Verletzung ist lebensgroß
Beinahe wäre das literarische Programm allerdings einigen Unwägbarkeiten tief im Ländle zum Opfer gefallen. Umgestürzte Bäume auf den Gleisen zwischen Frei- und Ravensburg sorgten für eine siebenstündige Anreise, Barbal und Nottebaum trugen die Verzögerungen, die ihre Anreise erschwerten, jedoch mit tapferer Fassung.
Ihr Thema an diesem Abend war ohnehin ein ungleich bittereres. Mit ihrem ersten Roman hatte Barbal die brutalen Auswirkungen des spanischen Bürgerkriegs in der abgeschiedenen Welt einiger Pyrenäendörfer bearbeitet. Verlust von Heimat, Misstrauen, Hass, Gewalt - "Wie ein Stein im Geröll", in Katalonien inzwischen Schulstoff, hat viel bewegt.
Gesellschaftliche Wunde
"Inneres Land" widmet sich dem Thema der spanischen Franco-Diktatur nun aus der Sicht einer jüngeren, selbstbewussten Generation. Barbal selbst wuchs während der Franco-Zeit auf. "In meinem neuen Buch stecken allerdings nicht einmal zur Hälfte eigene Erfahrungen", betont die Autorin. Ein Hinweis darauf, wie sehr sie erneut eine komplexe gesellschaftliche Wunde aufgreift.
Rita, ihre Ich-Erzählerin, muss von Kindheit an mit dem abweisenden Schweigen und der Unfähigkeit ihrer Mutter leben, Freude oder gar Liebe zu empfinden. Mit viel Mühe, nach vielen Verletzungen begreift Rita die Ausmaße vom großen wie leeren "inneren Land" der Mutter. Lange hat Maria Barbal an der Konzeption ihres nunmehr zweiten Buches gearbeitet, der Ton eines vertrauten wie ernsten inneren Zwiegesprächs vermittelt nun viel von der traurigen Schwere des Themas.
Schreiben, um zu verstehen
Einsamkeit und Trauer um den Mann, Ritas Vater, der im Bürgerkrieg abgeholt wurde und nie wiederkam, machten aus der Mutter ein erstarrtes hartherziges Wesen. Die Tochter braucht lange, um die Dimension ihres Konflikts zu begreifen. Der Autorin geht es in dieser neuerlichen Auseinandersetzung mit der Geschichte ihrer Elterngeneration, die zwangsläufig in das eigene Leben eingreift, auch um Überwindung. "Im Wesentlichen schreibe ich, um zu verstehen", sagt Barbal. Der abschließende Textauszug vom Ende des Romans, durch Ana Schlaegel mit feinen Varianten zwischen Trauer und Aufbegehren interpretiert, teilte einiges vom Verstehen Ritas mit. Davon, dass sie den Schmerz der Mutter überwinden muss, ihrem Leben ein eigenes Recht auf Vollzug mitgegeben wurde. "Nicht nur du besitzt ein inneres Land, wie ich lange Zeit geglaubt habe. Jetzt weiß ich, dass jeder von uns eine vielfältige und einzigartige Landschaft in sich trägt."
Unbewältigte Vergangenheit
Welche Bedeutung die Bücher der katalanischen Autorin Maria Barbal für die aktuelle Auseinandersetzung der immer noch unbewältigten gemeinsamen Vergangenheit aller Spanier - nämlich dem Bürgerkrieg der 1930er Jahre - haben, machte Heike Nottebaum in ihrer Moderation deutlich. Trotz nach wie vor trennender Sprachkultur sei bei diesen Themen das ganze Land leider umfassend betroffen.
(Erschienen: 03.11.2008 00:07)
Beinahe wäre das literarische Programm allerdings einigen Unwägbarkeiten tief im Ländle zum Opfer gefallen. Umgestürzte Bäume auf den Gleisen zwischen Frei- und Ravensburg sorgten für eine siebenstündige Anreise, Barbal und Nottebaum trugen die Verzögerungen, die ihre Anreise erschwerten, jedoch mit tapferer Fassung.
Ihr Thema an diesem Abend war ohnehin ein ungleich bittereres. Mit ihrem ersten Roman hatte Barbal die brutalen Auswirkungen des spanischen Bürgerkriegs in der abgeschiedenen Welt einiger Pyrenäendörfer bearbeitet. Verlust von Heimat, Misstrauen, Hass, Gewalt - "Wie ein Stein im Geröll", in Katalonien inzwischen Schulstoff, hat viel bewegt.
Gesellschaftliche Wunde
"Inneres Land" widmet sich dem Thema der spanischen Franco-Diktatur nun aus der Sicht einer jüngeren, selbstbewussten Generation. Barbal selbst wuchs während der Franco-Zeit auf. "In meinem neuen Buch stecken allerdings nicht einmal zur Hälfte eigene Erfahrungen", betont die Autorin. Ein Hinweis darauf, wie sehr sie erneut eine komplexe gesellschaftliche Wunde aufgreift.
Rita, ihre Ich-Erzählerin, muss von Kindheit an mit dem abweisenden Schweigen und der Unfähigkeit ihrer Mutter leben, Freude oder gar Liebe zu empfinden. Mit viel Mühe, nach vielen Verletzungen begreift Rita die Ausmaße vom großen wie leeren "inneren Land" der Mutter. Lange hat Maria Barbal an der Konzeption ihres nunmehr zweiten Buches gearbeitet, der Ton eines vertrauten wie ernsten inneren Zwiegesprächs vermittelt nun viel von der traurigen Schwere des Themas.
Schreiben, um zu verstehen
Einsamkeit und Trauer um den Mann, Ritas Vater, der im Bürgerkrieg abgeholt wurde und nie wiederkam, machten aus der Mutter ein erstarrtes hartherziges Wesen. Die Tochter braucht lange, um die Dimension ihres Konflikts zu begreifen. Der Autorin geht es in dieser neuerlichen Auseinandersetzung mit der Geschichte ihrer Elterngeneration, die zwangsläufig in das eigene Leben eingreift, auch um Überwindung. "Im Wesentlichen schreibe ich, um zu verstehen", sagt Barbal. Der abschließende Textauszug vom Ende des Romans, durch Ana Schlaegel mit feinen Varianten zwischen Trauer und Aufbegehren interpretiert, teilte einiges vom Verstehen Ritas mit. Davon, dass sie den Schmerz der Mutter überwinden muss, ihrem Leben ein eigenes Recht auf Vollzug mitgegeben wurde. "Nicht nur du besitzt ein inneres Land, wie ich lange Zeit geglaubt habe. Jetzt weiß ich, dass jeder von uns eine vielfältige und einzigartige Landschaft in sich trägt."
Unbewältigte Vergangenheit
Welche Bedeutung die Bücher der katalanischen Autorin Maria Barbal für die aktuelle Auseinandersetzung der immer noch unbewältigten gemeinsamen Vergangenheit aller Spanier - nämlich dem Bürgerkrieg der 1930er Jahre - haben, machte Heike Nottebaum in ihrer Moderation deutlich. Trotz nach wie vor trennender Sprachkultur sei bei diesen Themen das ganze Land leider umfassend betroffen.
(Erschienen: 03.11.2008 00:07)
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