Stuttgarts Wilhelma ist mehr als ein Zoo
Mehr als 150 Jahre alt sind die aneinander gereihten Gewächshäuser mit ihren hellgrün gestrichenen Stahlkonstruktionen, die heute eine Fülle von Pflanzen aus aller Welt beherbergen. Größter Bau der Reihe ist der Wintergarten, in dem sich mächtige Koi-Karpfen durch einen ausgedehnten Teich schlängeln. «Das ist das älteste Glasgewächshaus in Zentraleuropa», erklärt Lutz Plasa, Zoologe und Wilhelma-Sprecher. «Der König war nicht nur Pflanzen-, sondern auch Technikfreund.»
Der König, das war Wilhelm I. von Württemberg. Der 1781 geborene Monarch und Namensgeber der Wilhelma wünschte sich zunächst nur ein Badehaus im Maurischen Stil. Dieses wurde bald um die Gewächshäuser und eine Orangerie ergänzt. Tiere wohnen in der Anlage erst seit kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Heute kümmern sich die Mitarbeiter um 9000 Tiere aus 1000 Arten sowie 6000 Pflanzenarten - die in den zurückliegenden Jahren jeweils rund 2 Millionen Besucher anlockten.
Neben dem Magnolienhain und dem prachtvollen Seerosenteich sind die Fuchsien der ganze Stolz der Wilhelma-Gärtner: «Wir haben Europas größte Fuchsiensammlung», sagt Plasa. Die Azaleen haben sogar ihr eigenes Gewächshaus - und bewohnen es teils schon sehr lange: «Einige stammen noch aus der Königszeit.» Eine Auswahl der kostbaren Orchideensammlung können die Besucher in Glasvitrinen beobachten. Die Wilhelma besitzt Exemplare 1200 verschiedener Sorten, von denen die im Jahresverlauf jeweils schönsten ausgestellt werden.
Auch die unbestrittenen Stars unter den Wilhelma-Tieren verbringen viel Zeit hinter Glas: die kleinen Gorillas. Von morgens bis abends stehen Besucher vor den Scheiben ihrer Gehege und amüsieren sich über die drolligen Kerle. «Die Wilhelma ist die europaweite Aufzuchtstation für Menschenaffen, die von ihren Müttern nicht angenommen wurden», so Plasa. Zuletzt tollten acht «zugezogene» Nachwuchs-Gorillas im Menschenaffenhaus herum - neben drei in der Wilhelma geborenen.
Rar macht sich dagegen ein anderer tierischer Wilhelma-Bewohner, der es zuletzt zu einiger Berühmtheit gebracht hat: Ernst-Einar, der Ende 2004 geborene Ameisenbär. «Er lässt sich höchstens am frühen Nachmittag kurz sehen», sagt Plasa. Meist bleibt das Pelztier mit der langen Zunge im hinteren Teil des Südamerika-Geheges und in sicherer Entfernung von den Schaulustigen. Diesen bleibt immerhin der Blick auf die seltenen Vicugnas, die kleineren Verwandten der Lamas.
Doch das pure «Gaffen» steht in der Wilhelma wie in den meisten Zoos heute weit weniger im Mittelpunkt als noch vor Jahren. Immer mehr Behausungen werden daher den Bedürfnissen der Tiere angepasst: Im Herbst steht die Eröffnung des umgestalteten Krokodilhauses an. «Darin haben wir früher vier Arten gehalten, künftig wird es nur noch eine sein», sagt Plasa. Von 2006 an entsteht ein neues Menschenaffenhaus, danach sind unter anderem die Gehege der Raubkatzen an der Reihe.
Ein besonders aufwendiges Projekt ist seit Anfang 2000 geöffnet: das Amazonienhaus. Bei enormer Luftfeuchtigkeit und tropischer Hitze gerät fast in Vergessenheit, dass das Biotop ein Glasdach und eine ausgeklügelte Belüftungsanlage besitzt. An den beiden Eingängen wird dann aber doch klar, dass der Dschungel hier endet: Schilder mit der Aufschrift «Kein Durchgang für Trompetenvögel» weisen die Besucher darauf hin, einen überaus anhänglichen gefiederten Bewohner möglichst nicht mit nach draußen zu nehmen.
INFO-KASTEN: Wilhelma Stuttgart
ANREISE: Wilhelma-Besucher mit Auto parken am Cannstatter Wasen und gehen etwa 15 Minuten zu Fuß. Vom Hauptbahnhof aus etwa 10 Minuten Fahrt mit der U-Bahn-Linie 14.
ÖFFNUNGSZEITEN: Täglich von 8.15 Uhr bis zum Einbruch der Dunkelheit - im Sommer bis maximal 20.00 Uhr.
EINTRITT: 10,80 Euro für Erwachsene, 5,40 Euro für Kinder bis 17, Schüler und Studenten. Familienkarten ab 16,20 Euro. Ermäßigungen für Gruppen ab 15 Zahlenden. Abendtarife ab 16.00 Uhr sowie Wintertarife von November bis Februar.
