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"Es war für mich wie ein Fallschirmsprung ohne Fallschirm"

FRIEDRICHSHAFEN - Die Gemeinden Berg und Jettenhausen haben seit der Pensionierung ihres Pfarrers Alfred Vögele einen neuen Prediger - Mbodo Makaya Célestin. Der charismatische Visionär will Afrika und Europa zusammenbringen und allen Menschen dieser Welt helfen.

Von unserem Mitarbeiter Alexej Knelz

Er mag die Natur und die Menschen: Pfarrer Mbodo Makaya Célestin, oder einfach nur Bodo, wie ihn viele Einheimische nennen. Der 49-jährige Kongolese hat zwölf Jahre lang in Deutschland Theologie nebst Betriebswirtschaft in Fulda und Marburg studiert. Das bischöfliche Ordinariat Rottenburg hat Bodo nach Friedrichshafen beordert. "Es war für mich wie ein Fallschirmsprung ohne Fallschirm", sagt Mbodo Makaya über seinen Auftrag. "Ich kannte Friedrichshafen nicht und wusste nicht, was auf mich zukommt". Doch die anfängliche Besorgnis war überflüssig: "Die Menschen hier haben mich mit großem Wohlwollen empfangen, mich untergebracht und mit allem versorgt", sagt Bodo dankbar. Eine Gastfreundschaft dieser Art sei nicht alltäglich und Mbodo Makaya glaubt, dass es Alfred Vögeles Verdienst sei. Sein Vorgänger habe sich sehr gut um die Gemeinde gekümmert und nach der "Weisheit des Fischers", also Jesu Christi, verfahren. Diese Weisheit ist auch seine Lebensphilosophie: "warte nicht, bis einer zu dir kommt, sondern gehe selbst auf die Menschen zu", sagt Bodo ergriffen.

Den Bedürftigen helfen

Der Kongolese will alle Menschen inspirieren, "menschlich, einfach, herzlich und echt" sein. Es spiele keine Rolle, woher der Mensch komme oder was er sei: "Einer, der nichts hat, kann alles sein", betont Bodo, "ob er weiß oder schwarz, alt oder jung, Christ oder Atheist ist." Und vor allem will er den Menschen helfen, die bedürftig sind - seinen Landsleuten. Während des Krieges von 1998 bis 2003 seien über vier Millionen Kongolesen ums Leben gekommen. Eine erschreckend hohe Ziffer, die in Europa kaum einer kenne. Das Land ist in einer wirtschaftlichen und sozialen Krise. Der Bau von Krankenhäusern, Kirchen, Schulen und vor allem beruflichen Bildungsstätten stünde an erster Stelle. Kongo habe die zehnfache Fläche der Bundesrepublik und ist reich an Bodenschätzen, "aber uns fehlen Spezialisten", berichtet der Pfarrer. Er selbst hat sich längst seinem Land verpflichtet: Im Bistum Bom im Südwesten Kongos hat er eine Krankenstation, eine Kirche und eine Schreinerei "mit Hilfe von den Freunden aus Deutschland" gebaut, wo er Jugendliche ausbildet. 40 dort ausgebildete Schreiner bauen gerade eine Brücke für die Bauern. Mit dieser könnten sie ihre Ernte in der Stadt ver kaufen und davon leben. Nach der Brücke will Bodo eine Berufsschule bauen. "Predigen ist schön, aber arbeiten ist schöner", sagt er. Doch der größte Traum des Kongolesen sei eine Bank nach dem Vorbild Friedrich Raiffeisens: "Ich bin ein Träumer. Aber Graf Ferdinand von Zeppelin war auch einer. Er hat an das geglaubt, was er tat. Und er brachte diese Region zum Aufblühen", ist Mbodo Makaya überzeugt.

Der Kongolese wird noch zwei Monate Gottesdienste in der St. Nikolaus Kirche in Berg und St. Maria in Jettenhausen halten. In dieser Zeit will er den Menschen seiner Gemeinde Afrika näher bringen: "Ich bewundere die Menschen hier", sagt Bodo, der den technischen Fortschritt mit humanistischen und geistigen Werten vereinen will. "Aber vieles Menschliche haben sie mit dem Fortschritt vergessen. Wir Afrikaner können sie wieder daran erinnern", glaubt Mbodo Makaya Célestin.}

Mbodo Makaya Célestin. Foto: ali}

Mbodo Makaya hält am Sonntag, 1. August um 8.45 Uhr in der St. Nikolaus-Kirche in Berg und um 10.15 Uhr in der St. Maria-Kirche in Jettenhausen einen Gottesdienst. Bankverbindun Patenschaftsspenden für Bodos Projekte: Mbodo Makaya, Volksbank Main-Kinzig, BLZ 50661639, Konto-Nr. 269 75 30.