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Spurensuche in Gedächtnissen

BIBERACH - Anke Limprecht ist die einzige, die bei den Filmfestspielen mit zwei Filmen vertreten ist: "Maßnahmen zur Rettung der schlesischen Heimat" und "Für Mischa in Russland". Von unserem Redakteur Achim Zepp Anke Limprecht ist 1967 in Biberach geboren. Nach dem Abitur am Pestalozzi-Gymnasium studiert sie in Stuttgart Bibliothekswesen; später am Institut für Kunstpädagogik in München und an der Kunsthochschule für Medien in Köln.

Von unserem Redakteur Achim Zepp

Anke Limprecht ist 1967 in Biberach geboren. Nach dem Abitur am Pestalozzi-Gymnasium studiert sie in Stuttgart Bibliothekswesen; später am Institut für Kunstpädagogik in München und an der Kunsthochschule für Medien in Köln. Ihr Vordiplom in Köln, "Ein Lehrfilm über die Rekonstruktion von Stasi-Akten", eine Dokumentation, die ohne jede Erklärung auskommt, wird mit Preisen überhäuft. Der Film läuft auf über 40 internationalen Festivals, erhält die Preise "Best documentary" in Barcelona und Tampere, den Deutschen Nachwuchsfilmpreis in Babelsberg 2001 und von der Filmbewertungsstelle das Prädikat "besonders wertvoll".

Als Repräsentantin der Stadt Biberach beim internationalen Künstlertreffen für Lichtbildkunst und Malerei "Swidnica 2001" in Biberachs Partnerstadt Schweidnitz bewegt sie sich buchstäblich auf Schritt und Tritt in deutschen Spuren - und das in einer polnischen Stadt. "Das hat mich irritiert", sagt sie, "ja, fast peinlich berührt." Ihr Vater ist aus seiner schlesischen Heimat vertrieben worden. Wo kommt er genau her? Wie war das damals? Gespräche mit dem Vater nach der Schweidnitzreise lassen den Gedanken an einen Film reifen. "Maßnahmen zur Rettung der schlesischen Heimat" wird 2003 ihre Diplomarbeit an der Kunsthochschule für Medien in Köln. Der Film zeigt die Suche eines Deutschen, ihres Vaters, nach den mit Porzellan, Kristall und Silber gefüllten Milchkannen, die sein Großvater vergraben hatte, bevor die Familie 1946 aus Schlesein vertrieben wurde. Die Enkelkinder, beide neun Jahre alt, helfen bei dieser Spuren- und Schatzsuche. Vor der Reise hatte Anke Limprecht mit dem heute in dem Haus wohnenden Ehepaar gesprochen und vereinbart, dass es eventuell gefundene Kostbarkeiten behalten dürfe.

Auf zur Wiege des Wissens!

Spurensuche ist für die Bibliothekarin, die halbtags in der Mediathek der Kunsthochschule für Medien in Köln und in der Bonner Kinemathek arbeitet, ein zentrales Filmthema. In ihrem Lehrfilm über die Rekonstruktion von Stasi-Akten puzzeln ein Mann und eine Frau aus einem Meer von Papierschnipseln Stasi-Akten zusammen. In "Maßnahmen des Bundesverwaltungsamtes zum Schutz von Kulturgut" von 2002 dokumentiert sie, wie Mikrofilme von Behörden-Archivalien in einem unterirdischen Bergungsort bei Freiburg gelagert werden: Ein in luftdichte Edelstahlbehälter verpacktes staatliches Gedächtnis sozusagen.

Die Bibliothekarin Limprecht hilft der Filmemacherin Limprecht immer wieder bei der Themenfindung auf die Sprünge, die Filmemacherin zeigt der Bibliothekarin, wie man scheinbar trockene Themen spannend aufbereitet. Im Januar wird ihr Dokumentarfilm "Bibliotheca Alexandrina" Premiere haben, ein Film über diese faszinierende ägyptische Bibliothek, die den Mythos der legendären antiken Bibliothek aufgreift und bei der Eröffnung 2002 überschwänglich als "Wiege des Wissens" gefeiert wurde.

(Erschienen: 06.11.2004 00:19)

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