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Heiter 16
Ravensburg

Trommler tanzen bis zum Morgen

RAVENSBURG/WEINGARTEN - Auf der Bühne des Kultur- und Kongresszentrums in Weingarten stehen gleich drei Mehlsäcke, jeder üppig geschmückt mit rosafarbenen Gladiolen, Schleierkraut und blauen Lobelien. Was der Opernball für Wien, ist der Trommlerball für Ravensburg. Und es stört niemand, dass er in Weingarten stattfindet.

Seit Monaten üben die Trommler nicht nur das Trommeln, sondern auch das Tanzen und würdige Schreiten für einen der Höhepunkte des an Höhepunkten so reichen Rutenfests: für den Trommlerball. Und die Trommler-Bräute überlegen, ebenfalls seit Monaten, welches Kleid sie tragen, was sie mit ihren Haaren machen, wie sie sich schminken und ob die Perlenkette von Muttern das Dekolleté schmücken soll oder nicht.

Feierlich und ausführlich eröffneten die Trommler den Abend. Staunend erfuhren Nichteingeweihte auf Nachfrage bei freundlichen Tischnachbarn, dass Trommler nicht gleich Trommler ist. So wird das Trommlercorps angeführt von einem Tambourmajor, einem Rutenhauptmann und einem Adjutant - in diesem Jahr von Markus Gerster, Christoph Schlegel und Nikolai Ströbele. Sie tragen grüne Samtkappen und hellgrüne Schärpen, zwei haben Degen, die sie ziehen, zum Körper führen, küssen und wieder einstecken. Die vier mit den hellroten Samtkappen sind Vortrommler, die sechzehn Jungtrommler tragen Kappen von einem satten Rot, dann gibt's noch zwölf Chargen mit blauen Kappen, und drei Zugführer mit roten Kappen und roten Fliegen. Und alle tragen weiße Handschuhe, den ganzen Abend lang.

Schützenvater eröffnet den Ball

Schützenvater Franz-Josef Teufel eröffnete den Trommlerball mit Angelika Vogler-Rieger, der Gattin des Oberbürgermeisters. Nachdem sie den Walzer getanzt hatten, füllte sich auch schon die Tanzfläche mit Tanzwilligen. Mal waren die Trommler dran, mal die Angehörigen, Sympathisanten und Ehemaligen. Die Polonaise wurde angeführt von den drei Oberchargen mit ihren grünen Kappen. Pailletten glitzerten, Perlenketten schimmerten, Haare waren kunstvoll hochgesteckt und verziert. Blumensträuße wurden verteilt, auch Schützenvater Teufel bekam einen blauweißen Ruten-Strauß. Nelken steckten im Hosenbund der jungen Männer, einige waren rot, einige rosa.

Dann zogen sie wieder ab, die Trommler und ihre Damen. Und die Tanzfläche war erneut frei fürs Publikum. Es gab Paare, die keinen Tanz ausließen, und Paare, die zögerten und zauderten, bis sie den Weg schließlich doch noch zur Tanzfläche fanden. Der weiße Haarschopf von Rolf Engler war zu sehen, Oberbürgermeister Hermann Vogler tanzte mit seiner Frau, Landrat Kurt Widmaier drehte sich mit seiner Gattin, und auch Dr. Andreas Schockenhoff gab sich die Ehre. Eine Hochschwangere tanzte, blieb stehen, griff sich an den Bauch und kehrte zum Tisch zurück, offensichtlich tanzte auch das Kind in ihrem Bauch.

Publikum klatscht gut gelaunt mit

Traversez! En avant! Moulin! Nun waren wieder die Trommler dran und ihre Bräute, Zeremonienmeisterin Deswemeer gab Anweisungen: Es wurde geknickst und verbeugt, mal nach rechts, mal nach links genickt, das Lächeln war halb freiwillig, halb in den Mundwinkeln festgeklemmt. Das zahlreiche Publikum klatschte gut gelaunt den Rhythmus mit. Am Nachbartisch spachtelten junge Männer, Erinnerungsfotos wurden gemacht mit Kameras und Handys, und dann rückten die Ehemaligen mit ihren Trommeln an. Und wieder wurde getanzt. Am Trommlerball wird durchgetanzt, bis zum Morgen, auch das ist Tradition.