Stoiber hat nicht verstanden
Schon fast rührend war das, was die fünf jungen Bundestagsabgeordneten der CSU da am Sonntag auf der Zugspitze trieben: Strahlend hielten sie ein Plakat ihres ebenso strahlenden Parteichefs in die winterliche Kälte des höchsten Berges Deutschlands. Auf dem Plakat war zu lesen: "Bayerns Spitze - Edmund Stoiber". Ja, so etwas scheint der lange fast allmächtige Bayern-Ministerpräsident jetzt zu brauchen. Denn er ist in echter Bedrängnis: Die von der Fürther Landrätin Gabriele Pauli losgetretene Debatte über seine politische Zukunft ist eben nicht pünktlich nach den Feiertagen beendet, wie er gehofft haben mag, sondern geht munter weiter. Und obwohl Stoiber gestern das CSU-Präsidium antreten ließ, um dessen Solidarität einzufordern, hatte ihm Landtagspräsident Alois Glück bereits am Wochenende geraten, seine Nachfolge rechtzeitig zu regeln. Das sitzt. Und das ist deutlich.
Die Halbwertzeit von Solidaritätsadressen ist sowieso gering. Sie sind so viel wert, wie es in der Geschichte der Macht immer war: So lange für den Chef - früher war das vielleicht ein König - kein eindeutiger, kraftvoller Herausforderer in Sicht ist, geloben ihm seine Vasallen die Treue. Das heißt aber nicht, dass sie ihm auf immer und ewig folgen werden. Sie, die von ihm Abhängigen, werden auch einem neuen Herren huldigen, wenn dieser machtvoll genug ist und ihnen eine neue Perspektive bietet. Das ist im Moment Stoibers größtes Pfund: Niemand wagt, gegen ihn anzutreten. Und die wackere Landrätin Pauli, die ihn so nachhaltig ärgert, reicht bei allem Respekt vor ihrem Mut und ihrer Hartnäckigkeit noch nicht an Stoibers Format heran.
Dennoch sieht es für Edmund Stoiber nicht gut aus: Selbst 63 Prozent der CSU-Anhänger sind inzwischen der Meinung, eine Mitgliederbefragung solle über den Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2008 entscheiden. Gleichzeitig steigen die Werte der CSU leicht. Das bedeutet: Die Wähler setzen auf die CSU, aber nicht mehr auf Edmund Stoiber. Das hat der Ministerpräsident noch nicht verstanden.
(Erschienen: 09.01.2007 00:07)
Schon fast rührend war das, was die fünf jungen Bundestagsabgeordneten der CSU da am Sonntag auf der Zugspitze trieben: Strahlend hielten sie ein Plakat ihres ebenso strahlenden Parteichefs in die winterliche Kälte des höchsten Berges Deutschlands. Auf dem Plakat war zu lesen: "Bayerns Spitze - Edmund Stoiber". Ja, so etwas scheint der lange fast allmächtige Bayern-Ministerpräsident jetzt zu brauchen. Denn er ist in echter Bedrängnis: Die von der Fürther Landrätin Gabriele Pauli losgetretene Debatte über seine politische Zukunft ist eben nicht pünktlich nach den Feiertagen beendet, wie er gehofft haben mag, sondern geht munter weiter. Und obwohl Stoiber gestern das CSU-Präsidium antreten ließ, um dessen Solidarität einzufordern, hatte ihm Landtagspräsident Alois Glück bereits am Wochenende geraten, seine Nachfolge rechtzeitig zu regeln. Das sitzt. Und das ist deutlich.
Die Halbwertzeit von Solidaritätsadressen ist sowieso gering. Sie sind so viel wert, wie es in der Geschichte der Macht immer war: So lange für den Chef - früher war das vielleicht ein König - kein eindeutiger, kraftvoller Herausforderer in Sicht ist, geloben ihm seine Vasallen die Treue. Das heißt aber nicht, dass sie ihm auf immer und ewig folgen werden. Sie, die von ihm Abhängigen, werden auch einem neuen Herren huldigen, wenn dieser machtvoll genug ist und ihnen eine neue Perspektive bietet. Das ist im Moment Stoibers größtes Pfund: Niemand wagt, gegen ihn anzutreten. Und die wackere Landrätin Pauli, die ihn so nachhaltig ärgert, reicht bei allem Respekt vor ihrem Mut und ihrer Hartnäckigkeit noch nicht an Stoibers Format heran.
Dennoch sieht es für Edmund Stoiber nicht gut aus: Selbst 63 Prozent der CSU-Anhänger sind inzwischen der Meinung, eine Mitgliederbefragung solle über den Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2008 entscheiden. Gleichzeitig steigen die Werte der CSU leicht. Das bedeutet: Die Wähler setzen auf die CSU, aber nicht mehr auf Edmund Stoiber. Das hat der Ministerpräsident noch nicht verstanden.
(Erschienen: 09.01.2007 00:07)
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