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"Wir laden ein, mit allen Sinnen zu lernen"

LANDKREIS - Dr. Bernd Holtwick zählt nicht zu den Wissenschaftlern, die den Elfenbeinturm vorziehen. Der Historiker will sein Wissen dem breiten Publikum vermitteln.

Von unserer Redakteurin Birgit van Laak

"Ich habe die Arbeit mit einem breiten Publikum immer spannender gefunden als die mit einem reinen Fachpublikum", sagt der Historiker Dr. Bernd Holtwick. An der Universität Bielefeld, einer der besten Adressen für sein Fach in Deutschland, hat er Geschichte studiert, im Nebenfach Germanistik und Soziologie. In Bielefeld schrieb er auch seine Doktorarbeit über Handwerker in der Weimarer Republik und im Dritten Reich. Dann zog es den gebürtigen Ostwestfalen in den Süden Deutschlands. Am renommierten Haus der Geschichte in Stuttgart erhielt er im Jahr 2000 eine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter. Holtwick bereitete dort im Team einen Teil der Dauerausstellung vor.

Für den 37-Jährigen war die Museumsarbeit nichts Neues. Schon während seines Studiums organisierte er Ausstellungen zu historischen Themen. Wissen einem breiten Publikum auf interessante Weise zu vermitteln, macht ihm Spaß. Die Leitungsstelle des Kreiskultur- und -archivamts war deshalb reizvoll für ihn. Unter mehr als 200 Bewerbern setzte sich der 37-Jährige durch.

Die Kombination aus Archivarbeit, die sich eher im Hintergrund vollzieht, und Kulturarbeit, die nach außen geht, sieht er nicht als Spagat, sondern als breites Aufgabenspektrum, das die Stelle interessant macht. Durch seine Forschungen ist der Historiker mit dem Bereich Archiv vertraut. Die Biberacher Einrichtung sei sehr gut aufgestellt, freut sich Holtwick. Daran will er anknüpfen.

Mit allen Sinnen lernen

Zu den Aufgaben des neuen Kulturamtsleiters gehört auch Kürnbach. "Die Grundlagen im Kreisfreilichtmuseum sind sehr gut gelegt", betont er. Jetzt gehe es darum, das Angebot noch attraktiver zu machen, um die Besucherzahlen zu steigern. Dass Freilichtmuseen Menschen faszinieren können, ist für ihn klar. "Dort schaut man nicht wie bei einem Aquarium in Glaskästen, sondern tritt hinein in die Zeit und die Umstände. Das ist viel sinnlicher. Es riecht, die Treppe knarrt, man kann die Aura spüren", erläutert Holtwick. "Wir wollen Lernen mit allen Sinnen anstoßen. Dabei setzen wir auf Freiwilligkeit, wir laden ein. Das ist eine reizvolle Herausforderung."

Die Zusammenarbeit mit Schulen oder Vereinen will er stärken, Angebote im Ferienbereich ausbauen, aber auch die älteren Besucher ansprechen. Langfristig gelte es, das Profil des Museums im Konzert der anderen Museen zu schärfen, so der Kulturamtsleiter. Zurzeit steht jedoch erst einmal das neue Jahresprogramm an. Zusammen mit dem Team des Kreisfreilichtmuseums arbeitet er daran. Um "Speis und Trank im Oberland" soll es 2006 gehen.

Das Kulturamt umfasst aber nicht nur das Kreisfreilichtmuseum. Zu Holtwicks Aufgaben gehören die Kontakte zur lokalen Ebene: zu den Kulturämtern der Städte und Gemeinden und zu den anderen Museen. Die breite Kulturarbeit sei eine Stärke der Region, findet Holtwick. "Der Musikbereich ist hier ausgeprägt. Ich finde das sehr spannend", freut sich der Kreiskultur- und archivamtsleiter auf das breite Spektrum seiner neuen Arbeit.

(Erschienen: 12.11.2005 00:15)

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