Vater macht seine Stiefkinder zu Sexsklaven
Der Angeklagte sieht nicht so aus, wie man sich gemeinhin einen Kinderschänder vorstellt: nicht verklemmt und nicht hässlich. Mit seiner sportlichen Figur, den kurzen, braunen Haaren und dem Allerweltsgesicht verkörpert er den Typ jungenhafter Sportlehrer. Weitgehend unbeteiligt verfolgt er den letzten Tag seines drei Wochen dauernden Prozesses vor der zweiten Jugendkammer des Landgerichtes Ravensburg. Nur selten schüttelt er den Kopf über die Ausführungen von Staatsanwalt Alfred Maier, einmal zwinkert er seiner neuen Freundin, die im Zuschauerraum sitzt, aufmunternd zu. Sie ist es auch, die für ihn den Ravensburger Starverteidiger Ingo Pfliegner zusätzlich zum Pflichtverteidiger engagiert hat, denn sie glaubt fest an seine Unschuld.
Was sich zehn Jahre lang - in den Jahren 1993 bis 2003 - in der Familie des Mannes abgespielt haben soll, ist nur schwer zu verkraften. 1992 heiratete der aus Polen stammende Handwerker eine Frau aus Bad Waldsee, die schon zwei gescheiterte Ehen hinter sich gebracht hatte und laut Rechtsanwalt Thomas Dick, der in der Nebenklage den 16-jährigen Stiefsohn vertritt, froh war, mal einen Mann gefunden zu haben, der nicht trinkt und Arbeit hat.
In zig Fällen soll der Angeklagte laut Staatsanwalt Alfred Maier seine damals neun- bis elfjährige Stieftochter, die heute 25 ist, und seinen vier- bis zwölfjährigen Stiefsohn (heute 16) zu Oral- und Analsex gezwungen haben. Dem Mädchen drohte er Prügel mit dem Gürtel an, wenn es ihm nicht zu Willen war. Einmal, so eine Zeugin, habe er das kleine Mädchen aus nichtigem Anlass grün und blau geschlagen. Ein mittlerweile pensionierter Lehrer der Bad Waldseer Döchtbühlschule sagte gestern aus, das Kind sei manchmal mit blauen Flecken im Gesicht zur Schule gekommen. Darauf angesprochen, habe die Schülerin gesagt, sie sei hingefallen. Der kleine Junge wurde vom Stiefvater ebenso brutal missbraucht und mehrmals vergewaltigt. Einmal habe er die beiden Kinder sogar zu gemeinsamen sexuellen Handlungen untereinander gezwungen. "Sie haben wirklich nichts ausgelassen und die Situation der Kinder schamlos ausgenutzt, die sich Ihnen ja nicht entziehen konnten", meinte der Vertreter der Nebenklage, Thomas Dick.
"Ich habe nix getan"
Rechtsanwältin Christine Thurau, die die Stieftochter in der Nebenklage vertritt, verdeutlichte die Folgen der Taten. Der Mann habe dem Mädchen die Kindheit gestohlen. Heute sei die junge Frau nicht bindungsfähig. Die Anwältin empörte sich vor allem über die Behauptungen des Angeklagten, seine Exfrau habe mit ihren Kindern einen Komplott geschmiedet, weil sie sich an ihm dafür rächen wollte, dass er mit seiner neuen Freundin glücklich sei. Das Einzige, was der Angeklagte einräumt, ist, dass er seinen Sohn einige Male am Penis berührt hat, als er ihn im Badezimmer abtrocknete. Auch vor Gericht beteuerte er gestern: "Ich habe nix getan."
