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Käse Caduff zieht aufs Berner Feld

ROTTWEIL --Für Gunther Caduff sind die Lagerräume im Hinterprediger zu eng geworden, eine Erweiterung ist für ihn nicht mehr denkbar. Der Käsegroßhändler baut im 75. Jahr des Firmenbestehens auf dem Berner Feld.

Von unserer Redakteurin Elke Reichenbach

Gunther Caduff blickt mit Optimismus in die Zukunft. Seitdem der gelernte Großhandelskaufmann 1970 das elterliche Geschäft übernahm, ging es stetig bergauf. Aus dem Ein-Mann-Großhandel, der vor allem Einzelhändler im Umkreis belieferte, hat sich ein bedeutender Großhandel für Käse- und Molkereiprodukte entwickelt, der ganz Baden-Württemberg mit einem Schwerpunkt in Südbaden abdeckt. Inzwischen ist auch Caduffs Sohn Volkmar in die Firma miteingestiegen.

Zu Caduffs Kunden zählen nicht nur viele Metzgereien, die ihren Käufern neben der Wurst auch den Käse in die Tüte packen, spezialisiert hat sich Caduff seit Beginn der 80-er Jahre auf die Belieferung von Kur- und Rehakliniken und Krankenhäusern. Große Hotels vor allem im Schwarzwald finden sich ebenfalls in seiner Kundenkartei.

Parallel zu dieser Entwicklung des Geschäfts wurden die Verwaltungsräume und das Kühllager in der Durschstraße gebaut, eine erster Bauabschnitt 1980, ein Anbau 1990. "Damit", erläuterte OB Dr. Michael Arnold gestern in einem Pressegespräch, "dachte man, sei das Probelem gelöst." Das habe sich aber als Fehleinschätzung erwiesen. Doch nicht nur die unzureichende Größe der Lagergebäude bestärkte Caduffs Entschluss, neu zu bauen. Probleme mit den Anwohner, die sich durch die an- und abfahrenden Lastwagen, die auch nachts beladen werden müssen, gestört fühlen, kamen dazu.

Leicht seien die Verhandlungen nicht gewesen, das machte Arnold gestern deutlich. Doch die Stadt habe immer versucht, die Familie Caduff als alteingesessene Rottweiler Firma am Ort zu halten. Caduff selber verweist auf seine qualifizierten Mitarbeiter, die ihn letztlich dazu bewogen hätten, in Rottweil zu bleiben. Es sei heute nicht leicht, neue Mitarbeiter zu finden und nur die Hälfte der 16 Vollzeimitarbeiter des Fachhandels wären bereit gewesen, nach Emmendingen in die Nähe von Freibug zu ziehen, wo Caduff vor zwei Jahren einen Fachgroßhandel aufgekauft hat. Dort, sagte er gestern, hätte er sich noch für rund fünf Jare entwickeln können. "Das wäre zumindest eine kurzfristige Lösung gewesen."

Nun aber verdreifacht Caduff mit dem Neubau auf dem Berner Feld zwischen der Schlosserei Maier und der Firma Mikron seine Fläche. Rund 12 000 Quadratmeter werden Lagerräume mit Garagen für die Lastwagen und Büroräume haben. 3,5 Millionen Mark gibt Caduff dafür aus, dazu addieren sich die Kosten des Grundstücks. Über deren Höhe schweigt sich Arnold aus. Das seien verhandelbare Markpreise.

Für die Gebäude im Hinterprediger wird Caduff nun einen Nachmieter suchen. Das kann durchaus wieder ein Gewerbetreibender sein, erklärt Arnold. "Im Gemeinderat haben wird darüber diskutiert, ob ein gemischtes Gewerbegebiet noch zeitgemäß ist." Zum Schutz der bestehenen Betriebe habe sich der Gemeinderat aber entschlossen, alles beim Alten zu lassen. Arnold zeigte sich gestern optimistisch, dass sich für das Gebäude neue Mieter finden lassen, die sich nicht an der Beschränkung der Nachtanlieferung stören.