Statt eines Zanders beißt eine Mississippi-Schildkröte an
Ob das nun das sprichwörtliche Anglerglück war? Dominik Eisele (17) weiß nicht so recht. Absicht war der exotische Fang jedenfalls nicht. Ehe er sich's versah, zappelte das auffällig gemusterte Wassertier am Haken. Jetzt sucht die etwa 30 Zentimeter lange, am Kopf ganz typisch gelb gestreifte Mississippi-Kröte einen neuen Besitzer - einen Besitzer, der sie auch behält und vor allem artgerecht hält. Für den Moment ist sie (die eigentlich ein "er" ist) bei einer Tierärztin in Gaisbeuren untergekommen.
Dickster Fang war ein Zander
Es war am Montagmorgen, kurz vor halb elf. Dominik Eisele ging seiner liebsten Freizeitbeschäftigung nach. Der 17-Jährige, der demnächst seine Lehre als Einzelhandelskaufmann beginnt und zurzeit bei Rewe jobbt, angelt seit seinem sechsten, siebten Lebensjahr. Sein dickster Fang war bisher ein Zander, 80 Zentimeter lang und viereinhalb Kilo schwer.
Auf Zander (oder Hecht) ging Dominik auch am Montagmorgen. Der 17-Jährige sitzt am Ufer des Sees, unterhalb vom Haus Härle in der Biberacher Straße. Der Köderfisch hängt am Haken, das Geduldsspiel kann beginnen. Doch dieses Mal muss der junge Mann nicht lange warten. Schnapp macht es, ein Ruckler an der Leine, der Köderfisch ist geschluckt. "Ich dachte erst, es beißt ein Zander", sagt Dominik, doch statt des im Stadtsee beheimateten Speisefischs hing eine exotische Schildkröte am Haken. "Da war ich erst mal baff", kommentiert er sein "Glück", und schiebt trocken hinterher: "So was fängt man auch nicht jeden Tag."
Eigentlich sollte man "so was" im Stadtsee überhaupt nicht fangen. Ein Mississippischildkröten-Männchen, der Name sagt es ja schon, kommt in unseren Breiten nur im Aquarium vor. Der Schluss liegt nahe: Sein vormaliger Besitzer, zunächst hellauf begeistert von dem exotischen - und für Schildkrötenverhältnisse durchaus hübschen - Tier, ist seiner Errungenschaft bald wieder überdrüssig geworden und hat sie im Stadtsee "entsorgt".
Ein Schicksal, das offenbar nicht nur Vierbeinern zu Beginn der Ferienzeit mit unschöner Regelmäßigkeit widerfährt, sondern auch Amphibien, wie wir jetzt wissen. Tierärzte bestätigen, dass unser Exot vom Mississippi nicht die erste Schildkröte war, die aus dem Stadtsee gefischt wurde.
Alle Angler atmen auf
Auch Angler, die am Montagmorgen zufällig des Weges kommen und Dominik Eiseles Fang mit gemischten Gefühlen begutachten, können manche Geschichte von Schildkröte & Co. erzählen. Bei der Gelegenheit stellt sich dann auch schnell heraus, dass die Mississippi-Kröte wohl schon seit längerer Zeit im und am Stadtsee ihr neues Zuhause gefunden hat. Immer wieder haben Angler das exotische Tier beobachten können, das erste Mal schon vor vier, fünf Jahren.
Offenbar hat dem Wassertier das Klima in Bad Waldsee gefallen. Auch die Tierärztin, die sich nun um das Wohl der Schildkröte kümmert, ist mit ihrem Zögling zufrieden. Er steht gut im Futter, ist rundum in einem guten Zustand. Das Nahrungsangebot im Stadtsee muss gepasst haben. Die hiesigen Angler sind deshalb nicht unfroh, dass der Exot seinen Platz am Stadtsee wieder räumen muss. Besonders lieben gefräßige Mississippischildkröten-Männchen nämlich frisches Fleisch - Fleisch von jungen Fischen.