Dieses konsequente Leugnen überrascht nicht zuletzt seine Verteidiger. Vor allem, weil der Angeklagte sich im Jahr 2005 freiwillig ins Zentrum für Psychiatrie (ZfP) Weissenau hat einweisen lassen, weil er mit seiner Schuld nicht mehr zurechtkam, wie der Sachverständige, Psychiater Dr. Tobias Hölz, gestern erläuterte. Im ZfP habe der gebürtige Pole glaubhaft eigene Missbrauchserfahrungen geschildert, die in seinem zwölften Lebensjahr begonnen haben. Offenbar hatte sich ein Freund seiner Mutter ähnlich an ihm vergangen, wie er es an seinen Stiefkindern getan hat. Der Patient sei depressiv gewesen, aber nicht selbstmordgefährdet. Die Übergriffe auf den Stiefsohn hätten nichts mit sexueller Erregung zu tun gehabt, sondern ihm vielmehr Macht verliehen. Das Motiv: Rache und das Gefühl, einmal selbst Täter und nicht immer Opfer zu sein. Homosexuell oder pädophil sei er nach eigenen Angaben nicht veranlagt, er könne auch Sex mit erwachsenen Frauen genießen. Rechtsanwalt Ingo Pfliegner meint, sein Mandant leugne die Taten, um sein Gesicht vor der neuen Freundin und der Familie wahren zu können. Ein Freispruch komme aber nicht in Frage. Die Aussagen der Opfer hält Pfliegner für "absolut glaubwürdig. So gut kann keiner schauspielern, das wäre eine oscarreife Leistung", sagte er nach seinem Plädoyer der "Schwäbischen Zeitung".
Urteil: zehn Jahre Gefängnis
Die Richter Winfried Karitter und Axel Müller gingen dann in ihrem Urteil - und das ist selten - mit zehn Jahren Gefängnis noch über den Antrag der Staatsanwaltschaft von neun Jahren hinaus. Winfried Karitter: "Sie haben ihre Tochter zu einer Sexsklavin entwürdigt. Eine solche Demütigung ist auch hier noch selten verhandelt worden." Die Folgen für den erst 16 Jahre alten Sohn seien unabsehbar. "Hier sind Menschen seelisch fast vernichtet worden." Einzig ein Geständnis hätte sich strafmildernd auswirken können. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
(Erschienen: 03.01.2008 00:07)
Der Angeklagte sieht nicht so aus, wie man sich gemeinhin einen Kinderschänder vorstellt: nicht verklemmt und nicht hässlich. Mit seiner sportlichen Figur, den kurzen, braunen Haaren und dem Allerweltsgesicht verkörpert er den Typ jungenhafter Sportlehrer. Weitgehend unbeteiligt verfolgt er den letzten Tag seines drei Wochen dauernden Prozesses vor der zweiten Jugendkammer des Landgerichtes Ravensburg. Nur selten schüttelt er den Kopf über die Ausführungen von Staatsanwalt Alfred Maier, einmal zwinkert er seiner neuen Freundin, die im Zuschauerraum sitzt, aufmunternd zu. Sie ist es auch, die für ihn den Ravensburger Starverteidiger Ingo Pfliegner zusätzlich zum Pflichtverteidiger engagiert hat, denn sie glaubt fest an seine Unschuld.
Was sich zehn Jahre lang - in den Jahren 1993 bis 2003 - in der Familie des Mannes abgespielt haben soll, ist nur schwer zu verkraften. 1992 heiratete der aus Polen stammende Handwerker eine Frau aus Bad Waldsee, die schon zwei gescheiterte Ehen hinter sich gebracht hatte und laut Rechtsanwalt Thomas Dick, der in der Nebenklage den 16-jährigen Stiefsohn vertritt, froh war, mal einen Mann gefunden zu haben, der nicht trinkt und Arbeit hat.
