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Ingo Appelt steht den Männern bei

ULM köd Freitagabend in Ulm und Neu-Ulm: Im Roxy tritt Ingo Appelt mit seinem Programm "Männer muss man schlagen" auf, im KCC gibt es "Unter uns ... Männern", im Neu-Ulmer AuGus-Theater sprechen und spielen drei Schauspielerinnen "Über Männer". Männer sind das Thema schlechthin.

Ist es ein Imageproblem, das Männer zum Inhalt unterschiedlichster Abendunterhaltung macht, sind sie es selbst, die mit sich ein Problem haben? Oder liegt es an der immer noch unbeantworteten Frage, warum (angeblich) Männer nicht zuhören und Frauen nicht einparken können?

Die Antworten können mindestens so vielschichtig sein wie das Thema, doch für den Comedian Ingo Appelt sind sie banal einfach: Früher konnte der Mann die Frau an den Haaren in die Höhle ziehen, heute soll er helfen, die Küche aufzuräumen.

Da ernennt sich Ingo Appelt zum "Retter der Nation", der all den Männern beistehen will, die nicht einmal mehr zu Hause renovieren dürfen, denn selbst das übernimmt ja inzwischen eine Frau - Tine Wittler. Die männlichen Leitfiguren, die alten Haudegen - Ingo Appelt suchte sie vergebens, einen Schuldigen dafür aber hat er ausgemacht: Es ist die Frau an sich.

Für seine Erklärungen greift der 41-Jährige, der sich im Roxy mit großen Gesten feiern lässt, tief in die Schmuddelkiste der Zoten. Ob unterm Rock von Angela Merkel, im Männer-slip, dem "Guantanamo für den besten Freund" oder vor allem auf den Toiletten- Ingo Appelt wittert die weibliche Verschwörung, die Mann für überflüssig erklärt. Dass er ein guter Stimmenimitator ist, das kommt immer wieder auch durch, ansonsten aber ist er sich für keine Plattitüde, für keinen noch so ordinären Stammtischwitz zu schade.

Natürlich sind auch Frauen schuld daran, dass Mann im Fußballstadion nicht mehr in die Ecke pinkeln darf, weil es inzwischen dort viel zu sauber ist, sie sind schuld am Niedergang von Formel eins und Tour de France. Und auch wenn Ingo Appelt seine Vision des Laubsaugereinsatzes auf dem Klo ausbreitet - volles Rohr, zotiger geht´s nimmer - johlt der größte Teil seines Publikums, männlich wie weiblich. Alle Klischees zu bedienen, fern von jeder Kunst der Anspielung, fern jeder Politsatire, auch das findet eben ein Publikum und kann Erfolg haben.

Man kann eben über alles reden, meint Ingo Appelt - nur nicht mit jedem. Außerdem wissen die Roxy-Besucher nach dem Abend auch, warum Frauen kleine Männer bevorzugen: Die müssten sie nicht erst klein machen, behauptet Appelt.

Jede Menge Kollegenschelte

Dass er im zweiten Teil des Abends jede Menge Kollegenschelte betreibt und sich namentlich über die körperlichen Mängel und die geringe Körpergröße anderer Comedians auslässt, spricht nicht unbedingt für seine Überlegenheit. Hat er es nötig, andere klein zu machen, um selbst größer zu sein? Wen es interessiert, warum Ingo Appelt beim Sex ein Bild von Angela Merkel betrachtet, der möge ihm zuhören. Ansonsten mag sich der Comedian mit dem "multifunktionellen Männer-Gerät Laubsauger" vergnügen - aber ein wenig mehr Niveau stünde seinem Programm nicht schlecht an.