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Marc Rothemund dreht„Pornorama“ in München

München dpa Es ist ein kühler Herbstabend. Leicht bekleidet stehen Schauspieler und Komparsen stundenlang auf einer Mauer, trotz der ungemütlichen Temperaturen protestieren sie unbeirrt für die Kamera, wenn Regisseur Marc Rothemund es von ihnen verlangt.

Immer wieder lässt der 2006 für einen Oscar nominierte deutsche Filmemacher („Sophie Scholl - Die letzten Tage“) diese eine Szene drehen. „Pornorama oder die Bekenntnisse der mannstollen Näherin Rita Brauchts“ heißt Rothemunds neues Werk, das im kommenden Jahr in die Kinos kommen soll. Eine Zeitreise in das München Ende der 60er Jahre soll der Film werden, bei dem ein Polizeianwärter auf Drängen seines lebenslustigen großen Bruders die Regie bei einem Aufklärungsfilm übernimmt und dabei mit seinen Pflichten als zukünftiger Staatsdiener in Konflikt gerät.

Wer bei „Pornorama“ nur an seichte Sexfilmchen denkt, wird eines Besseren belehrt. Der etwas provokante Titel solle nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich um eine romantische Komödie handele, stellt Constantin Film vorsichtshalber klar. Dennoch steht der Aufklärungsfilmer Oswalt Kolle mit Werken wie „Deine Frau - das unbekannte Wesen“ Pate für den Film. Auch den Münchner Filmklassiker „Zur Sache Schätzchen“ mit Uschi Glas von 1967 haben sich Rothemund und sein Team als Vorbild genommen.

Tom Schilling („Napola“) spielt den 20-jährigen Bennie aus dem verschlafenen Stadtteil Ramersdorf, der für die Polizei undercover bei einer Studentendemonstration filmen soll. Dabei verliebt er sich in die hübsche, aber misstrauische Studentin Luzie (Karoline Herfurth - „Das Parfum“). Wenig später gibt Bennie dem Drängen seines Bruders Freddie (Benno Fürmann - „Die Sturmflut“) nach und lässt sich als Regisseur eines Low-Budget-Films verpflichten. Von da an nimmt das Chaos seinen Lauf - mit unfähigen Schauspielern, technischen Tücken und Sprachproblemen. Als Luzie Bennie als Polizist enttarnt, scheint alles aus.

Auch Herfurth ist an diesem Tag kurz vor Ende der Dreharbeiten eines der Mädchen, die im 60er-Jahre-Mini in der Kälte bibbern. In den kurzen Drehpausen hüllen sich Komparsen und Schauspieler in Decken und Mäntel bevor die nächste Klappe fällt. „Jetzt geht keiner mehr weg!“ schallt Rothemunds Stimme über den kargen Hinterhof eines alten Fabrikgebäudes - im Film das Polizeipräsidium, in dem die Polizeianwärter vereidigt werden. Der einzige, dem an diesem Abend warm sein dürfte, ist Tom Schilling. Immer wieder muss er auf die rund zwei Meter hohe Mauer zulaufen und sich zu den wartenden Studenten hochziehen, die die Zeremonie mit lautstarken Schimpftiraden begleiten.

Trotz der kühlen Witterung ist Herfurth begeistert von ihrer Arbeit. „Für uns alle ist dieser Dreh sehr intensiv“, sagt die 22-Jährige, die unlängst als Mirabellenmädchen in Tom Tykwers Verfilmung des Süskind-Bestsellers „Das Parfum“ für Aufsehen sorgte. „Marc ist halt ein Tier, er ist laut, er hat eine Wahnsinnspower.“

Auch Schauspielkollege Fürmann schätzt die Arbeit mit Rothemund. „Ich glaube, wir sind auf einem guten Weg, dieses spießige, farblose Vorstadtgefühl der damaligen Zeit mit einer Abfolge von Skurrilitäten zu füllen“, sagt er. „Mir macht es unheimlich Spaß.“ Noch heute profitierten die Menschen von der Revolte der 68er. „Das war eine Vehemenz, mit der die jungen Knospen damals durch die alte Kruste geknallt sind.“ Dennoch ist der 34-Jährige froh, in der heutigen Zeit zu leben und nach dem Dreh in München nach Berlin zu seiner Familie zurückzukehren. „Ich hasse diese Klamotten. Ich finde das alles sehr, sehr bieder und diesen Zeitgeist sehr schal.“