In zig Fällen soll der Angeklagte laut Staatsanwalt Alfred Maier seine damals neun- bis elfjährige Stieftochter, die heute 25 ist, und seinen vier- bis zwölfjährigen Stiefsohn (heute 16) zu Oral- und Analsex gezwungen haben. Dem Mädchen drohte er Prügel mit dem Gürtel an, wenn es ihm nicht zu Willen war. Einmal, so eine Zeugin, habe er das kleine Mädchen aus nichtigem Anlass grün und blau geschlagen. Ein mittlerweile pensionierter Lehrer der Bad Waldseer Döchtbühlschule sagte gestern aus, das Kind sei manchmal mit blauen Flecken im Gesicht zur Schule gekommen. Darauf angesprochen, habe die Schülerin gesagt, sie sei hingefallen. Der kleine Junge wurde vom Stiefvater ebenso brutal missbraucht und mehrmals vergewaltigt. Einmal habe er die beiden Kinder sogar zu gemeinsamen sexuellen Handlungen untereinander gezwungen. "Sie haben wirklich nichts ausgelassen und die Situation der Kinder schamlos ausgenutzt, die sich Ihnen ja nicht entziehen konnten", meinte der Vertreter der Nebenklage, Thomas Dick.
"Ich habe nix getan"
Rechtsanwältin Christine Thurau, die die Stieftochter in der Nebenklage vertritt, verdeutlichte die Folgen der Taten. Der Mann habe dem Mädchen die Kindheit gestohlen. Heute sei die junge Frau nicht bindungsfähig. Die Anwältin empörte sich vor allem über die Behauptungen des Angeklagten, seine Exfrau habe mit ihren Kindern einen Komplott geschmiedet, weil sie sich an ihm dafür rächen wollte, dass er mit seiner neuen Freundin glücklich sei. Das Einzige, was der Angeklagte einräumt, ist, dass er seinen Sohn einige Male am Penis berührt hat, als er ihn im Badezimmer abtrocknete. Auch vor Gericht beteuerte er gestern: "Ich habe nix getan."
Dieses konsequente Leugnen überrascht nicht zuletzt seine Verteidiger. Vor allem, weil der Angeklagte sich im Jahr 2005 freiwillig ins Zentrum für Psychiatrie (ZfP) Weissenau hat einweisen lassen, weil er mit seiner Schuld nicht mehr zurechtkam, wie der Sachverständige, Psychiater Dr. Tobias Hölz, gestern erläuterte. Im ZfP habe der gebürtige Pole glaubhaft eigene Missbrauchserfahrungen geschildert, die in seinem zwölften Lebensjahr begonnen haben. Offenbar hatte sich ein Freund seiner Mutter ähnlich an ihm vergangen, wie er es an seinen Stiefkindern getan hat. Der Patient sei depressiv gewesen, aber nicht selbstmordgefährdet. Die Übergriffe auf den Stiefsohn hätten nichts mit sexueller Erregung zu tun gehabt, sondern ihm vielmehr Macht verliehen. Das Motiv: Rache und das Gefühl, einmal selbst Täter und nicht immer Opfer zu sein. Homosexuell oder pädophil sei er nach eigenen Angaben nicht veranlagt, er könne auch Sex mit erwachsenen Frauen genießen. Rechtsanwalt Ingo Pfliegner meint, sein Mandant leugne die Taten, um sein Gesicht vor der neuen Freundin und der Familie wahren zu können. Ein Freispruch komme aber nicht in Frage. Die Aussagen der Opfer hält Pfliegner für "absolut glaubwürdig. So gut kann keiner schauspielern, das wäre eine oscarreife Leistung", sagte er nach seinem Plädoyer der "Schwäbischen Zeitung".
Urteil: zehn Jahre Gefängnis
Die Richter Winfried Karitter und Axel Müller gingen dann in ihrem Urteil - und das ist selten - mit zehn Jahren Gefängnis noch über den Antrag der Staatsanwaltschaft von neun Jahren hinaus. Winfried Karitter: "Sie haben ihre Tochter zu einer Sexsklavin entwürdigt. Eine solche Demütigung ist auch hier noch selten verhandelt worden." Die Folgen für den erst 16 Jahre alten Sohn seien unabsehbar. "Hier sind Menschen seelisch fast vernichtet worden." Einzig ein Geständnis hätte sich strafmildernd auswirken können. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
(Erschienen: 03.01.2008 00:07)
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