(Erschienen: 02.07.2008 00:06)
Ob das nun das sprichwörtliche Anglerglück war? Dominik Eisele (17) weiß nicht so recht. Absicht war der exotische Fang jedenfalls nicht. Ehe er sich's versah, zappelte das auffällig gemusterte Wassertier am Haken. Jetzt sucht die etwa 30 Zentimeter lange, am Kopf ganz typisch gelb gestreifte Mississippi-Kröte einen neuen Besitzer - einen Besitzer, der sie auch behält und vor allem artgerecht hält. Für den Moment ist sie (die eigentlich ein "er" ist) bei einer Tierärztin in Gaisbeuren untergekommen.
Dickster Fang war ein Zander
Es war am Montagmorgen, kurz vor halb elf. Dominik Eisele ging seiner liebsten Freizeitbeschäftigung nach. Der 17-Jährige, der demnächst seine Lehre als Einzelhandelskaufmann beginnt und zurzeit bei Rewe jobbt, angelt seit seinem sechsten, siebten Lebensjahr. Sein dickster Fang war bisher ein Zander, 80 Zentimeter lang und viereinhalb Kilo schwer.
Auf Zander (oder Hecht) ging Dominik auch am Montagmorgen. Der 17-Jährige sitzt am Ufer des Sees, unterhalb vom Haus Härle in der Biberacher Straße. Der Köderfisch hängt am Haken, das Geduldsspiel kann beginnen. Doch dieses Mal muss der junge Mann nicht lange warten. Schnapp macht es, ein Ruckler an der Leine, der Köderfisch ist geschluckt. "Ich dachte erst, es beißt ein Zander", sagt Dominik, doch statt des im Stadtsee beheimateten Speisefischs hing eine exotische Schildkröte am Haken. "Da war ich erst mal baff", kommentiert er sein "Glück", und schiebt trocken hinterher: "So was fängt man auch nicht jeden Tag."
Eigentlich sollte man "so was" im Stadtsee überhaupt nicht fangen. Ein Mississippischildkröten-Männchen, der Name sagt es ja schon, kommt in unseren Breiten nur im Aquarium vor. Der Schluss liegt nahe: Sein vormaliger Besitzer, zunächst hellauf begeistert von dem exotischen - und für Schildkrötenverhältnisse durchaus hübschen - Tier, ist seiner Errungenschaft bald wieder überdrüssig geworden und hat sie im Stadtsee "entsorgt".
Ein Schicksal, das offenbar nicht nur Vierbeinern zu Beginn der Ferienzeit mit unschöner Regelmäßigkeit widerfährt, sondern auch Amphibien, wie wir jetzt wissen. Tierärzte bestätigen, dass unser Exot vom Mississippi nicht die erste Schildkröte war, die aus dem Stadtsee gefischt wurde.
Alle Angler atmen auf
Auch Angler, die am Montagmorgen zufällig des Weges kommen und Dominik Eiseles Fang mit gemischten Gefühlen begutachten, können manche Geschichte von Schildkröte & Co. erzählen. Bei der Gelegenheit stellt sich dann auch schnell heraus, dass die Mississippi-Kröte wohl schon seit längerer Zeit im und am Stadtsee ihr neues Zuhause gefunden hat. Immer wieder haben Angler das exotische Tier beobachten können, das erste Mal schon vor vier, fünf Jahren.
Offenbar hat dem Wassertier das Klima in Bad Waldsee gefallen. Auch die Tierärztin, die sich nun um das Wohl der Schildkröte kümmert, ist mit ihrem Zögling zufrieden. Er steht gut im Futter, ist rundum in einem guten Zustand. Das Nahrungsangebot im Stadtsee muss gepasst haben. Die hiesigen Angler sind deshalb nicht unfroh, dass der Exot seinen Platz am Stadtsee wieder räumen muss. Besonders lieben gefräßige Mississippischildkröten-Männchen nämlich frisches Fleisch - Fleisch von jungen Fischen.
(Erschienen: 02.07.2008 00:06)
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