Schwäbische.de - Nachrichten aus Ihrer Region

Schwäbische.de
Heiter 11
Ravensburg

Jubel für Stockhausens „Michaels Reise“ in Wien

Wien dpa Er schwebt zu sphärische Klängen durch den Raum, spielt - kopfüber oder auf dem Rücken liegend - atemberaubende Glissandi, die an einen Dizzy Gillespie oder Miles Davis erinnern.

Doch nicht nur die Leistungen des Trompeters Marco Blaauw, Hauptdarsteller in Karl-Heinz Stockhausens „Michaels Reise um die Erde“, begeisterten am Montagabend in Wien. Der zweite Akt aus „Donnerstag“ - Teil von Stockhausens Monumentalwerk „Licht“ - fand im Rahmen der Wiener Festwochen 2008 den ungeteilten Beifall des Premierenpublikums im Wiener Jugendstiltheater.

Es war die erste Aufführung des Werks seit dem Tod des Komponisten im Dezember 2007. Wiens Festspieldirektor Luc Bondy und sein Musikdirektor Stéphane Lissner hatten das knapp 90-minütige Instrumentalwerk zusammen mit Opern von Wolfgang Rihm und Hans-Werner Henze für das Programm 2008 gewählt, um vom bisherigen „Belcanto-Image“ (so Bondy) der Festwochen-Opern wegzukommen. Und mit der Premiere von „Michaels Reise“ in der Regie des Spaniers Carlus Padrissa ist ihm das durchaus gelungen.

„Michaels Reise um die Erde“ ist der rein instrumentale Teil aus der Oper „Donnerstag“ und nur ein vergleichsweise kleiner Teil von Stockhausens über einen Zeitraum von 26 Jahren entstandenen monumentalen Opernzyklus „Licht - Die sieben Tage der Woche“. In diesem kosmischen Welttheater tritt (der Erzengel) Michael (Tenorstimme oder Trompete) als Mensch gewordene Inkarnation auf, um die Menschheit zu Gott zu führen. Die Reise durch das Universum führt Michael in der Inszenierung von Carlus Padrissa durch einen weitgehend abgedunkelten Raum, in dem der Trompeter im Astronautenanzug in einen Tragekorb geschnallt, sieben verschiedene Stationen durchreist, bis er sich schließlich musikalisch mit Eva, der Kraft der Liebe, vereint.

Bühnenbildner Roland Olbeter lässt Michael mit Hilfe des Videokünstlers Franc Aleu durch einen Raum gleiten, in dem die Orte der Handlung (Wien, New York, Bali, Indien, Afrika und schließlich Jerusalem) auf den transparenten Vorhang oder in eine riesige Satellitenschüssel projiziert werden. Die übrigen Solisten, neben Marcus Blaauw Nicola Jürgensen (Eva/Bassetthorn) sowie Carl Rosman und Fie Schouten (Schwalbenpärchen/Klarinetten und Bassetthorn) bleiben auf einer Bühne, auf dem das Orchester der Musikfabrik auf mehrere Gruppen verteilt sind. Regisseur Carlus Padrissa lässt dabei die Musiker im Rahmen des physisch möglichen auch schauspielerisch agieren, um die begrenzte Handlung für den Zuschauer und Hörer zu verdeutlichen.

Doch das ist angesichts der ständig wechselnden Bilder und spannungsreichen Klangbilder der Musik Stockhausens kaum nötig. Am Ende gab es begeisterten und langanhaltenden Applaus und zahlreiche Bravo-Rufe für die vorzüglichen Solisten sowie das Orchester unter der präzisen Leitung von Peter Rundel. „Michaels Reise um die Erde“ wird bei den Wiener Festwochen noch dreimal zu sehen sein. Im August steht das Stück, das die Wiener Taschenoper in Kooperation mit Kölnmusik und der MusikFabrik produzierte, auch in Köln und im Oktober bei den „Tagen der Zeitgenössischen Musik“ auch in Hellerau (Dresden) auf dem Programm.