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Zeppelins Tod wirkte als Weltereignis

FRIEDRICHSHAFEN - Als Ferdinand Adolf August Heinrich von Zeppelin am 8. Juli 1838 in Konstanz geboren wurde, ahnte niemand, dass er zu einem der berühmtesten Deutschen werde würde. Morgen jährt sich sein Tod zum 90.

Seine Jugend auf dem Landsitz Girsberg bei Konstanz weckte in ihm das Verständnis für die Natur und das Interesse an Wetterbeobachtung. Zuerst wurde er von Hauslehrern unterrichtet, dann besuchte er die Realschule in Stuttgart, anschließend studierte er am Stuttgarter Polytechnikum, schließlich trat er in die Ludwigsburger Kriegsschule ein, von der er im September 1858 als Leutnant zu einem Infanterieregiment kam.

Zahlreiche Reisen, die er zu militärischen Studien nutzte, führten ihn nach Österreich, Italien, Frankreich, Belgien, Großbritannien und in die Vereinigten Staaten. Dort nahm er als Beobachter am Sezessionskrieg teil und machte seinen ersten Aufstieg in einem Ballon. Bereits 1873 war Graf Zeppelin durch Heinrich von Stephans Schrift "Weltpost und Luftschiffahrt" zu den grundlegenden Gedanken für den Bau eines Luftschiffes angeregt worden. 1892 reifte in ihm der Entschluss, diese Pläne zu realisieren.

Nach mühsamen und kostspieligen Studien und Versuchen legte er 1895 einer von Kaiser Wilhelm II. eingerichteten Kommission den ersten Entwurf eines lenkbaren Luftschiffes vor. Doch seine Pläne wurden verworfen. Ein Jahr später nahm sich der Verein deutscher Ingenieure des Entwurfes an, auch dieser Versuch scheiterte.

Begeisterung war grenzenlos

Trotzdem gelang Graf Zeppelin 1899 die Gründung einer "A.-G. zur Förderung der Luftschiffahrt", am 2. Juli 1900 stieg von Manzell aus das erste Zeppelinluftschiff in den Himmel auf. Doch das war noch nicht der ersehnte Erfolg. Zahlreiche Rückschläge musste der Graf hinnehmen, bis sich seine Idee durchsetzen konnte.

Dass er schließlich zu einer Ikone des deutschen Kaisertums wurde und sein Name bis heute als Markenzeichen und Eponym von Luftschiffen gilt, konnte Zeppelin selbst weder ahnen noch war dies sein Ziel gewesen. Denn zu Beginn seines Pionierdaseins wurde er als "Narr vom Bodensee" und - laut Kaiser Wilhelm II. - als "Dümmster aller Süddeutschen" bezeichnet. Derselbe Kaiser bescheinigte ihm wenig später, der "größte Deutsche des Jahrhunderts" zu sein.

Das Unglück in Echterdingen im August 1908, bei dem der Zeppelin zerstört wurde, verhalf der Luftschiff- idee zu trauriger Berühmtheit, der Graf hatte Glück im Unglück: Es setzte eine bis dato nicht gekannte Spendenbereitschaft der Deutschen ein. Mit über sechs Millionen Mark konnte der Graf nun weitere Luftschiffideen verwirklichen und die heute noch existierende Zeppelin-Stiftung gründen.

Plötzlich war die Zeppelin-Begeisterung fast grenzenlos. Die Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner wies Zeppelin neben "den Gutenbergs, den Watts, den Marconis, den Edisons einen leuchtenden Platz an".

Die gewaltige Himmelserscheinung der Luftschiffe zeitigte sogar religiöse Begeisterung, wie man im Gedicht der Rottweiler Postsekretärswitwe Kätchen Pfitzer aus dem Jahr 1909 lesen kann:

"O Zeppelin o Zeppelin

Du großer Wundermann,

Nach Gott und Meinem Heiland

Bet ich zunächst Dich an.

Kein Kaiser, König, Fürst weltum

Kann rühmen sich solcher Tat,

Nein, Dir allein gebührt der Ruhm,

Du Mann von Gottes Gnad."

Der ehemalige Hofprediger Dr. Karl Hoffmann berichtet in den "Württembergischen Nekrologen für 1917" über die letzten Stunden des Grafen im Berliner Westsanatorium: "Eine Lungenentzündung beschloß am 8. März, um 11 Uhr vormittags, sein reiches und erfolgreiches Erdenleben in einem Alter von genau 78 Jahren und 8 Monaten. Selbst in einer Zeit, in der das Sterben hochgeschätzter und bewunderter Führer etwas Alltägliches geworden war, ging eine allgemeine Teilnahme durch das ganze deutsche Volk, ja in der ganzen Welt sprach man von Zeppelins Tod, und selbst die feindliche Presse konnte ihre Anerkennung nicht versagen. (...) Im Charlottenburger Sanatorium fand eine würdige Trauerfeier statt. Dann wurde die irdische Hülle des Verstorbenen durch eine tausendköpfige Menge zum Bahnhof gebracht und nach Stuttgart überführt." Seinem Wunsche gemäß wurde Graf Zeppelin am 12. März 1917 auf dem Pragfriedhof in Stuttgart beigesetzt.

Die Stadt ehrt den Grafen

Friedrichshafen wird Graf Zeppelin zu seinem 90. Todestag ehren. "In ehrendem Gedenken" legen die Stadt und auch die Stadt Stuttgart am Donnerstag an seinem Grab jeweils ein Gebinde nieder. "Dem Grafen Zeppelin verdankt die Stadt ihren Aufschwung seit 100 Jahren", sagt Oberbürgermeister Josef Büchelmeier über den Ehrenbürger.

Des Grafen Geist wirke bis heute in der Stadt und den Zeppelin-Nachfolgebetrieben: "Sein Verdienst ist es, dass sich Friedrichshafen vom Fischerdorf zum High-Tech-Standort entwickelt hat."

(Erschienen: 07.03.2007 00:09)

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