Westallgäu im Fadenkreuz der Kriminellen
Joachim Rangnick ist ein mutiger Mann. Er war lange Jahre Redakteur beim Ravensburger Spieleverlag, gründete dann eine Werbeagentur. Vor ein paar Jahren hörte er auch damit auf und beschränkt sich seitdem ganz auf seine Leidenschaft: das Schreiben. Inzwischen sind vier Kriminalromane von ihm erschienen, in denen er sich der unterschiedlichsten spannenden Themen annimmt. Los ist es im Jahr 2004 mit dem Buch "Die Lotto Company" gegangen, einem Krimi um kriminelle Firmengeflechte. Und seitdem scheint der Autor von einem wahren Schaffensrausch gepackt zu sein. Vier Bücher, von denen die dünneren gut 300, die dickeren fast 500 Seiten haben, sind erschienen. Und wie der Autor berichtet, sind die nächsten beiden auch schon geschrieben und werden gerade noch bearbeitet.
Rangnick macht in seinen Krimis vieles richtig. Er packt spannende Themen an, wie im vorigen Frauenhandel und im aktuellen Computerkriminalität. Er hat interessante Locations, wie der "Hügel im Allgäu", wo das Haus des Enthüllungsjournalisten Robert Walcher steht. Er hat gute Figuren, wie Walcher selbst, aber auch seine Freunde, Freundinnen, Mitarbeiter, die im Lauf der Romanserie ein Eigenleben entwickeln. Da gibt es ein EDV-Genie, das Walcher irgendwann im Laufe seiner Arbeit kennenlernt, das aus dem Internet so gut wie alle Informationen rauszaubern kann. Da gibt es eine Art Watson, der dem Helden immer wieder behilflich ist und bei einer Recherche zum Organhandel selbst eine Niere verliert, Und dann gibt es jede Menge Kleinigkeiten, die dem Leser im Gedächtnis bleiben und die einfach gut ausgedacht sind. Einen Kater namens Bärendreck zum Beispiel, der sich leidenschaftlich in Kuhpisse wälzt und danach ebenso leidenschaftlich auf der Fensterbank im Wohnzimmer vor sich hinstinkt.
Die Bücher sind also allemal lesenswert, zumal sich Rangnick viel Mühe mit der Recherche seiner Themen gemacht hat und ein geläufiger Schreiber ist.
Ein Problem allerdings hat der Journalist Walcher, und mit ihm auch sein Autor und schlussendlich auch der Leser. Der Journalist auf seinem Berg im Allgäu nimmt sich ziemlich viel vor. Meistens will er sogar die Welt retten. So wie James Bond in seinem neuen Film zwischen Panama, Chile und dem Gardasee auch mal einen Abstecher auf die Bregenzer Seebühne macht, so gerät das Haus des Journalisten bei Weiler-Simmerberg immer wieder ins Fadenkreuz der internationalen Kriminalität. Menschen-, Organ- und Drogenhändler, Mafia, chinesische Triaden, alles was weltweit nur irgendwie böse ist ,wird durch die Recherchen des Allgäuer Journalisten mit Hilfe von CIA und BND aufgestöbert und richtet seine kriminelle Energie dann irgendwann darauf, das Idyll mit Kater Bärendreck zu zerstören.
Erzählerischer Gewaltmarsch
Ganz abgesehen davon, dass das nicht in jedem Fall glaubwürdig ist, nötigt es den Erzähler dazu, eine Fülle von Erzählsträngen miteinander zu verknüpfen, von denen die meisten irgendwann im Allgäu enden. Diese Fülle macht es für den Leser allerdings nicht immer einfach dabeizubleiben. Im Abstand von nur wenigen Seiten geht der erzählerische Höllenritt dann mal eben von China übers Salzkammergut nach Leipzig, -durch Manhattan übers Tessin ins Allgäu. So schnell geht es noch nicht mal bei Bond.
Das führt dann dazu, dass der neue Rangnick auch mal einen Abend ungeöffnet auf dem Nachttisch liegen bleibt, oder dass er nach ein paar Seiten wieder weggelegt wird, weil er es nicht schafft, den Leser nach wenigen Seiten so zu fesseln, wie es richtig gute Krimis eben tun.
Die Rangnick-Krimis sind alles andere als schlecht, aber an ein zum Beispiel Jacques Berndorf mit seinen Eifelkrimis um den Journalisten Siggi Baumeister kommt er nicht ran. Der will allerdings auch nicht die Welt, sondern höchstens mal die Eifel retten, und auch da meistens nicht die ganze. Vielleicht wäre das ein Weg auch für die Zukunft von Rangnicks Helden, denn nicht zuletzt die Wirklichkeit zeigt, dass es um Rangnicks Wohnort Weingarten herum genug spektakuläre Kriminalität gibt, um damit einen Kriminalroman zu füllen. Ganz ohne Mafia, CIA und BND.
