Studenten fordern freies Lernen
Stell Dir vor, Studenten rufen zur Demo auf - und niemand geht hin. Nein, so weit wird es heute in Weingarten nicht kommen. Wie viele der angehenden Akademiker sich den Protesten anschließen, vermag aber auch Bernd Burger, Pressesprecher vom Arbeitskreis Bildungsstreik Weingarten, nicht zu sagen. "Angemeldet haben wir für den Demonstrationszug 200 Teilnehmer", sagt der 22-Jährige. Bei knapp 5000 Studenten in Weingarten wären dies keine fünf Prozent, die für eine Verbesserung ihrer Bildungsmöglichkeiten auf die Straße gehen.
Die Zeiten, in denen von den Hochschulen maßgebliche Anstöße für gesellschaftliche Debatten ausgingen, sind bekanntlich lange vorbei. Auch in Weingarten, wo studentische Vertretungen wie Atsa und Usta über fehlendes Engagement ihrer Kommilitonen klagen. Doch diesmal läuft es, auch zur Überraschung der Initiatoren, besser, viel besser sogar.
"Bei der studentischen Vollversammlung beider Hochschulen war es schon übervoll", erzählt Bernd Burger. Mit überwältigender Mehrheit und begleitet von lautstarkem Beifall wurde die Teilnahme am Bildungsstreik beschlossen.
Die Aufbruchstimmung ist den griffigen Forderungen und Zielen der Studenten geschuldet, denen es im Kern um zwei Themen geht. 1. Chancengleichheit bei der Bildung. Studiengebühren und hohe Kosten beim Studium, so die Kritiker, führen zu einer gesellschaftlichen Selektion auf der Hochschule - die besser gestellten, erreichen akademischen Grad, die schlechter gestellten, können erst gar nicht studieren. Daher die Forderung: "Freier Bildungszugang und Abschaffung von sämtlichen Bildungsgebühren wie Studiengebühren, Ausbildungsgebühren und Kita-Gebühren".
Zweites Schwerpunktthema: Abschaffung des verschulten Studiums. In der Kritik stehen unter anderem die Anwesenheitspflicht bei Vorlesungen, der kaum vorhandenen Gestaltungsspielraum mit starren Stundenplänen und eng gesteckter Fächerwahl sowie die kurze Regelstudienzeit. Die Forderung: "Selbstbestimmtes Lernen und Leben statt starrem Zeitrahmen, Leistungsdruck und Konkurrenzdruck".
"Wir wollen keinen Rückschritt"
Aber wird damit nicht das Rad zurückgedreht? Wollte man nicht das Studium straffer gestalten, um endloses Studieren (Stichwort: Langzeitstudenten) zu verhindern? Um über gestaffelte Angebote (Stichworte: Bachelor und Master) mehr jungen Menschen einen Abschluss zu ermöglichen? ",Das Rad zurückdrehen" - ich mag diesen Ausdruck nicht", sagt Bernd Burger. "Wir wollen keinen Rückschritt. Es geht darum, eine zeitgemäße Lernumgebung zu schaffen."
Sicher, meint Burger, gibt es in Weingarten auch viele Studierende, die ein verschultes Studium in Modulen klasse finden und mit dem Leistungsdruck lässig umgehen können. "Andere wollen jedoch mehr, als nur Fachwissen pauken."
Anders gesagt: Jene begreifen ihr Studium auch als ein Studium des Lebens . Und um das Leben zu studieren, braucht es Freiräume. Für diese Freiheit gehen die Studenten heute auf die Straße. Wie viele auch immer sich anschließen.
(Erschienen: 17.06.2009 00:11)
Stell Dir vor, Studenten rufen zur Demo auf - und niemand geht hin. Nein, so weit wird es heute in Weingarten nicht kommen. Wie viele der angehenden Akademiker sich den Protesten anschließen, vermag aber auch Bernd Burger, Pressesprecher vom Arbeitskreis Bildungsstreik Weingarten, nicht zu sagen. "Angemeldet haben wir für den Demonstrationszug 200 Teilnehmer", sagt der 22-Jährige. Bei knapp 5000 Studenten in Weingarten wären dies keine fünf Prozent, die für eine Verbesserung ihrer Bildungsmöglichkeiten auf die Straße gehen.
Die Zeiten, in denen von den Hochschulen maßgebliche Anstöße für gesellschaftliche Debatten ausgingen, sind bekanntlich lange vorbei. Auch in Weingarten, wo studentische Vertretungen wie Atsa und Usta über fehlendes Engagement ihrer Kommilitonen klagen. Doch diesmal läuft es, auch zur Überraschung der Initiatoren, besser, viel besser sogar.
"Bei der studentischen Vollversammlung beider Hochschulen war es schon übervoll", erzählt Bernd Burger. Mit überwältigender Mehrheit und begleitet von lautstarkem Beifall wurde die Teilnahme am Bildungsstreik beschlossen.
Die Aufbruchstimmung ist den griffigen Forderungen und Zielen der Studenten geschuldet, denen es im Kern um zwei Themen geht. 1. Chancengleichheit bei der Bildung. Studiengebühren und hohe Kosten beim Studium, so die Kritiker, führen zu einer gesellschaftlichen Selektion auf der Hochschule - die besser gestellten, erreichen akademischen Grad, die schlechter gestellten, können erst gar nicht studieren. Daher die Forderung: "Freier Bildungszugang und Abschaffung von sämtlichen Bildungsgebühren wie Studiengebühren, Ausbildungsgebühren und Kita-Gebühren".
Zweites Schwerpunktthema: Abschaffung des verschulten Studiums. In der Kritik stehen unter anderem die Anwesenheitspflicht bei Vorlesungen, der kaum vorhandenen Gestaltungsspielraum mit starren Stundenplänen und eng gesteckter Fächerwahl sowie die kurze Regelstudienzeit. Die Forderung: "Selbstbestimmtes Lernen und Leben statt starrem Zeitrahmen, Leistungsdruck und Konkurrenzdruck".
"Wir wollen keinen Rückschritt"
Aber wird damit nicht das Rad zurückgedreht? Wollte man nicht das Studium straffer gestalten, um endloses Studieren (Stichwort: Langzeitstudenten) zu verhindern? Um über gestaffelte Angebote (Stichworte: Bachelor und Master) mehr jungen Menschen einen Abschluss zu ermöglichen? ",Das Rad zurückdrehen" - ich mag diesen Ausdruck nicht", sagt Bernd Burger. "Wir wollen keinen Rückschritt. Es geht darum, eine zeitgemäße Lernumgebung zu schaffen."
Sicher, meint Burger, gibt es in Weingarten auch viele Studierende, die ein verschultes Studium in Modulen klasse finden und mit dem Leistungsdruck lässig umgehen können. "Andere wollen jedoch mehr, als nur Fachwissen pauken."
Anders gesagt: Jene begreifen ihr Studium auch als ein Studium des Lebens . Und um das Leben zu studieren, braucht es Freiräume. Für diese Freiheit gehen die Studenten heute auf die Straße. Wie viele auch immer sich anschließen.
(Erschienen: 17.06.2009 00:11)
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