(Erschienen: 10.05.2005 09:50)
Mehr als 150 Jahre alt sind die aneinander gereihten Gewächshäuser mit ihren hellgrün gestrichenen Stahlkonstruktionen, die heute eine Fülle von Pflanzen aus aller Welt beherbergen. Größter Bau der Reihe ist der Wintergarten, in dem sich mächtige Koi-Karpfen durch einen ausgedehnten Teich schlängeln. «Das ist das älteste Glasgewächshaus in Zentraleuropa», erklärt Lutz Plasa, Zoologe und Wilhelma-Sprecher. «Der König war nicht nur Pflanzen-, sondern auch Technikfreund.»
Der König, das war Wilhelm I. von Württemberg. Der 1781 geborene Monarch und Namensgeber der Wilhelma wünschte sich zunächst nur ein Badehaus im Maurischen Stil. Dieses wurde bald um die Gewächshäuser und eine Orangerie ergänzt. Tiere wohnen in der Anlage erst seit kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Heute kümmern sich die Mitarbeiter um 9000 Tiere aus 1000 Arten sowie 6000 Pflanzenarten - die in den zurückliegenden Jahren jeweils rund 2 Millionen Besucher anlockten.
Neben dem Magnolienhain und dem prachtvollen Seerosenteich sind die Fuchsien der ganze Stolz der Wilhelma-Gärtner: «Wir haben Europas größte Fuchsiensammlung», sagt Plasa. Die Azaleen haben sogar ihr eigenes Gewächshaus - und bewohnen es teils schon sehr lange: «Einige stammen noch aus der Königszeit.» Eine Auswahl der kostbaren Orchideensammlung können die Besucher in Glasvitrinen beobachten. Die Wilhelma besitzt Exemplare 1200 verschiedener Sorten, von denen die im Jahresverlauf jeweils schönsten ausgestellt werden.
Auch die unbestrittenen Stars unter den Wilhelma-Tieren verbringen viel Zeit hinter Glas: die kleinen Gorillas. Von morgens bis abends stehen Besucher vor den Scheiben ihrer Gehege und amüsieren sich über die drolligen Kerle. «Die Wilhelma ist die europaweite Aufzuchtstation für Menschenaffen, die von ihren Müttern nicht angenommen wurden», so Plasa. Zuletzt tollten acht «zugezogene» Nachwuchs-Gorillas im Menschenaffenhaus herum - neben drei in der Wilhelma geborenen.
Rar macht sich dagegen ein anderer tierischer Wilhelma-Bewohner, der es zuletzt zu einiger Berühmtheit gebracht hat: Ernst-Einar, der Ende 2004 geborene Ameisenbär. «Er lässt sich höchstens am frühen Nachmittag kurz sehen», sagt Plasa. Meist bleibt das Pelztier mit der langen Zunge im hinteren Teil des Südamerika-Geheges und in sicherer Entfernung von den Schaulustigen. Diesen bleibt immerhin der Blick auf die seltenen Vicugnas, die kleineren Verwandten der Lamas.
Doch das pure «Gaffen» steht in der Wilhelma wie in den meisten Zoos heute weit weniger im Mittelpunkt als noch vor Jahren. Immer mehr Behausungen werden daher den Bedürfnissen der Tiere angepasst: Im Herbst steht die Eröffnung des umgestalteten Krokodilhauses an. «Darin haben wir früher vier Arten gehalten, künftig wird es nur noch eine sein», sagt Plasa. Von 2006 an entsteht ein neues Menschenaffenhaus, danach sind unter anderem die Gehege der Raubkatzen an der Reihe.
Ein besonders aufwendiges Projekt ist seit Anfang 2000 geöffnet: das Amazonienhaus. Bei enormer Luftfeuchtigkeit und tropischer Hitze gerät fast in Vergessenheit, dass das Biotop ein Glasdach und eine ausgeklügelte Belüftungsanlage besitzt. An den beiden Eingängen wird dann aber doch klar, dass der Dschungel hier endet: Schilder mit der Aufschrift «Kein Durchgang für Trompetenvögel» weisen die Besucher darauf hin, einen überaus anhänglichen gefiederten Bewohner möglichst nicht mit nach draußen zu nehmen.
INFO-KASTEN: Wilhelma Stuttgart
ANREISE: Wilhelma-Besucher mit Auto parken am Cannstatter Wasen und gehen etwa 15 Minuten zu Fuß. Vom Hauptbahnhof aus etwa 10 Minuten Fahrt mit der U-Bahn-Linie 14.
ÖFFNUNGSZEITEN: Täglich von 8.15 Uhr bis zum Einbruch der Dunkelheit - im Sommer bis maximal 20.00 Uhr.
EINTRITT: 10,80 Euro für Erwachsene, 5,40 Euro für Kinder bis 17, Schüler und Studenten. Familienkarten ab 16,20 Euro. Ermäßigungen für Gruppen ab 15 Zahlenden. Abendtarife ab 16.00 Uhr sowie Wintertarife von November bis Februar.
(Erschienen: 10.05.2005 09:50)
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