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Kerouacs „Beat Generation“ auf die Bühne gebracht

Köln dpa Jack Kerouac wurde mit seinem 1957 erschienen Roman „On the Road“ zum bekanntesten literarischen Vertreter der „Beat Generation“. Im gleichen Jahr soll er auch ein Stück geschrieben haben.

Vor zwei Jahren wurde auf einem Speicher zufällig das Manuskript zu „Beat Generation“ gefunden, behauptet das Schauspiel Köln ­ und hat die Uraufführung übernommen. Der Name Kerouac zieht noch immer: die Schlosserei, die Studiobühne des Kölner Schauspiels, war am Freitagabend überfüllt. Das Ensemble konnte langen, begeisterten Beifall verbuchen.

„Beat Generation“ spiegelt einen Tagesablauf: Der erste Akt spielt beim Frühstück, der zweite anschließend auf einer Pferderennbahn und der dritte abends: ein Bischof (urkomisch: Martin Reinke) kommt zu Besuch. Im Mittelpunkt steht die „Beat Generation“, vor allem junge Männer.

Alle sind ein wenig verrückt. Am sichtbarsten wird das im zweiten Akt. Milo hat ein Wettsystem, das er für todsicher hält ­ niemand kann es verstehen, weder auf der Bühne noch im Zuschauerraum, es klingt wirr. Er hofft, ein Vermögen zu gewinnen, obwohl er schon 5 000 Dollar verzockt hat. Er ist unbelehrbar.

Der Text wirkt hingehauen, unlesbar, unspielbar. Deshalb merkt Übersetzer Andreas Marber, selbst ein profilierter Dramatiker, an: „Aus dem Unamerikanischen ins Undeutsche gebracht.“ Für eine solche Vorlage braucht die Bühne einen Spezialisten, der mit Jürgen Kruse gefunden wurde, ein Theaterregisseur, der gern viel Musik einsetzt. Ihm kommt es wie dem Autor, dem Übersetzer und der „Beat Generation“ vor allem auf Spaß an. Kruse spannt einen zeitlichen Bogen von den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts bis heute. Das Ensemble hat sichtlich Freude am Spiel.

Doch der Spaß wirkt zu lang und ermüdet. Die „Beat Generation“ zeichnet Kerouac zutreffend mit ihrer Lust an einem unentfremdeten Leben, mit ihrer energischen Abwendung von allem Spießertum. Gleichzeitig werden Gefährdungen des schrankenlosen Egoismus deutlich, dem die jungen Männer und Frauen leben. Doch die ausgeprägte Freiheitsliebe hatte auch starke Seiten:

Die „Beat Generation“ war gegen jede Disziplin, folglich auch gegen alles Soldatische. Einige der alten Lieder, die die Uraufführung fast wie ein Soundtrack begleiten, evozieren immer wieder das Pazifistische der „Beat Generation“. Angesichts der Kriege in Nahost gewinnt diese Erinnerung eine politische Dimension. Auch, wenn das Stück unübersehbare Schwächen hat, seine Uraufführung in Köln entbindet doch eine überraschend subversive Kraft.