dritte Säule in Mengen entstanden: der altbewährte Diakonieladen mit Angeboten an Kleidern, als zweites das Fair-Kauf-Haus, und als drittes das "Martinslädle", der Tafelladen der Kolpingfamilie, der am 4. Februar eröffnet werden soll. "Damit sind wir in Mengen sehr gut aufgestellt", zieht Femmer Bilanz.

 
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