(Erschienen: 13.05.2008 00:05)
Joachim Rangnick ist ein mutiger Mann. Er war lange Jahre Redakteur beim Ravensburger Spieleverlag, gründete dann eine Werbeagentur. Vor ein paar Jahren hörte er auch damit auf und beschränkt sich seitdem ganz auf seine Leidenschaft: das Schreiben. Inzwischen sind vier Kriminalromane von ihm erschienen, in denen er sich der unterschiedlichsten spannenden Themen annimmt. Los ist es im Jahr 2004 mit dem Buch "Die Lotto Company" gegangen, einem Krimi um kriminelle Firmengeflechte. Und seitdem scheint der Autor von einem wahren Schaffensrausch gepackt zu sein. Vier Bücher, von denen die dünneren gut 300, die dickeren fast 500 Seiten haben, sind erschienen. Und wie der Autor berichtet, sind die nächsten beiden auch schon geschrieben und werden gerade noch bearbeitet.
Rangnick macht in seinen Krimis vieles richtig. Er packt spannende Themen an, wie im vorigen Frauenhandel und im aktuellen Computerkriminalität. Er hat interessante Locations, wie der "Hügel im Allgäu", wo das Haus des Enthüllungsjournalisten Robert Walcher steht. Er hat gute Figuren, wie Walcher selbst, aber auch seine Freunde, Freundinnen, Mitarbeiter, die im Lauf der Romanserie ein Eigenleben entwickeln. Da gibt es ein EDV-Genie, das Walcher irgendwann im Laufe seiner Arbeit kennenlernt, das aus dem Internet so gut wie alle Informationen rauszaubern kann. Da gibt es eine Art Watson, der dem Helden immer wieder behilflich ist und bei einer Recherche zum Organhandel selbst eine Niere verliert, Und dann gibt es jede Menge Kleinigkeiten, die dem Leser im Gedächtnis bleiben und die einfach gut ausgedacht sind. Einen Kater namens Bärendreck zum Beispiel, der sich leidenschaftlich in Kuhpisse wälzt und danach ebenso leidenschaftlich auf der Fensterbank im Wohnzimmer vor sich hinstinkt.
Die Bücher sind also allemal lesenswert, zumal sich Rangnick viel Mühe mit der Recherche seiner Themen gemacht hat und ein geläufiger Schreiber ist.
Ein Problem allerdings hat der Journalist Walcher, und mit ihm auch sein Autor und schlussendlich auch der Leser. Der Journalist auf seinem Berg im Allgäu nimmt sich ziemlich viel vor. Meistens will er sogar die Welt retten. So wie James Bond in seinem neuen Film zwischen Panama, Chile und dem Gardasee auch mal einen Abstecher auf die Bregenzer Seebühne macht, so gerät das Haus des Journalisten bei Weiler-Simmerberg immer wieder ins Fadenkreuz der internationalen Kriminalität. Menschen-, Organ- und Drogenhändler, Mafia, chinesische Triaden, alles was weltweit nur irgendwie böse ist ,wird durch die Recherchen des Allgäuer Journalisten mit Hilfe von CIA und BND aufgestöbert und richtet seine kriminelle Energie dann irgendwann darauf, das Idyll mit Kater Bärendreck zu zerstören.
Erzählerischer Gewaltmarsch
Ganz abgesehen davon, dass das nicht in jedem Fall glaubwürdig ist, nötigt es den Erzähler dazu, eine Fülle von Erzählsträngen miteinander zu verknüpfen, von denen die meisten irgendwann im Allgäu enden. Diese Fülle macht es für den Leser allerdings nicht immer einfach dabeizubleiben. Im Abstand von nur wenigen Seiten geht der erzählerische Höllenritt dann mal eben von China übers Salzkammergut nach Leipzig, -durch Manhattan übers Tessin ins Allgäu. So schnell geht es noch nicht mal bei Bond.
Das führt dann dazu, dass der neue Rangnick auch mal einen Abend ungeöffnet auf dem Nachttisch liegen bleibt, oder dass er nach ein paar Seiten wieder weggelegt wird, weil er es nicht schafft, den Leser nach wenigen Seiten so zu fesseln, wie es richtig gute Krimis eben tun.
Die Rangnick-Krimis sind alles andere als schlecht, aber an ein zum Beispiel Jacques Berndorf mit seinen Eifelkrimis um den Journalisten Siggi Baumeister kommt er nicht ran. Der will allerdings auch nicht die Welt, sondern höchstens mal die Eifel retten, und auch da meistens nicht die ganze. Vielleicht wäre das ein Weg auch für die Zukunft von Rangnicks Helden, denn nicht zuletzt die Wirklichkeit zeigt, dass es um Rangnicks Wohnort Weingarten herum genug spektakuläre Kriminalität gibt, um damit einen Kriminalroman zu füllen. Ganz ohne Mafia, CIA und BND.
(Erschienen: 13.05.2008 00:05)
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